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Grenzen setzen beim Partner mit psychischer Erkrankung: Zwischen Liebe, Schuld und Selbstverlust

  • Eva
  • 9. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 10. Dez. 2025

Manchmal beginnt das Ungleichgewicht in der Liebe schleichend. Du merkst, dass du dich anpasst, Rücksicht nimmst, trägst. Irgendwann mehr, als dir guttut. Und du sagst dir: „Ich halte das aus, er braucht mich.“

Doch wo endet die Liebe, wenn du dich dabei selbst verlierst?

Genau an dieser Stelle beginnt das Thema, über das kaum jemand offen spricht: Gesunde Grenzen setzen beim psychisch erkrankten Partner.


Wenn es zur Selbstaufgabe wird

Viele Partnerinnen psychisch erkrankter Partner geraten langsam in eine "Co-Abhängigkeit" angetrieben aus Liebe, verankert in Schuldgefühlen und der Angst, den anderen im Stich zu lassen.


Doch in Wahrheit ist das keine Liebe, die heilt, sondern eine, die opfert.


Psychologisch betrachtet sind das oft alte, unbewusste Bewältigungsmodi am Werk:

  • Der angepasste Modus: Das "innere Kind", das Harmonie sichern will.

  • Der Helfer-Modus: Fühlt sich wertvoll und sicher, wenn er gebraucht wird.


Wer den Schmerz des anderen ständig abfedert und die emotionale Last allein schultert, verliert unweigerlich den Kontakt zum eigenen inneren Gleichgewicht.

Merke: Du kannst niemanden stützen, wenn dein eigenes Fundament bröckelt.

Grenzen sind kein Verrat: sie sind Verantwortung

Grenzen setzen bedeutet nicht, sich abzuwenden oder die Liebe zu beenden. Es bedeutet, eine essenzielle Wahrheit anzuerkennen: Ich bin nicht die Therapie meines Partners.

Du bist ein Mensch mit eigenen Bedürfnissen, Emotionen und einem eigenen Leben.

Diese Klarheit ist oft der Wendepunkt: weg von emotionaler Erschöpfung, hin zu echter, stabiler Nähe.

Die neue Grenzsetzung

Die alte Haltung

„Ich bin da aber ich übernehme deinen Kampf nicht.“

Ich löse alle Probleme und trage die gesamte Last.

„Ich biete Unterstützung an aber ich bin nicht dein Notfallplan rund um die Uhr.“

Meine Bedürfnisse sind nachrangig; ich muss immer sofort verfügbar sein.

„Ich liebe dich und gerade deshalb brauche ich auch mich selbst.“

Selbstfürsorge ist egoistisch und ein Verrat am Partner.

Der gesunde Erwachsenenmodus: Klare Empathie

Stabile Beziehungen basieren auf zwei erwachsenen Menschen und nicht auf einem Therapeuten und einem Patienten. Grenzen schaffen Respekt, Kontinuität und Vertrauen. Sie erinnern daran, dass jede Liebe zwei Menschen braucht, die sich selbst spüren und ehrlich bleiben.

In der Schematherapie sprechen wir davon, den „gesunden Erwachsenenmodus“ zu aktivieren. Dieser Anteil in uns ist empathisch und zugleich klar und realistisch.

Der gesunde Erwachsene fragt nicht:

„Wie verhindere ich, dass du zusammenbrichst?“

Er fragt:

„Wie bleibe ich stabil und bei mir, während ich dich verantwortungsvoll begleite?“


Selbstfürsorge ist die Basis, kein Luxus

Wenn du dich ständig hinter Funktionen (Partnerin, Retterin, Stütze) versteckst, verlierst du dich. Aber Selbstfürsorge ist kein Verrat, sondern emotionale Hygiene. Keine Beziehung überlebt langfristig, wenn einer von beiden unablässig über seine eigenen Grenzen geht.


Reflexionsfragen für dich:

  • Was brauche ich, um körperlich und emotional stabil zu bleiben (z.B. Zeit für Sport, Schlaf, eigene Hobbys)?

  • Wo fängt mein Mitgefühl an und wo endet meine Verantwortung für seine Erkrankung?

  • Welche kleine Grenze kann ich heute setzen, um mich wieder mehr zu spüren?


Grenzen sind nicht das Ende der Liebe. Sie sind die Voraussetzung, dass Liebe echt, gesund und dauerhaft tragfähig bleibt.


Mut zur bewussten Liebe

Grenzen setzen bei einem psychisch erkrankten Partner ist unbequem und manchmal herzzerreißend. Aber es ist der einzige Weg, um aus blinder Loyalität in bewusste, erwachsene Liebe zu wachsen. Es braucht Mut, Grenzen auszusprechen.


Nicht gegen den anderen, sondern für dich. Und damit letztlich für euch beide.


Ich bin Psychologin und spezialisiert auf die Begleitung von Angehörigen von psychisch Erkrankten. Es geht um deine Psyche und dein Wohlbefinden. Und klar: um deine Grenzen.




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