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Umgang mit Narzissten nach Trennung: Dein Kind schützen und emotional überleben. Strategien für das lebenslange Trainingscamp.

  • Eva
  • 22. Nov. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Nov. 2025

Eine Trennung sollte Erlösung bedeuten: Abstand, Ruhe, Heilung. Doch wenn du ein gemeinsames Kind mit einem narzisstisch geprägten Ex-Partner hast, ist die Realität oft das Gegenteil: chronischer Stress und emotionale Dauerbelastung.


Du kannst nicht in den "heilsamen" No-Contact gehen. Du bist weiterhin in einem dynamischen, oft manipulativen System eingebunden, das sich weder durch liebevolle Gespräche noch durch Einsicht beruhigt. Es gibt keine gemeinsame Basis, die von Kooperation getragen wird.

Es ist im Grunde der Zustand eines lebenslangem Trainingscamps: eine anstrengender Drahtseilakt zwischen deiner eigenen Stabilität, konsequentem Selbstschutz und dem dringenden Bedürfnis, dein Kind vor Eskalation zu bewahren.





Es ist maximal anstrengend. Du bist erschöpft. Aber: Du kannst lernen, dieses System zu entschärfen. Du kannst die Regeln des Spiels ändern, indem du deine Reaktion trainierst.

Natürlich solltest du dich parallel um deine mentale Gesundheit kümmern und deine Muster bearbeiten und auch die ggf. traumatischen Ereignisse dieser Beziehung aufarbeiten. ABER nicht im Kontakt mit deinem Ex Partner. Hier braucht es Strategien, die dich langfristig tragen und schützen werden. Deine Stärke liegt in deiner Strategie.


1. Radikale Realität: Er wird sich nicht ändern


Co-Parenting setzt Kooperation, Perspektivübernahme und Verlässlichkeit voraus. Narzisstisch strukturierte Menschen verfügen darüber nur begrenzt, oder auch gar nicht.

Das bedeutet:

  • Vereinbarungen gelten nur, solange sie ihm nützen.

  • Kritik führt zu Gegenangriffen, nicht zu Einsicht.

  • Macht, Status oder Aufmerksamkeit sind entscheidender als das Kindeswohl.

  • Emotionale Gespräche eskalieren statt zu klären.

Die wichtigste Grundlage im Umgang mit Narzissten nach der Trennung ist daher Erwartungsmanagement. Du verhinderst Frustration, indem du keine unrealistischen Erwartungen mehr pflegst. Akzeptiere die Realität, nicht die Wunschvorstellung.


2. Der Business Mode: Kommunizieren wie im Büro


Da emotionale Kommunikation kaum möglich ist, brauchst du ein funktionales Setting: den "Business Mode".

  • kurz, sachlich, nüchtern

  • schriftlich, wo immer möglich (E-Mail, spezialisierte App)

  • keine Rechtfertigungen

  • keine Diskussionen über Vorwürfe

  • keine spontanen Telefonate

  • kein Einsteigen in Provokationen

Eine Leitfrage hilft dir, stabil zu bleiben:

Würde ich diesen Satz vor Gericht vorzeigen können?

Wenn nein, nicht abschicken.


3. Parallel Parenting statt Co-Parenting


Klassisches Co-Parenting funktioniert nur mit kooperationsfähigen Menschen. Wenn das nicht gegeben ist, schützt dich Parallel Parenting. Hierbei minimierst du die Berührungspunkte und agierst wie in parallelen Universen.

  • klare Übergabezeiten und feste Orte

  • wenig Flexibilität (da jede Ausnahme zur Machtdemonstration wird)

  • keine gemischten Gespräche über dein Privatleben

  • das Kind nicht instrumentalisieren lassen

  • alle Entscheidungen möglichst nachweisbar festhalten

Ziel ist nicht Harmonie (Ich weiß, das ist meist ein Muster von dir), sondern Konfliktminimierung.


