Hör auf zu googeln! Ich bin Opfer eines Narzissten. Die Lüge von der „einfachen Lösung“
- Eva
- 26. Nov. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 8. Dez. 2025
Viele Frauen googeln irgendwann heimlich: „Bin ich in einer narzisstischen Beziehung?“, „Emotionaler Missbrauch Anzeichen“ oder „Wie komme ich von einem Narzissten los?“
Wenn du diesen Beitrag liest, bist du wahrscheinlich schon einen Schritt weiter: Du weißt Bescheid.
Du weißt, dass du mit einem narzisstischen Menschen zu tun hast. Doch die Erkenntnis ist nicht die Ziellinie. Sie ist der Moment, in dem dir klar wird, dass du in einem Käfig steckst.
Die nächste Frage fühlt sich überwältigend an: Und jetzt? Was mache ich mit dieser verfluchten Erkenntnis?
Dieser Beitrag holt dich genau an dieser Stelle ab. Ohne Panik. Ohne das Geflüster von Scham. Und vor allem: Ohne die blöde Erwartung, dass du jetzt „einfach nur gehen“ musst.
Die Erkenntnis ist ein Durchbruch Aber sie ist nicht die Lösung
Du hast einen gigantischen Schritt gemacht: Du hast das Chaos benannt.
Die Falle: Du glaubst, dass du jetzt rational handeln kannst. Der Haken: Dein Nervensystem, deine tiefen Schema und die verdammte, zähe Hoffnung auf „dass es doch irgendwann besser wird“ pfeifen auf Logik.
Deshalb fühlt sich der Moment nach der Erkenntnis oft so an, als wärst du in einer emotionalen Waschmaschine:
Erleichterung (Endlich verstehst du die krankhafte Dynamik.)
Scham (Wie konnte ich so blind, so dumm, das zulassen?)
Angst (Was, wenn ich gehe? Was bin ich dann noch wert?)
Ohnmacht (Ich weiß es aber ich kriege den Arsch nicht hoch.)
Höre auf, dich für diese Mischung zu verurteilen. Das ist nicht irrational. Das ist nicht schwach. Das ist einfach die normale menschliche Reaktion auf psychische Kriegsführung.
Warum du jetzt keine großen Entscheidungen treffen MUSST
Eine narzisstische Beziehung hält dich in einem Dauerzustand, der wie ein Burnout der Seele wirkt. Du bist emotional nicht nur erschöpft, sondern regelrecht traumatisiert.
Ständige Selbstzweifel
Permanente Alarmbereitschaft
Anpassung bis zur Selbstaufgabe
Existenzielle Angst, verlassen oder bestraft zu werden
In diesem Zustand kann niemand klar denken. Und Narzissten wissen das. Sie halten dich dort.
Du musst also jetzt noch nicht entscheiden, ob du gehst, bleibst, Abstand hältst oder klare Grenzen setzt. Jeder Mensch, der dir jetzt sagt, du sollst sofort gehen, hat keine Ahnung, wie sich das anfühlt.
Der erste, einzige und wichtigste Schritt ist: Stabilisierung. Dein Kopf muss wieder an die frische Luft.
Die drei Säulen der Stabilisierung: Mach dein System dicht
Damit du wieder handlungsfähig wirst, brauchst du Distanz – äußerlich oder innerlich. Das gelingt in drei Bereichen, die radikal Priorität haben.
a) Mentale Entlastung: Schluss mit dem Narzissmus-P*rno
Vermeide Informationsüberflutung. 10 Videos am Stück über Narzissten helfen nicht, sie triggern dich nur weiter. Sie halten dich im Kopf des Täters fest. Fokus: Wenige, fundierte Quellen. Dann Stopp. Reduziere das Thema auf eine halbe Stunde am Tag.
b) Körperliche Regulation: Raus aus der Angst-Schleife
Narzisstische Beziehungen hinterlassen körperlichen Stress: dein Körper glaubt, du bist in Lebensgefahr. Um in deine Kraft zu kommen, brauchst du Beruhigung, nicht Analyse.
Langsamer Ausatem (z. B. 4 Sekunden ein, 6 Sekunden aus)
Intensive Bewegung (Springen, Schreien, Laufen – lass den Stress aus den Muskeln.)
Sensorische Wahrnehmung (Ein Eiswürfel in die Hand, eiskaltes Wasser ins Gesicht: hol dich ins Hier und Jetzt.)
c) Innere Sortierung: Was gehört zu mir?
