Test: Psychische Gewalt in der Partnerschaft
- Eva
- 23. März
- 8 Min. Lesezeit
Weil es nicht so einfach zu erkennen ist wie ein Schlag ins Gesicht oder ein würgender Arm. Hier eine Liste von Anzeichen, dass du nicht mit einem "schwierigen Mann" zusammen bist, sondern in häuslicher (psychischer) Gewalt.
Soziale Isolation & Kontrolle
Ich treffe mich seltener oder gar nicht mit Freunden.
Beispiel: Jedes Mal, wenn du weggehst, gibt es danach „Diskussionen“. Um den Stress zu vermeiden, bleibst du lieber gleich zu Hause.
Er macht mir ein schlechtes Gewissen, wenn ich Zeit ohne ihn verbringe.
Beispiel: Er schreibt: „Viel Spaß, während ich hier mit den Kindern allein bin und Rückenschmerzen habe.“
Er kontrolliert mein Handy oder meinen Standort „aus Sorge“.
Beispiel: Er verlangt dein Passwort. Wenn du zögerst, sagt er: „In einer ehrlichen Beziehung hat man keine Geheimnisse.“
Er behauptet, Freunde und Familie würden schlecht über mich reden.
Beispiel: Er sagt: „Deine Mutter hat mir am Telefon gesagt, dass sie dein Verhalten auch nicht mehr versteht.“ (Ziel: Du ziehst dich von deiner Mutter zurück).
Er sabotiert meine berufliche Entwicklung.
Beispiel: Direkt vor deinem wichtigen Vorstellungsgespräch inszeniert er einen dramatischen Eifersuchtsanfall, damit du völlig verweint und unkonzentriert dort ankommst.
Er vergleicht mich ständig mit anderen Frauen.
Beispiel: „Schau mal, wie toll die Nachbarin das alles hinkriegt. Warum kannst du nicht auch so entspannt sein?“
Er macht meine Hobbys schlecht, bis ich sie aufgebe.
Beispiel: Du gehst zum Yoga. Er sagt: „Das ist doch nur eine Sekte für frustrierte Hausfrauen.“ Irgendwann gehst du nicht mehr hin.
Er „vergisst“ Verabredungen, um meine Pläne zu sabotieren.
Beispiel: Er sollte die Kinder hüten, damit du zum Kurs kannst. Er kommt zwei Stunden zu spät „wegen der Arbeit“ und meldet sich nicht.
Er nutzt emotionale Erpressung, um Grenzen einzureißen.
Beispiel: „Wenn du jetzt wirklich zu deiner Schwester fährst, zeigt mir das, dass dir unsere Beziehung absolut nichts wert ist.“
Realitätsverlust
Er behauptet, Dinge seien nie passiert (Gaslighting).
Beispiel: Er hat die Autotür zugeschlagen und dich stehen lassen. Später sagt er: „Ich bin ganz normal weggefahren, du dramatisierst mal wieder alles.“
Er macht mich vor anderen lächerlich und verkauft es als „Witz“.
Beispiel: Auf einer Party erzählt er eine peinliche Geschichte über dein Versagen im Job. Wenn du verletzt bist, sagt er: „Lach doch mal über dich selbst, du bist so verbittert.“
Er stellt sich als das eigentliche Opfer dar.
Beispiel: Du weinst, weil er dich verletzt hat. Er fängt an zu schreien, wie sehr ihn dein Weinen belastet und dass er es ist, der unter deiner „Labilität“ leidet.
Er nutzt meine psychischen Schwachstellen gegen mich aus.
Beispiel: Du hast ihm von einem Kindheitstrauma erzählt. Im Streit sagt er: „Kein Wunder, dass dein Vater dich nicht geliebt hat, wenn du dich so aufführst.“
Er entscheidet, was ein „echtes“ Bedürfnis ist.
Beispiel: Er kauft sich ein teures Hobby-Auto, sagt aber, deine neue Winterjacke sei „unnötiger Luxus“, den wir uns nicht leisten können.
Ständige Anpassung
Ich fühle mich häufig angespannt oder unsicher.
