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Unglücklich in der Beziehung aber ich kann nicht gehen. Für Mütter die feststecken

  • Eva
  • 19. Mai
  • 5 Min. Lesezeit

Es gibt Momente wo du sie siehst.

Im Café, auf Instagram, irgendwo auf der Straße. Frauen die leicht wirken. Die lachen ohne vorher zu prüfen ob der Moment passt. Die Pläne machen ohne jemanden zu fragen. Die einfach existieren ohne ständig die Temperatur im Raum zu messen.

Und du spürst etwas das du dir kaum eingestehst. Keinen Respekt. Keine Bewunderung.

Neid.

Nicht auf ihr Aussehen oder ihr Geld. Auf ihre Leichtigkeit. Auf die Art wie sie Raum einnehmen als hätten sie dazu das Recht. Auf das was du einmal hattest und irgendwann still aufgegeben hast.

Du erinnerst dich noch an diese Version von dir. Nicht perfekt, aber lebendig. Präsent. Dir selbst gehörend.

Wann ist sie gegangen?


Du bist unglücklich in deiner Beziehung, kannst aber nicht gehen und weißt selbst nicht genau warum.


Du liebst ihn. Und wartest...

Du liebst ihn.

Oder du liebst was ihr einmal wart.

Oder du liebst die Idee was ihr noch werden könntet wenn er sich nur ein bisschen verändern würde.

Wenn er endlich sehen würde.

Wenn er verstehen würde.

Du wartest auf diesen Moment. Schon sehr lange.

Und während du wartest passt du dich an. Du formulierst Sätze so dass sie nicht triggern. Du schluckst Dinge die wehtun weil der Moment nie stimmt. Du stellst deine Bedürfnisse zurück ...und aus einmal kurz ist irgendwann immer geworden.


Du weißt das.


Das ist das Schwerste daran. Du weißt es ganz genau. Und machst trotzdem weiter.


Welche Frauen es schaffen

Es gibt Frauen die es schaffen. Nicht nur die bei denen es wirklich schlimm war. Nicht nur die mit Polizeieinsätzen und Anwälten. Auch die wie du. Die in einer Beziehung feststecken die still zerstört. Die niemand von außen als das erkennt was sie ist, weil sie selbst sie kaum so benennen würden.


Was ist bei ihnen anders?

Nicht dass sie stärker waren. Nicht dass sie weniger geliebt haben. Nicht dass sie weniger Angst hatten.


Bei ihnen hat die Scham die Seite gewechselt.

(abgedroschener Satz, aber er pass auch in diesen Kontext...)


Solange du dich schämst zu gehen, bleibst du. Die Scham hält dich fest. Unsichtbar, lautlos, absolut wirksam.


Aber irgendwann passiert etwas. Die Scham dreht sich um. Plötzlich schämt sie sich nicht mehr dafür zu gehen. Sie schämt sich dafür zu bleiben. Dafür was sie ihren Kindern zeigt. Dafür was sie sich selbst täglich zumutet. Dafür wer sie geworden ist im Vergleich zu wer sie einmal war. Oder wer sie sein will.


Dieser Moment ist nicht planbar. Er kommt nicht weil jemand von außen sagt jetzt ist es genug. Er kommt von innen. Leise. Unübersehbar.


Aber er kann vorbereitet werden.

Er wird vorbereitet in den Momenten wo du aufhörst auf ihn zu schauen. Wo du anfängst dich zu fragen was du eigentlich brauchst. Wer du bist. Was dir fehlt. Was du deinen Kindern wirklich mitgeben willst.


Der Kipppunkt ist nicht die Erkenntnis dass er das Problem ist.

Der Kipppunkt ist die Erkenntnis dass du die Lösung bist.


Die Komfortzone die niemand so nennt

Ich sage es einfach mal laut:


Diese Beziehung tut dir nicht gut. Sie ist vertraut. Du weißt wie sie funktioniert. Du kennst die Regeln. Du weißt wann du schweigst, wann du sprichst, wann du nachgibst. Du hast gelernt wie man dieses Leben bewältigt...


Und das Unbekannte, ein Leben das nur dir gehört, macht mehr Angst als das Vertraute. Auch wenn das Vertraute wehtut.

Das ist die eigentliche Komfortzone. Nicht er. Die Anpassung selbst. Das Aufgeben hat sich irgendwann aufgehört falsch anzufühlen. Es fühlt sich einfach normal an.