4. Angriffsflächen minimieren


Narzisstisch geprägte Ex-Partner nutzen häufig emotionale Schwachpunkte, um Reaktion zu erzwingen. Dein wirksamster Schutz ist emotionale Neutralität.

Deshalb gilt:

  • keine persönlichen Einblicke (Womit beschäftigst du dich? Wen datest du?)

  • keine emotionalen Reaktionen (Wut, Tränen, Verzweiflung)

  • keine Rechtfertigungen für deine Entscheidungen

  • keine langen Diskussionen

  • keine Bemühungen, „verstanden“ zu werden

Je weniger du reagierst, desto weniger lohnt sich die Eskalation.


5. Dokumentation statt Diskussion


Viele Betroffene landen früher oder später bei Jugendamt, Erziehungsberatung oder Familiengericht. Das liegt nicht an dir, sondern am Muster deines Gegenübers, der Drama und Machtspiel sucht.

Wichtig ist:

  • Kommunikation aufbewahren (am besten in einem separaten Ordner)

  • Absprachen schriftlich bestätigen

  • Grenzüberschreitungen dokumentieren (wann, was, wer war Zeuge)

  • Fakten nennen, keine Diagnosen

  • lösungsorientiert bleiben (auch in der Dokumentation)

Dokumentation schafft Sicherheit, wenn Worte verdreht und Tatsachen verzerrt werden.


6. Stabilität statt Gerechtigkeit


Ein häufiger und zermürbender Fehler ist der Versuch, Recht zu bekommen, Gerechtigkeit herzustellen oder Einsicht zu erzwingen. Das führt fast immer zu weiteren, zeitraubenden Konflikten.

Deine Strategie sollte lauten:

  • Stabil bleiben statt siegen wollen

  • konsequent Grenzen halten

  • nicht korrigieren

  • nicht überzeugen

  • nicht emotional reagieren

Konflikte verlieren ihren Reiz, wenn sie keine Bühne mehr haben und deine Reaktion ausbleibt.


7. Selbstversorgung außerhalb der Ex-Beziehung


Eine narzisstisch geprägte Beziehung hinterlässt oft emotionale Leerstellen und bindet viel Energie. Es ist entscheidend, diese Leerstellen nicht beim Ex-Partner füllen zu wollen.

Stattdessen:

  • Emotionaler Support durch Freund*innen und Familie

  • Beratung, Coaching oder Therapie, um die Dynamik zu verstehen

  • eigenes Netzwerk aufbauen und pflegen

  • Selbstregulation trainieren 

  • Trigger erkennen und entschärfen

Du schaffst dir externe Stabilität, die dich im Kontakt mit dem Ex schützt.


8. Grenzen klar kommunizieren & durchhalten


Grenzen wirken nur, wenn sie wiederholbar, knapp und konsequent sind. Sie dienen deinem Schutz. Und endlich darfst du sie jeden Tag üben! Betrachte es als ein Trainingscamp.

  • „Ich muss ja nicht rangehen, wenn du anrufst.“

  • „Ich beantworte Nachrichten zwischen 20–8 Uhr nicht.“

  • „Übergaben finden wie vereinbart am festgelegten Ort statt.“

  • „Ich bleibe bei der getroffenen Absprache/dem Gerichtsbeschluss.“

Keine Drohungen, kein Drama, nur Linie halten. Konsequenz ist der Schlüssel, der zeigt, dass die Grenze real ist.


9. Institutionen als Bühne verstehen


Für narzisstisch geprägte Menschen sind Ämter, Schulen und Gerichte oft eine Bühne für Macht, Selbstdarstellung oder die Inszenierung des eigenen Opfertums. Für dich ist wichtig zu verstehen, dass sie nicht der Heilsbringer sind. Die Institutionen werden dich und dein Kind NICHT erlösen! (Wie lange hast du gebraucht um deinen EX zu entlarven, erwarte das nicht von Fachmenschen!). Das kannst du nur selber durch innere Klarheit.