Beispiel: Du sitzt auf dem Sofa und spürst einen Kloß im Hals, einfach nur, weil er im selben Raum ist.
Ich scanne ständig seine Laune.
Beispiel: Du hörst, wie er die Hausschlüssel ablegt, und weißt sofort am Geräusch, ob du heute Abend „sicher“ bist oder nicht.
Ich überlege mir dreimal, wie ich einen Satz formuliere.
Beispiel: Du willst fragen, wer angerufen hat, und überlegst fünf Minuten lang, ob das als „Kontrolle“ ausgelegt werden könnte, um keinen Streit zu riskieren.
Ich entschuldige mich ständig für Dinge, die ich nicht getan habe.
Beispiel: Er verschüttet Kaffee und du sagst automatisch: „Entschuldigung, ich stand wohl im Weg.“
Ich fühle mich wie auf einem Minenfeld.
Beispiel: Ein falsches Wort über das Abendessen reicht aus, damit er das Besteck hinwirft und den Raum verlässt.
Ich habe Angst vor seinen Reaktionen, auch wenn er mich nie geschlagen hat.
Beispiel: Allein sein Blick oder das drohende Schweigen lassen dein Herz rasen und deine Hände zittern.
Er wechselt innerhalb von Sekunden von liebevoll zu eiskalt.
Beispiel: Eben habt ihr noch gelacht, dann stellst du eine Rückfrage und er wird sofort hasserfüllt und beleidigend.
Ich fühle mich in meiner eigenen Wohnung nicht mehr sicher.
Beispiel: Du bist erst wirklich entspannt, wenn er das Haus verlässt oder auf Geschäftsreise ist.
Seine schlechte Laune dominiert den gesamten Raum.
Beispiel: Wenn er beleidigt ist, darf niemand im Haus lachen oder Musik hören, ohne dass er aggressiv reagiert.
Ich fühle mich schuldig, wenn es mir gut geht, während er schlechte Laune hat.
Beispiel: Du hattest einen tollen Tag, traust dich aber nicht, davon zu erzählen, weil er wieder über seinen Job jammert und deine Freude als „unsensibel“ abstempelt.
Sexualisierte Gewalt & Körperliche Autonomie
Ich habe Sex mit ihm, nur um einen Streit abzuwenden.
Beispiel: Du bist müde, aber du weißt, wenn du Nein sagst, wird er die ganze Nacht diskutieren oder dich beleidigen. Also lässt du es über dich ergehen.
Ich „funktioniere“ im Bett, damit er mich danach in Ruhe lässt.
Beispiel: Du tust so, als hättest du Spaß, damit der „Akt“ schneller vorbei ist und er für ein paar Tage zufrieden gestellt ist.
Er gibt mir das Gefühl, ich sei ihm Sex „schuldig“.
Beispiel: „Ich arbeite den ganzen Tag für unser Geld, da ist es wohl nicht zu viel verlangt, dass du wenigstens im Bett für mich da bist.“
Er weckt mich nachts auf, bis ich nachgebe.
Beispiel: Er rüttelt dich wach und fängt an zu fummeln. Er ignoriert dein „Ich muss morgen früh raus“, bis du entnervt ja sagst.
Ich fühle mich nach dem Sex benutzt und innerlich taub.
Beispiel: Du liegst danach starr an der Bettkante und fühlst dich, als hättest du gerade deine Seele verkauft, um den Frieden zu wahren.
Er ignoriert meine Grenzen bei bestimmten Praktiken.
Beispiel: Du hast Nein zu einer Sache gesagt. Er macht es trotzdem „im Eifer des Gefechts“ und lacht danach darüber.
Grenz-Erosion & Entmündigung
Er diskutiert so lange auf mich ein, bis ich erschöpft nachgebe.
Beispiel: Du willst nicht, dass er dein Auto leiht. Nach zwei Stunden „Argumenten“, warum du egoistisch bist, gibst du ihm den Schlüssel.
Er ignoriert meine Privatsphäre als „völlige Offenheit“.