Eine Beziehung zu verlassen erfordert Mut. Aber es erfordert noch etwas anderes das schwerer wiegt. Es erfordert bereit zu sein sich selbst zu begegnen. Ohne ihn als Spiegel. Ohne die Rolle als Partnerin als Orientierung. Einfach DU...wer ist das eigentlich noch?


Die Kinder. Das Argument das alles überschreibt

Und dann sind da die Kinder.

Das Argument das sich so wahr anfühlt, so verantwortungsvoll, so aufopfernd.


Aber ich frage dich etwas. Und ich bitte dich ehrlich zu antworten, nur dir selbst gegenüber:

Sind die Kinder wirklich der Grund? Oder sind sie die Erklärung die sich besser anfühlt als die Wahrheit?


Deine Kinder sehen dich. Nicht die Version die du ihnen zeigst. Die echte.

Sie spüren die Spannung bevor du sie benennen kannst. Sie lernen still und unwiderruflich wie Liebe aussieht. Wie viel man von sich selbst aufgibt. Ob die eigenen Bedürfnisse zählen.

Eine Mutter die sich selbst aufgibt lehrt ihre Kinder nicht Opferbereitschaft. Sie lehrt ihnen dass man sich selbst nicht wichtig nehmen darf.

Das ist kein Vorwurf. Es ist eine zärtlichste Wahrheit


Wer du sein könntest

Ich möchte dir ein Bild zeigen. Kein perfektes Leben, keine Erleuchtung, kein Filmende.

DICH. In ein paar Jahren:


Eine Frau die morgens aufwacht und kurz innehalten kann bevor der Tag beginnt. Die weiß was sie fühlt und es sich traut zu benennen. Die ihren Kindern zeigt wie man Grenzen setzt, weil sie selbst welche hat. Die lacht ohne vorher zu prüfen ob es passt. Die Entscheidungen trifft aus sich heraus, nicht aus Angst vor der Reaktion.

Die sich manchmal an diese Zeit erinnert, an das Feststecken, und nicht mit Bitterkeit daran denkt. Sondern mit Verständnis. Die weiß dass es damals Angst war.

Und die irgendwann den Mut gefunden hat hinzuschauen. Nach innen. Dorthin wo das alles wirklich angefangen hat.


Diese Frau existiert. Sie ist nicht weit weg.

Sie wartet darauf dass du aufhörst wegzuschauen.

Du musst heute keine Entscheidung treffen. Aber ich bitte dich um eine einzige ehrliche Frage an dich selbst, heute Nacht wenn die Kinder schlafen:

Was weißt du schon längst?


Welche Fragen du dir ehrlich stellen darfst wenn du unglücklich bleibst


Ich bleibe wegen der Kinder. Ist das nicht das Richtige?

Kinder brauchen keine vollständige Familie. Sie brauchen eine stabile Mutter. Die Frage ist nicht ob die Kinder eine Erklärung sind. Die Frage ist ob sie auch ein Schutzschild sind, vor der Angst, vor dir selbst, vor dem Unbekannten das auf dich wartet.


Vielleicht bin ich das Problem. Vielleicht erwarte ich zu viel.

Diese Frage stellen sich fast ausschließlich Frauen die zu wenig bekommen. Wer wirklich zu viel erwartet zweifelt selten so tief an sich selbst. Das Zweifeln ist kein Zeichen dass du das Problem bist. Es ist ein Zeichen wie lange du schon in dieser Dynamik bist.


Ich habe so viele Jahre investiert. Kann ich das einfach aufgeben?

Die Jahre die du investiert hast sind nicht verloren wenn du gehst. Sie sind Teil von dir. Die einzige Investition die wirklich verloren geht ist die die du ab heute noch machst, in etwas das dir nicht zurückgibt was du hineinsteckst.


Ich liebe ihn doch noch. Wie kann ich gehen wenn ich ihn noch liebe?

Liebe und eine gesunde Beziehung sind nicht dasselbe. Man kann jemanden lieben und trotzdem erkennen dass diese Beziehung einen zerstört. Die eigentliche Frage ist ob du dich selbst auch liebst.


Wann ist der richtige Moment um Hilfe zu holen?

Jetzt. Nicht wenn es schlimmer wird. Nicht wenn die Kinder größer sind. Nicht wenn du stärker bist. Jetzt, in diesem Moment, wo du diesen Brief gelesen hast und etwas in dir gesagt hat: Das stimmt. Dieses Etwas ist der richtige Moment.


Ich bin Psychologin und begleite Mütter die genau an diesem Punkt stehen. Wenn dieser Brief dich getroffen hat, ist das kein Zufall.

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