Mobbing am Arbeitsplatz: Leitfaden für Führungskräfte
- Eva
- 13. Sept. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Erkennen, Stoppen, Rechtssicherheit
Mobbing am Arbeitsplatz ist leider kein Einzelfall. Für Dich als Führungskraft gilt: frühzeitiges Erkennen und konsequentes Handeln schützt nicht nur Deine Mitarbeitenden vor tiefen seelischen Wunden, sondern auch das gesamte Unternehmen vor Schaden. Doch viele Führungskräfte unterschätzen ihre zentrale Rolle. Oder sie sind unsicher, wie sie menschlich einfühlsam und gleichzeitig rechtssicher reagieren können.
Mobbing am Arbeitsplatz erkennen: die ersten Warnsignale
Mobbing zeigt sich oft subtil und zehrt im Stillen an der Seele der Betroffenen: ständige, nicht nachvollziehbare Kritik, systematische Ausgrenzung, die Verbreitung von Gerüchten oder eine bewusste, systematische Überlastung einzelner Mitarbeitender. Es ist eine Form psychischer Gewalt, die darauf abzielt, ein Gegenüber dauerhaft zu entwürdigen.
Deine wichtigste Aufgabe ist es, mit psychologischem Feingefühl auf Verhaltensänderungen im Team zu achten:
Rückzug oder Isolation: Ein ehemals geselliger Kollege zieht sich plötzlich von Kolleginnen und Kollegen zurück oder meidet gemeinsame Pausen.
Krankmeldungen und Überlastung: Häufige Kurzkrankmeldungen, psychosomatische Symptome oder deutliche Anzeichen von Überlastung und Stress.
Plötzliche Leistungseinbrüche: Ein Mitarbeiter, dessen Performance immer stabil war, zeigt ohne ersichtlichen Grund Leistungseinbrüche, Unsicherheit oder Fehler.
Stimmungsschwankungen: Du bemerkst eine erhöhte Reizbarkeit oder tiefe Niedergeschlagenheit, wo zuvor Ausgeglichenheit herrschte.
Nimm bereits kleine, diffuse Hinweise ernst. Wer achtsam ist, kann frühzeitig intervenieren, bevor der seelische Schaden irreversibel wird und die Situation eskaliert.
Handeln statt abwarten: psychologisch fundierte Schritte
Deine Passivität ist in solchen Fällen nicht nur ein Verstoß gegen die Fürsorgepflicht, sondern verlängert das Leid. So handelst Du wirksam und verantwortungsvoll:
Empathisches Gespräch suchen: Sprich Betroffene und mögliche Täter einzeln und vertraulich an. Höre aktiv zu, nimm die Schilderungen ernst und vermeide vorschnelle Urteile. Empathie ist der erste Schritt zur Deeskalation.
Lückenlose Dokumentation: Protokolliere alle Vorfälle, Gespräche, Daten und beteiligten Personen sachlich. Diese lückenlose Dokumentation ist essenziell, um Deine Handlungen nachvollziehbar und rechtlich abgesichert zu machen.
Moderierte Intervention: Bei Mobbing im Team musst Du klar und bestimmt eingreifen. Kommuniziere unmissverständlich, dass solches Verhalten nicht toleriert wird. In komplexen Fällen ist eine professionelle Mediation oder Moderation notwendig, um die zugrunde liegende Dynamik zu durchbrechen.
Umfassende Unterstützung anbieten: Biete sowohl Betroffenen als auch Beteiligten professionelle Hilfe wie externes Coaching, Supervision oder die Nutzung eines Employee Assistance Program (EAP) an, um die psychische Belastung aufzufangen.
Follow-up und Kontrolle: Die Situation ist nicht mit einem einzigen Gespräch gelöst. Kontrolliere regelmäßig und nachhaltig die Situation, um Rückfälle und eine Verlagerung des Mobbings zu verhindern.
Rechtssicher handeln: Deine Fürsorgepflicht
Als Führungskraft trägst Du die Verantwortung für das Wohlbefinden Deiner Mitarbeitenden. Eine unterlassene oder unzureichende Intervention bei Mobbing könnte arbeitsrechtliche Konsequenzen für Dich und das Unternehmen nach sich ziehen, da Du Deine Fürsorgepflicht verletzt.
Dokumentation ist Dein Beweis: Führe das Protokoll so detailliert wie ein Mobbingtagebuch. Es dient als objektive Faktenbasis.
Interne Richtlinien anwenden: Sei mit den Antidiskriminierungs- und Konfliktlösungsvorschriften Deines Unternehmens vertraut und wende sie konsequent an.
Rechtliche Beratung frühzeitig einholen: Ziehe bei Unsicherheit rechtlichen Rat hinzu, um keine einseitigen Sanktionen ohne wasserdichte Faktenbasis zu verhängen.
Wenn Du systematisch, entschlossen und einfühlsam vorgehst, schützt Du Deine Mitarbeitenden und stärkst die Resilienz des gesamten Unternehmens.
Prävention ist der beste Schutz
Die beste Reaktion auf Mobbing ist, es gar nicht erst entstehen zu lassen. Schaffe als Führungskraft eine psychologisch sichere Teamkultur:
Transparenz und Wertschätzung: Sorge für offene Kommunikation, klare Rollen und Verantwortlichkeiten, um Gerüchten und Unsicherheiten den Nährboden zu entziehen.
Stärkung der Konfliktfähigkeit: Ermutige Dein Team, Konflikte offen und konstruktiv anzusprechen. Biete Trainings zur Konfliktlösung an.
Regelmäßige Gespräche: Nutze Feedback- und Entwicklungsgespräche nicht nur für die Leistung, sondern auch für das persönliche Befinden.
Fazit:
Deine Rolle als Führungskraft ist entscheidend. Deine Aufmerksamkeit, Dein frühzeitiges und psychologisch fundiertes Handeln sowie rechtssichere Interventionsschritte sind die wirksamsten Mittel, um die Eskalation von Mobbing zu verhindern. Führungskräfte, die aktiv Mobbing erkennen und stoppen, stärken nicht nur die psychische Gesundheit und das Vertrauen im Team, sondern sichern auch den langfristigen Erfolg Deines Unternehmens.
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