Solange dein inneres System im Chaos ist, fühlt sich jeder Schritt bedrohlich an. Die Entscheidung, ob du gehst, kommt später. Zuerst:
Was tut MIR gut? (Unabhängig davon, was ER will?)
Wann fühle ICH mich sicher?
Woran merke ICH, dass eine Grenze überschritten wurde?
Diese Fragen bringen Orientierung zurück. Nicht der Narzisst ist dein Fokus, du bist es.
Die hässliche Wahrheit: Du gehst nicht, weil du emotional gebunden bist
Viele Betroffene schämen sich dafür, dass sie bleiben oder immer wieder zurückgehen. Hör auf damit!
Narzisstische Beziehungsmuster binden auf emotionaler Ebene, nicht auf rationaler. Das ist kein Willensproblem, sondern eine Art Bindungstrauma.
Typische innere Themen, die der Narzisst auf übelste Weise aktiviert:
Sehnsucht nach Anerkennung (Die Droge: Love Bombing)
Angst vor Alleinsein (Die Strafe: Silent Treatment)
Die stille Hoffnung, endlich „gesehen“ zu werden (Die Lüge: Die nächste Chance)
Das ist keine Schwäche. Das ist ein erlernter Bindungsmechanismus. Und er lässt sich lösen; aber nicht durch Druck, sondern durch ehrliche, innere Arbeit.
Was du jetzt konkret tun kannst: Mikro-Grenzen
Hier beginnen die ersten realen Schritte in deine Freiheit; ganz ohne den Druck, die Koffer packen zu müssen.
Hol dir eine neutrale Außenperspektive: Keine Freundin, die sofort „Geh!“ ruft (weil sie dich liebt, aber die Dynamik nicht versteht). Sondern jemand, der strukturiert sortiert. Ein Coach, ein Therapeut, ein Anwalt.
Erstelle eine Beziehungs-Landkarte: Mach eine Liste. Was passiert? Wie reagierst du? Was löst es in dir aus? Übersicht verwandelt Chaos in Klarheit und entzieht der Ohnmacht den Nährboden.
Identifiziere deine inneren Anteile: Die Hoffende, die Beschämte, das Notstromaggregat (funktionieren, egal wie es mir geht). Diese Teile erklären, warum du bleibst und wie du dich von der narzisstischen Beziehung lösen kannst. Sie brauchen Trost, nicht Peitschenhiebe.
Setze Mikro-Grenzen : Nicht die dramatischen Schritte. Sondern winzige Veränderungen, die dein System stabilisieren:
später antworten
keine Rechtfertigungssätze mehr (Dein Leben, deine Entscheidung, Punkt.)
kürzere Telefonate ("Ich muss jetzt los, Tschüss.")
erste „Nein“-Momente, bei denen dein Herz nicht explodiert.
Aus Mikro-Grenzen entsteht echte, unumstößliche Autonomie.
Der Weg heraus führt nicht über Härte, sondern über klare Entscheidung
Der Satz „Ich bin Opfer eines Narzissten“ ist nicht das Ende der Geschichte. Er ist der Anfang deiner Rückkehr zu dir.
Es geht nicht darum, sofort die starke Kriegerin zu sein. Sondern Schritt für Schritt:
Verstehen (Hast du schon getan.)
Stabilisieren (Das ist deine Hausaufgabe für die nächsten Wochen.)
Entscheiden (Erst, wenn du wieder klar denken kannst.)
Handeln
Heilen
Dein Nervensystem muss mitkommen. Deine inneren Anteile müssen mitkommen. Deine Selbstfürsorge muss mitkommen.
Du bist nicht das Problem. Du bist die Lösung. Und du beginnst sie, indem du heute beschließt: Ich höre auf, mich selbst zu stressen.
Deine erste Mikro-Grenze:
Was wäre ein einziger Satz oder eine einzige Handlung, die du heute nur für dich tust, ohne es zu erklären oder zu rechtfertigen?
Brauchst du professionelle Begleitung?
oder einfach mal ein kurzes Telefonat?
Ich bin Psychologin und mein Schwerpunkt liegt auf Coaching von Angehörigen psychisch erkrankter Menschen. Du bist und fühlst dich wahrscheinlich psychisch stabil und gesund? Nur, geht es dir gut? Und wie lange noch?



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