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Weihnachten mit einem narzisstischen Partner: Du hältst durch?

29. Nov. 2025
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 4. Aug.

Du stehst in der Küche und überlegst, was es am Heiligabend zu essen geben soll. Er hat schon eine klare Vorstellung, Gans, so wie jedes Jahr, und eine lange Begründung dazu, Tradition, Familie, so macht man das eben. Dass die Kinder lieber etwas anderes hätten, spielt dabei keine Rolle, an der ausführlichen Begründung ändert das trotzdem nichts. Du kochst am Ende das, was er will, planst die Vorlieben der anderen drumherum ein, so gut es geht, und wenn dir der Stress anzumerken ist, sagt er, du sollst dich doch nicht so anstellen. Dabei bist du es, die dafür sorgt, dass am Ende überhaupt ein schönes Fest auf dem Tisch steht.


"Narzisstisch" ist hier ein Begriff für eine bestimmte Beziehungsdynamik, keine Diagnose für deinen Partner. Und in diesem Text geht es weniger um ihn als um das, was diese Dynamik mit dir macht: um deine Muster, deine Reaktionen, deine Anpassung.

Genau die werden an Weihnachten besonders sichtbar.


Ausgerechnet Weihnachten...

Im Kern steht eine bestimmte Schieflage. Er hat feste Vorstellungen davon, wie der Tag laufen muss, und diese Vorstellungen werden von Jahr zu Jahr mehr statt weniger. Alle um ihn herum richten sich nach seiner Stimmung aus, damit er zufrieden ist, das spürst du selbst am deutlichsten.


Du dagegen willst einfach ein harmonisches Fest, für dich, für die Kinder, vielleicht für weitere Familienmitglieder.


Er will beschenkt werden und will, dass seine eigenen Geschenke gefeiert werden. Wofür er aber nicht geradestehen will, ist das Gelingen des Tages selbst. Planung, Vorbereitung, das Auffangen, wenn etwas schiefläuft, und die Nachbereitung danach, das bleibt in der Regel bei dir hängen.

Diese Lücke, Erwartungen ohne Verantwortung auf seiner Seite, Verantwortung ohne Anerkennung auf deiner, ist eine Grund für die Erschöpfung. Nicht ein einzelner schwieriger Moment am Fest, eher das Ungleichgewicht, das sich über Wochen der Vorbereitung und Tage der Umsetzung zieht, bevor überhaupt jemand am Tisch sitzt.



Dazu kommt, dass ihr über die Feiertage eng zusammen seid, ohne die Ausweichräume, die du sonst im Alltag hast, ein Termin, ein Wochenende bei einer Freundin, kurze Verschnaufpausen. Und weil Weihnachten symbolisch für Nähe und Geborgenheit steht, wiegt es zusätzlich schwer, wenn sich am Ende doch wieder das gewohnte Muster wiederholt: du sorgst für den Ablauf, er nimmt die Zufriedenheit, die dabei entsteht, für sich in Anspruch.


Muster, die gerade an Weihnachten auffallen

Aus genau dieser Lücke heraus entstehen bei dir bestimmte Reaktionen, die sich Jahr für Jahr wiederholen.


Du liest die Stimmung, bevor du deine eigene wahrnimmst. Er kommt zur Tür rein, und du hörst am Klang des Schlüsselbunds schon, ob heute ein guter oder ein schwieriger Abend wird. Noch bevor er ein Wort gesagt hat, hast du innerlich schon einen Plan B.




Du hältst einfach durch, egal wie erschöpft du bist. Aufgeben oder das Fest platzen lassen kommt für dich nicht in Frage. Also ziehst du es durch, auch wenn du innerlich längst am Ende bist, weil dir jede Alternative schlimmer erscheint als das Durchhalten selbst.


Du übernimmst die Verantwortung für das ganze Fest. Die Sitzordnung, die Geschenke für seine Familie, das Gespräch am Tisch, das nicht kippen darf. Du merkst es oft erst, wenn du am 24. abends völlig erschöpft bist und dich fragst, wofür eigentlich, du wolltest doch nur ein schönes Fest.


Du sagst eigene Wünsche schon im Vorfeld ab. Du wolltest am zweiten Feiertag eigentlich zu deiner Schwester. Du sagst ab, bevor überhaupt Streit entstehen kann, einfach weil du die Anspannung im Vorfeld schon spürst und ihr aus dem Weg gehen willst.


