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Co-Abhängigkeit und Überverantwortung: Wenn das Leben von Angehörigen nur noch um andere kreist

  • Eva
  • 15. Nov. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Dein Leben als Notfallplan


Vielleicht kennst du dieses Gefühl nur zu gut: Du liebst einen Menschen, der unter einer psychischen Störung leidet. Du bist da, du möchtest unterstützen und stabilisieren. Doch mit der Zeit stellst du fest, dass deine eigenen Bedürfnisse, deine Energie, ja sogar deine Gesundheit, kaum noch eine Rolle spielen.

Du funktionierst. Du hältst aus. Du sorgst, organisierst und rettest. Gleichzeitig wächst die Frage: Wie bin ich da hineingeraten?

Viele nennen dieses Beziehungsgeflecht Co-Abhängigkeit von Angehörigen. Der Begriff ist umstritten und ungenau, aber er beschreibt eine sehr reale Dynamik:

Wichtig: Du bist nicht per se "krank", aber die dauerhafte Übernahme der Verantwortung für das Wohlbefinden eines anderen kann dich krank machen.

Was hinter dem Muster der Überverantwortung steckt


Wenn du mit einem Partner, Freund oder Familienmitglied zusammenlebst, das psychisch instabil, depressiv, impulsiv oder emotional extrem bedürftig ist, entsteht oft dieses typische Muster:

  • Du übernimmst zu viel Verantwortung: Du fühlst dich für die Stimmung, das Glück und die Stabilität des anderen zuständig.

  • Du bist der emotionale Ausgleicher: Du entschärfst Konflikte, redest Stimmungen schön und hältst "das System" permanent zusammen.

  • Du vernachlässigst eigene Bedürfnisse: Deine eigenen Wünsche und Grenzen verschwinden fast vollständig aus deinem Fokus.

  • Du rutschst in die Retterrolle: Du identifizierst dich mit deiner Rolle als Stütze und fühlst dich gefangen.


Dieses Muster entsteht nicht, weil du "schwach" bist. Es passiert, weil du loyal, belastbar und tief empathisch bist. Diese großartigen Eigenschaften werden in diesem anspruchsvollen Kontext schlicht überstrapaziert.


Ein ernstes Warnsignal, keine Diagnose


Auch wenn "Co-Abhängigkeit" oder "Überverantwortung" keine offizielle psychische Diagnose sind, sind die Folgen dieser Beziehungsdynamiken ernst zu nehmen. Die ständige Belastung kann dazu führen, dass du selbst:

  • Anhaltend erschöpft und ausgelaugt bist.

  • Körperliche Symptome entwickelst (Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, ständige Anspannung).

  • Angst vor Konflikten hast und dich schuldig fühlst, wenn es dem anderen schlecht geht.

  • Das Gefühl hast, du würdest "versagen", wenn der andere leidet oder nicht stabil bleibt.

Merke: Diese Belastung ist eine Folge der Situation, nicht ein Fehler oder eine Schwäche in dir.


Warum wir in die Retterrolle rutschen


Das Hineinrutschen in solche Muster ist oft eine komplexe Mischung aus:

  • Tiefe Liebe und Verantwortungsgefühl: Der Wunsch, dem geliebten Menschen zu helfen, ist das stärkste Motiv.

  • Angst vor dem Alleinsein / Verlust: Die Sorge, den anderen im Stich zu lassen oder die Beziehung zu gefährden.

  • Die Hoffnung auf Besserung: Die Überzeugung, dass es besser wird, wenn man nur noch mehr tut.

  • Gelernten Mustern: Oft spielen Erfahrungen aus der eigenen Kindheit oder früheren Beziehungen eine Rolle.

Viele Angehörige berichten: "Ohne die psychische Belastung meines Partners wäre ich wahrscheinlich stabil geblieben." Und das ist eine wichtige Erkenntnis!

Was dir jetzt helfen kann: Die ersten Schritte zur Selbstfürsorge


Du musst nicht von heute auf morgen dein gesamtes Leben umkrempeln. Konzentriere dich auf einen ersten, kleinen Schritt:

  1. Sprich offen darüber: Teile deine Situation mit einer neutralen Person (Freund, Coach, Therapeut).

  2. Eigene Bedürfnisse wahrnehmen: Erlaube dir aktiv, eigene Bedürfnisse zu spüren und zu formulieren.

  3. Hol dir Unterstützung: Beratung, Coaching oder Therapie speziell für Angehörige kann dir Klarheit und Werkzeuge geben.

  4. Kleine Grenzen setzen: Übe, klare Grenzen zu ziehen und diese auch konsequent einzuhalten.

  5. Unterscheide Verantwortung: Prüfe ehrlich, was du tatsächlich beeinflussen kannst – und was ganz klar die Verantwortung des anderen ist.


Ein Satz, der dich entlasten kann:

Du bist nicht verantwortlich für die psychische oder emotionale Stabilität eines anderen Menschen.

Du darfst dir selbst helfen


Selbstfürsorge ist kein Zeichen von Egoismus. Es ist die Grundlage dafür, langfristig überhaupt noch unterstützend handeln zu können – ohne dabei selbst Schaden zu nehmen.

Wenn du dich in diesen Zeilen wiederfindest, dann sieh es als wichtiges Signal zum Handeln. Du hast es verdient, gesehen zu werden: nicht nur als Stütze, sondern als Mensch mit eigenen Bedürfnissen, klaren Grenzen und einem Recht auf ein erfülltes Leben.

Brauchst du mal ein offenes Ohr? Vereinbare gerne ein kostenloses Erstgespräch.


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