Beispiel: Er geht ungefragt an deine Post. „Wir haben doch keine Geheimnisse voreinander, oder?“
Er überschreitet körperliche Grenzen „im Spiel“.
Beispiel: Er kitzelt dich, bis du keine Luft mehr bekommst. Du schreist „Stopp!“, aber er macht weiter und nennt dich später „humorlos“.
Abgemachte Regeln gelten nur für mich.
Beispiel: Du musst dich melden, wenn du später kommst. Wenn er nachts wegbleibt, ohne Bescheid zu sagen, wirft er dir „Kontrollsucht“ vor.
Er tut Dinge, die ich untersagt habe, und „vergisst“ es.
Beispiel: Du wolltest keine Bilder von dir auf Facebook. Er postet eines. „Ach Gott, hab ich voll vergessen, reg dich doch nicht so auf.“
Er verschiebt finanzielle Grenzen durch Fakten.
Beispiel: Ihr spart auf ein Haus. Er kauft sich ungefragt ein teures Rennrad. „Es war ein einmaliges Angebot, das musst du doch verstehen.“
Er nutzt meine Würde im Beisein Dritter aus.
Beispiel: Er kritisiert dein Essen oder dein Aussehen vor euren Freunden, weil er weiß, dass du dort nicht lautstark widersprechen wirst.
Ich habe aufgehört, Grenzen zu formulieren.
Beispiel: Es ist dir egal, ob er dein Geld ausgibt oder dich beleidigt, du hast einfach keine Kraft mehr für den darauffolgenden Kampf.
Er droht mit Trennung, wann immer ich eine eigene Meinung habe.
Beispiel: „Wenn du das jetzt so durchziehst, dann können wir das mit uns auch gleich lassen.“
Meine Bedürfnisse & Abhängigkeit
Seine Bedürfnisse sind „Notfälle“, meine sind „Egoismus“.
Beispiel: Er hat Schnupfen und braucht Rundum-Betreuung. Wenn du Fieber hast, fragt er, was es zu essen gibt.
Ich habe gelernt, meine Bedürfnisse gar nicht mehr zu spüren.
Beispiel: Wenn jemand fragt: „Was willst du?“, gerätst du in Panik, weil du nur noch weißt, was er will.
Er nutzt seine Bedürfnisse als moralische Waffe.
Beispiel: „Ich brauche dich jetzt hier“, sagt er genau dann, wenn du zur Beerdigung einer Freundin willst.
Ich muss meine Gefühle verstecken.
Beispiel: Du bist traurig wegen deines Jobs, aber du lächelst, weil er sonst wütend wird, dass du die „Stimmung vermiest“.
Meine Grundbedürfnisse werden verhandelt.
Beispiel: Er will mitten in der Nacht „klären“, warum du ihn nicht genug liebst, und lässt dich nicht schlafen, bis du weinst.
Er inszeniert sich als „bedürftiges Kind“.
Beispiel: Sobald du einen Wellness-Tag planst, bekommt er eine Panikattacke, damit du bei ihm bleibst.
Ein geäußertes Bedürfnis wird gegen mich verwendet.
Beispiel: Du: „Ich brauche mal Zeit für mich.“ Er: „Klar, du willst dich wohl mit anderen Männern treffen.“
Ich fühle mich wertlos, wenn er das „Silent Treatment“ einsetzt.
Beispiel: Er ignoriert dich tagelang wie Luft, bis du auf den Knien um Verzeihung bittest, nur um wieder beachtet zu werden.
Die Befriedigung seiner Bedürfnisse ist meine einzige Chance auf Frieden.
Beispiel: Du räumst alles perfekt auf, kochst sein Lieblingsessen und bist sexuell verfügbar, nur damit er heute Abend nicht schreit.
Er droht damit, sich etwas anzutun, wenn ich gehe.
Er kontrolliert die Finanzen.
Beispiel: Du musst ihm jedes Kassenbon-Detail erklären, während er über das Gemeinschaftskonto verfügt, wie er will.
Er wertet meine Erfolge ab.