Nach einem Wortwechsel suchst du zuerst bei dir. Ein kurzer, scharfer Satz von ihm, und du gehst die letzten Stunden im Kopf durch: War ich zu laut, zu fordernd, zu wenig dankbar. Die Frage, was das eigentlich mit ihm zu tun haben könnte, kommt oft erst viel später oder gar nicht.


Du hoffst gerade an den emotional aufgeladenen Momenten auf Nähe. Beim Auspacken der Geschenke, beim Anstoßen um Mitternacht, wartest du auf den einen Moment, in dem er wirklich da ist. Diese Hoffnung ist menschlich, macht dich aber auch verletzlicher, wenn der Abend dann doch wie gewohnt verläuft.



Wann bleibst du bei dir?

Statt zu analysieren, was er wieder gemacht hat, lohnt sich die Frage, wie viel du dich selbst verlassen hast, um die Tage zu überstehen.



Und die leise Hoffnung, dass es dieses Jahr anders wird?




Und wenn du dich am Ende des Abends fragst, warum du dich für ganz normale Bedürfnisse rechtfertigst, wie den Wunsch nach Ruhe oder einem eigenen Wunsch beim Essen, lohnt sich ein Blick auf das Thema:



Was DIR wirklich hilft

Sein Verhalten ist der Auslöser. Was danach in dir passiert, deine Reaktion, ist der Teil, an dem du wirklich ansetzen kannst.

Nimm die Szene mit dem Essen von oben. Er besteht auf der Gans, begründet das lang und breit, und dein erster Impuls ist, das einfach hinzunehmen und allen recht zu machen, auch wenn das bedeutet, dich selbst und die Vorlieben der Kinder unter den Tisch fallen zu lassen.


Genau an diesem Punkt lohnt sich ein Moment des Innehaltens.


Um deine eigene Reaktion bewusst zu wählen, statt sie automatisch ablaufen zu lassen. Du kannst für dich festhalten: Ich mache das Essen, das er will, aber ich koche nicht zusätzlich noch drei andere Gerichte, damit niemand enttäuscht ist. Das ist kein Kampf gegen ihn, sondern eine Grenze, die du für dich selbst ziehst.



Das Gleiche gilt für die anderen Muster aus diesem Text. Wenn du merkst, dass du am liebsten deine eigenen Wünsche schon im Vorfeld absagst, frag dich, ob das aus einem echten Wunsch kommt oder aus der Angst vor Anspannung. Wenn du nach einem scharfen Wort zuerst bei dir selbst nach dem Fehler suchst, gib dir bewusst ein paar Sekunden mehr, bevor du das tust. Und wenn du merkst, dass du wieder durchhältst, obwohl du längst erschöpft bist, frag dich, was dir für die nächsten dreißig Minuten helfen würde, nicht gleich für den ganzen Abend.


Klein ist oft wichtiger als vollständig. Es geht nicht darum, an einer einzigen Stelle bewusst anders zu reagieren als sonst.


Häufige Fragen zu Weihnachten in einer narzisstischen Beziehung


Muss mein Partner offiziell als narzisstisch diagnostiziert sein, damit das hier auf mich zutrifft?

Nein. Die Muster, um die es hier geht, sind deine eigenen. Du musst nicht klären, ob eine Diagnose zutrifft, um zu erkennen, dass du dich in einer Beziehung immer wieder klein machst oder für die Stimmung anderer verantwortlich fühlst.

Nein, meistens nicht. Sie werden nach den Feiertagen nur leiser, nicht kleiner. Es lohnt sich, auch außerhalb der Weihnachtszeit genauer hinzuschauen, wann du dich selbst zurückstellst.

Ein kurzer innerer Stopp reicht oft schon. Frag dich, ob die Aufgabe, die du gerade übernimmst, wirklich deine ist, oder ob du sie dir nur genommen hast, um Anspannung zu vermeiden. Schon diese eine Frage, an einer einzigen Stelle gestellt, ist ein Anfang.

Ich bin Psychologin und arbeite mit Frauen in Beziehungen die ihr subtil schaden.




Eine Übersicht zu meinen Blogbeiträgen zum Thema Psychische Erkrankung in der Partnerschaft findest du hier:







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Über die Autorin: 

Dr. Eva Winkler ist Diplom-Psychologin und Coach. Sie begleitet Frauen, die viel tragen und sich dabei selbst aus dem Blick verlieren. Es geht um psychische Erkrankungen innerhalb von Beziehungen, Funktionieren-müssen und den Weg zu sich selbst.

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inmut: Mut nach innen, um zu verändern. 

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