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Meine Beziehung macht mich krank ... wann ist es zu viel?

  • Eva
  • 13. Mai
  • 4 Min. Lesezeit

Du liebst ihn noch? Oder glaubst du das zumindest...eigentlich...meistens...


Aber dann gibt es diese Momente, in denen du dich dabei ertappst, wie du dir wünschst, er würde einfach nicht da sein?

Nicht für immer. Nur für eine Stunde. Einen Abend. Eine Nacht, in der du schläfst ohne auf sein Atmen zu achten.


Und sofort kommt die Scham. Was für ein Mensch denkt so etwas?

Du.

Ein Mensch, der zu lange zu viel gegeben hat.

Die Verwirrung, die du gerade fühlst: ob das noch Liebe ist oder schon nur noch Gewohnheit, Pflicht, Angst vor dem Danach...diese Verwirrung ist kein Zeichen, dass du ihn nicht liebst. Sie ist ein Zeichen, dass du dich selbst gerade kaum noch kennst.


Und das ist der eigentliche Notfall.


Liebe fühlt sich nicht mehr so an wie früher


Jede längere Beziehung verändert das Gefühl von Liebe. Die frühe Intensität weicht etwas Ruhigerem, Verlässlicherem. Das ist Reife.

Aber was du gerade beschreibst, klingt nach etwas anderem. Nicht nach ruhiger Liebe.


Nach Taubheit. Nach dem Gefühl, dass da wo früher etwas war (Wärme, Freude, Lust auf ihn ) jetzt einfach nichts mehr ist. Eine Leerstelle, die du mit Funktionieren füllst.


„Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich ihn nicht mehr umarmt habe, weil ich wollte. Ich habe nicht mal gemerkt, wann das passiert ist. Es hat sich einfach so angefühlt, als wäre die Wärme langsam aus mir herausgesickert."

Ihr Partner leidet an einer bipolaren Störung. Sie hat sieben Jahre lang seine Hochs aufgefangen und seine Tiefs ausgehalten. Sieben Jahre lang hat sie gedacht: Das ist Liebe. Das macht man. Irgendwann hat ihr Körper angefangen zu sprechen. Weil sie es nicht mehr konnte.


Der Körper lügt nicht

Du kannst dir einreden, dass alles in Ordnung ist. Du kannst lächeln, funktionieren, Termine machen und Abendessen kochen. Aber dein Körper führt Buch. Ehrlicher als du:


Kopfschmerzen, die ohne klaren Auslöser kommen.

Ein Kloß im Hals, wenn du nach Hause fährst.

Schlaf, der nicht erholt ... weil du selbst im Schlaf irgendwie wachsam bist. Magenprobleme. Verspannungen im Nacken, die keine Massage wegbekommt. Eine Erschöpfung, die sich mit keinem Wochenende wegatmen lässt.


Dein Körper sagt: So kann ich nicht mehr.


Chronischer Beziehungsstress versetzt den Körper dauerhaft in einen Alarmzustand. Du lebst nicht mehr. Du überlebst. Und der Unterschied ist nicht dramatisch. Er ist still. Und er macht krank.


Warum du nicht weißt, ob du noch liebst

Wenn du seit langer Zeit deine eigenen Gefühle hintanstellst, verlierst du irgendwann den Zugang zu ihnen. Sie sind nicht weg, du hast nur aufgehört zuzuhören.


Du weißt nicht mehr, ob du ihn liebst weil du so lange nicht mehr gefragt hast, was du überhaupt fühlst.


Du hast nur gefragt: Wie geht es ihm? Was braucht er? Wie verhindere ich, dass heute wieder ein schlechter Tag wird?


Aber nicht: Wie geht es mir? Was brauche ich? Was fühle ich gerade, jetzt, wirklich?


Diese Fragen sind nicht einfach wenn du jahrelang trainiert hast, sie nicht zu stellen.


Die Verwirrung, die du fühlst, ist das Ergebnis von zu langer Selbstverleugnung. Du hast dich so sehr an seinen Rhythmus angepasst, dass du deinen eigenen nicht mehr kennst.

Und wenn du deinen eigenen Rhythmus nicht kennst wie sollst du dann wissen, ob das, was du für ihn fühlst, noch Liebe ist?


Wann macht eine Beziehung krank und wann ist es zu viel?


Eine Beziehung macht krank, wenn sie dauerhaft mehr nimmt als sie gibt. Nicht in schwierigen Phasen, die gibt es in jeder Partnerschaft.

Eher strukturell, chronisch, ohne Aussicht auf Veränderung.


Es ist zu viel, wenn du diese Fragen mit Ja beantwortest:

Dein Körper streikt. Du hast körperliche Symptome die verschwinden, wenn du Zeit alleine hast, und zurückkommen, wenn du nach Hause kommst. Dein Körper zeigt dir damit klar: Diese Umgebung ist keine Erholung. Sie ist Belastung.


Du hast aufgehört, du selbst zu sein. Hobbys, Freundschaften, Pläne...vieles davon existiert nicht mehr. Weil es sich irgendwann nicht mehr richtig angefühlt hat, während er leidet.


Die Verantwortung ist einseitig und unveränderlich. Du trägst. Er wird getragen. Das ist in akuten Krisen normal und menschlich. Aber wenn es der Dauerzustand ist dann ist das keine Beziehung mehr. Das ist ein Versorgungsverhältnis.


Du stellst dir die Frage, ob du noch liebst. Täglich. Nicht als flüchtigen Gedanken. Eher als schweres, wiederkehrendes Grübeln. Diese Frage ist selbst bereits eine Antwort. Darauf, dass etwas fundamental nicht stimmt.


Du hast Angst vor seiner Reaktion, wenn du ehrlich bist. Wenn du nicht mehr sagen kannst, wie es dir wirklich geht, weil du weißt oder fürchtest, dass er zusammenbricht, eskaliert oder dich bestraft? Dann ist die Beziehung kein sicherer Ort mehr. Für dich.


Was jetzt?

Das hier ist kein Trennungsratgeber. Und es ist keine Aufforderung zu bleiben.

Es ist eine Einladung, ehrlich zu sein. Zuerst mit dir selbst.


Nicht die Frage: Soll ich bleiben oder gehen? Die ist zu groß für diesen Moment.


Eher: Was brauche ich, um mich wieder zu spüren?

Vielleicht ist es ein Gespräch. Vielleicht ist es Abstand. Vielleicht ist es professionelle Begleitung

Aber fang an. Nicht mit ihm. Mit DIR.

Denn eine Beziehung, die dich krank macht, wird nicht gesünder, wenn du noch kranker wirst.


Ich bin Psychologin und begleite Frauen, die genau an diesem Punkt stehen. Wenn du dich hier wiedererkennst dann ist das der Anfang, nicht das Ende.

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