Beispiel: Du hast eine Beförderung. Er sagt: „Na ja, bei dem Personalmangel nehmen die wohl jeden.“
Ich fühle mich erschöpft und ausgelaugt.
Beispiel: Du schläfst 10 Stunden und bist trotzdem müde, weil die psychische Belagerung dein gesamtes System aussaugt.
Ich habe das Gefühl, ich schulde ihm etwas.
Beispiel: Er sagt oft: „Wer außer mir würde es schon mit einer Frau wie dir aushalten?“
Er droht damit, die Kinder wegzunehmen.
Beispiel: „Vor Gericht werde ich erzählen, wie labil du bist. Du wirst die Kinder nie wiedersehen.“
Er macht mein Aussehen schlecht.
Beispiel: „In dem Kleid siehst du aus wie eine Presswurst. Zieh dich mal ordentlich an.“
Er nutzt meine Privatsphäre als Waffe.
Beispiel: Er erzählt deinen Freunden von deinen Hämorrhoiden oder Therapiesitzungen, um dich klein zu halten.
Er unterbricht mich ständig.
Beispiel: Du erzählst etwas. Er fällt dir ins Wort: „Lass mich das mal erklären, du kriegst das eh wieder nicht richtig zusammen.“
Ich fühle mich wie ein Schatten meiner selbst.
Beispiel: Du schaust dir alte Fotos an und weinst, weil du die lebendige Frau auf den Bildern gar nicht mehr kennst.
Was du jetzt tun kannst
Wenn du diese Liste gelesen hast und dein Herz rast, weil du dich in vielen Punkten wiedererkennst, dann ist das der wichtigste Moment: Das Schweigen ist gebrochen. Du bist nicht „schwierig“, „labil“ oder „mitschuldig“. Du bist Opfer eines Systems aus Macht und Kontrolle.
Hör auf zu verhandeln
Ein Mensch, der dich systematisch kleinmacht, wird sich durch „bessere Kommunikation“ nicht ändern. Psychische Gewalt ist eine Entscheidung des Täters, kein Missverständnis. Spar dir die Kraft für deinen eigenen Weg.
Vertrau deinem Körper, nicht seinen Worten
Wenn du dich ständig angespannt fühlst, ist das die biologische Realität deines Körpers. Er schlägt Alarm, weil du in Gefahr bist. Dein Gefühl ist dein wichtigster Kompass.
Such dir spezialisierte Hilfe
Geh nicht zu einer herkömmlichen Paartherapie, in der „beide Seiten“ gehört werden. Suche gezielt nach Frauenberatungsstellen oder einen Psychotherapeuten der sich mit häuslicher Gewalt auskennt. Dort weiß man, dass Neutralität gegenüber einem Täter nur weitere Gewalt bedeutet.
Dokumentiere die Vorfälle
Führe ein geheimes Tagebuch oder schicke E-Mails an eine sichere Adresse, auf die nur du Zugriff hast. Notiere Daten, Zitate und deine Gefühle. Das hilft dir, wenn das Gaslighting wieder einsetzt und du an deiner Wahrnehmung zweifelst.
Noch besser: Suche dir eine Vertrauensperson mit der du über deine Beziehung sprechen kannst.
Anonyme Beratung
Du musst nicht sofort gehen, um dir Hilfe zu holen. Eine Erstberatung hilft dir, die Dynamik zu verstehen und einen Sicherheitsplan zu erstellen.
Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: Ruf anonym und kostenlos an unter 116 016 (rund um die Uhr, in vielen Sprachen).
Frauenberatungsstellen vor Ort: Suche im Internet nach einer Stelle in deiner Stadt. Diese Orte sind sicher, parteilich für dich und oft der einzige Ort, an dem die Gewalt wirklich beim Namen genannt wird.
Ich bin Psychologin und du kannst auch gerne das kostenfreie Orientierungsgespräch nutzen um aus dem Nebel herauszufinden.
Du hast ein Recht auf ein Leben ohne Angst. Die Scham gehört dem Täter ... die Freiheit gehört dir.


