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Die unsichtbare Wurzel aller Konflikte: Warum es am Ende immer um deinen Selbstwert geht

  • Eva
  • 28. Okt. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Der Kern des Problems: Mehr als nur "Selbstliebe"


Egal, mit welchem vordergründigen Thema du in meine Praxis kommst: Am Ende führen fast alle Wege zu derselben zentralen Frage: Was bin ich wert? Es geht um deinen eigenen, tief verwurzelten Wert.


Die Anliegen sind vielfältig und zeigen sich oft in Deinem Alltag:

  • Chronische Erschöpfung und Burnout-Symptome, weil Du Dich nur über Leistung definierst.

  • Wiederkehrende Beziehungskonflikte, weil Du Deine eigenen Grenzen nicht kommunizierst.

  • Das Gefühl ständiger Überforderung, weil Du nicht Nein sagen kannst und jedem gefallen willst.

  • Der quälende Gedanke, nie gut genug zu sein ("Ich bin nicht genug"), der Dich antreibt und gleichzeitig lähmt.


Viele nehmen an, Selbstwert sei etwas Oberflächliches, eine Art kosmetische Einstellung, bei der du Dich nur öfter mal mögen sollst. Doch diese Sichtweise greift zu kurz.

Merksatz: Dein Selbstwert ist keine flüchtige Meinung über dich. Er ist die tiefe, fundamentale Art und Weise, wie du mit dir selbst in Beziehung stehst.

Schutzmechanismen: Wenn dein Inneres in den Überlebensmodus schaltet


Die Qualität Deiner Selbstbeziehung zeigt sich in ganz konkreten Momenten. Sie entscheidet darüber:

  • Wie du innerlich mit dir sprichst. Sagst du „Das hast du schon wieder falsch gemacht“ oder „Das ist menschlich, daraus lernst du“?

  • Wie du dich behandelst, wenn du Fehler machst oder versagst. Bestrafst du dich mit Rückzug oder übst du Selbstmitgefühl?

  • Ob du deinen eigenen Gefühlen und deiner Intuition vertraust ("Fühlt sich das richtig an?") oder diese sofort wegredest.


Wenn diese innere Beziehung beschädigt ist (oft durch frühe emotionale Vernachlässigung, Scham oder ständige Abwertung in der Kindheit) entstehen ungesunde Schutzmechanismen. Vielleicht kennst Du diese bei Dir:


  • Perfektionismus: Du musst Dich bis zur Erschöpfung anstrengen, um keine Angriffsfläche zu bieten.

  • Funktionieren: Du bist nur dann liebenswert, wenn Du Leistung erbringst oder gebraucht wirst.

  • Kontrolle: Du versuchst, das Leben, andere Menschen oder Deine Gefühle ständig zu überwachen.

  • Anpassung: Du machst Dich klein, damit es harmonisch bleibt und vermeidest Konflikte um jeden Preis.


Diese Muster halten Dich zwar kurzfristig am Laufen, aber sie haben einen hohen Preis: Sie trennen Dich von Deinem authentischen Selbst und verhindern ein stabiles Selbstwertgefühl.


Der therapeutische Weg: Wiederherstellung der inneren Verbindung


Jede Form der Psychotherapie, unabhängig von der Methode, zielt im Kern darauf ab, diese beschädigte Beziehung zu dir selbst zu heilen und wiederherzustellen. Es geht darum, dass du dich selbst wieder als wertvoll erlebst, ohne jegliche Bedingung und ohne den ständigen Zwang zum Vergleich.


Drei therapeutische Ansätze zur Stärkung des Selbstwerts


  1. IFS (Internal Family Systems): Du lernst, mit deinen inneren Anteilen in Kontakt zu treten – nicht, um sie zu bekämpfen, sondern um sie wertzuschätzen und zu verstehen, welche Rolle sie in Deinem Überleben gespielt haben.

  2. ACT (Acceptance and Commitment Therapy): Der Fokus liegt auf der Entwicklung von Selbstmitgefühl. Du lernst, Dein Handeln wieder an Deinen tiefsten persönlichen Werten auszurichten, anstatt Dich von Angst oder Pflichtgefühl leiten zu lassen.

  3. Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie: Hier werden die unbewussten Muster und frühen Beziehungserfahrungen beleuchtet, die Dein aktuelles Selbstbild und Deine Selbstbeziehung prägen. Du verstehst, wie sich alte Wunden im Heute wiederholen, und kannst sie dadurch auflösen.


Selbstwert wächst nicht durch Leistung, er wächst durch Sehen


Der größte Irrglaube unserer Gesellschaft ist, dass dein Selbstwert durch äußeren Erfolg, eine neue Diät oder Selbstoptimierung steigt. Dieses Streben nach Leistung ist selbst oft nur ein verzweifelter Versuch, den Mangel im Selbstwert auszugleichen.

Wahrer, stabiler Selbstwert wächst nur, wenn du beginnst, dich selbst ganz zu sehen auch dort, wo Du dich lange versteckt hast und fehlerhaft fühlst.


Therapie ist kein Werkzeug, um besser zu funktionieren.

Sie ist ein tiefgreifender Weg, um zu erkennen, dass Du bereits wertvoll bist. Einfach, weil Du existierst.



Wenn Du heute auf Dich selbst blickst: Welche Schutzstrategie (Perfektionismus, Funktionieren etc.) ist gerade am aktivsten? Und welche freundliche Botschaft könnte dein inneres, wertvolles Selbst diesem Anteil jetzt zukommen lassen?

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