Deine Aufgabe ist es, in diesem Umfeld:

  • ruhig und gelassen

  • sachlich

  • faktenorientiert

  • strukturiert

  • lösungsorientiert

aufzutreten. Nicht die lautere Person wirkt glaubwürdiger, sondern die stabilere und besser vorbereitete.


10. Die Essenz: Innere Distanz als dein Superpower


Du kannst die Persönlichkeit des Ex-Partners nicht verändern. Du kannst das System nur kontrollieren, indem du deine Reaktion trainierst und emotionale Distanz schaffst.

Die Kernprinzipien für deine innere Stabilität:

  • Klare Erwartungen (Er wird sich nicht ändern).

  • Business Mode (keine Emotionen, nur Fakten).

  • Parallel Parenting (Konfliktminimierung statt Harmonie).

  • Neutrale Haltung (kein Einsteigen in die Provokation).

  • Rigide Selbstfürsorge (Deine Tankstelle muss extern sein).

  • Gute Dokumentation (Fakten statt Gefühle).

Du hast die Kontrolle über deine Reaktion: nutze diese Macht.


Worauf du jetzt achten musst


Du bist schon lange in diesem Trainingscamp und die Erschöpfung ist dein größter Gegner. Egal, wie dünnhäutig du heute bist oder wie groß die Versuchung, endlich Recht zu bekommen: Deine Stabilität und die deines Kindes haben absolute Priorität.

Diese drei Regeln müssen in jedem Moment abrufbar sein:


  1. Priorität: Schutz (deiner Energie und deines Kindes)


Du bist der Anker in diesem System. Um das zu bleiben, musst du deine Grenzen halten und deine Energie konsequent schützen.

  • Regel: Keine Emotionen für den Ex-Partner. Wut, Tränen oder Frustration sind Brennstoff für das Drama. Entlade diese Emotionen nur in deinem Support-System (Therapie, Freunde), niemals in der Kommunikation mit deinem Ex-Partner.

  • Regel: Konsequenz ist wichtiger als Korrektur. Versuche nicht, Argumente zu gewinnen oder falsche Darstellungen richtigzustellen. Halte einfach deine Grenze. ("Ich bleibe bei der vereinbarten Übergabezeit.")


  1. Priorität: Kommunikation (Kurz, Sachlich, Dokumentiert)


Die Kommunikation ist das gefährlichste Minenfeld. Dein Ziel ist es, sie so trocken und funktional wie möglich zu halten, auch wenn du innerlich kochst.

  • Regel: Der Business Mode ist deine Rüstung. Fasse dich kurz, vermeide alles Persönliche und Rechtfertigungen. Dein Fokus liegt auf Kindeswohl-Fakten (Termine, Logistik, Entscheidungen).

  • Regel: Dokumentiere alles. Du schaffst Beweise für dich und dein Kind, nicht für ihn. Nutze deinen Dokumentationsordner als Beweis für deine Stabilität und lösungsorientierte Haltung.


  1. Priorität: Selbstversorgung (Deine Tankstelle muss extern sein)


Der Versuch, Einsicht oder Wiedergutmachung beim Ex-Partner zu finden, ist eine leere Tankstelle. Du musst lernen, deine emotionalen Bedürfnisse vollständig außerhalb dieser Beziehung zu befriedigen.

  • Regel: Trigger-Management. Identifiziere die Dinge, die dich sofort in die emotionale Reaktion bringen. Sobald der Trigger kommt, verlässt du die Szene (physisch oder mental) und wendest deine Selbstregulationstechnik an (Atemübung, kurz weglegen).

  • Regel: Du bist nicht allein. Nutze die Unterstützung deines Netzwerks und professionelle Hilfe. Dies ist kein Kampf, den du allein führen sollst oder musst.



Der Umgang mit Narzissten nach der Trennung ist ein dauerhaftes Training. Du wirst darin stark, gelassen und strategisch werden und genau das ist der wichtigste Schutz für dich und für dein Kind.


Ich wünsche dir viel Kraft auf deinem Weg!



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