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Mein Chef ist kurz vorm Burnout.

  • Eva
  • 4. Feb.
  • 2 Min. Lesezeit

Zwischen loyalem Beistand und gesundem Selbstschutz

Burnout ist kein Einzelschicksal. Wenn eine Führungskraft unter der Last einknickt, bebt die ganze Abteilung. Du spürst es zuerst: Die Stimmung kippt, die Kommunikation wird fahrig, und plötzlich stehst du vor der Frage: „Muss ich jetzt den Retter spielen oder mich selbst in Sicherheit bringen?“


Die Antwort liegt dazwischen. Du kannst ein loyaler Unterstützer sein, ohne dich selbst im Feuer zu verbrennen.


Die Warnsignale

Ein Chef im Burnout ist oft kein „armer Kerl“, sondern wird (unfreiwillig) zum Stressfaktor für das ganze Team. Achte auf diese Anzeichen:


Entscheidungs-Vakuum: Prioritäten wechseln stündlich oder werden gar nicht mehr getroffen.

Wesensveränderung: Ein früher besonnener Mensch reagiert plötzlich zynisch, gereizt oder zieht sich völlig zurück.

„Immer-an“: E-Mails um 3 Uhr morgens werden zum Standard, während die eigentliche Präsenz im Büro nur noch eine Hülle ist.


So hältst du deinem Chef den Rücken frei

Wenn dir etwas an deinem Chef liegt, ist Wegsehen keine Option. Aber „Helfen“ bedeutet im beruflichen Kontext nicht Therapie, sondern Entlastung durch Struktur.


1. Komplexität rausnehmen

Überlastete Gehirne hassen offene Fragen. Hilf deinem Chef, indem du Entscheidungen vorbereitest.

Statt: „Was soll ich mit Projekt X machen?“

Besser: „Ich habe für Projekt X zwei Optionen vorbereitet. Ich empfehle Weg A, weil das Zeit spart. Reicht Ihnen ein kurzes Okay per Mail?“


--> Du reduzierst seine Entscheidungslast und sicherst gleichzeitig deinen Arbeitsfluss.


2. Die „Insel der Stabilität“ sein

In einem Chaos aus Burnout und Stress ist das Beste, was du tun kannst: Deinen Job exzellent und ruhig machen. Sei die Konstante, auf die er sich verlassen kann, ohne dass er dich kontrollieren muss. Das nimmt den Druck vom Kessel.


3. Das empathische Korrektiv

Wenn ihr ein gutes Verhältnis habt, such das Gespräch. Aber bleib bei der „Wir-Perspektive“:

„Ich merke, dass der Druck gerade extrem hoch ist. Damit ich und das Team weiterhin die Qualität liefern können, die Sie gewohnt sind, brauchen wir XY. Wie kann ich Sie unterstützen, damit wir hier wieder mehr Ruhe reinbekommen?“

Wo Hilfe aufhört und Selbstschutz beginnt

Hier müssen wir ehrlich sein: Loyalität hat eine Grenze. Wenn du merkst, dass du zur „Helferkomplex“ neigst, musst du die Reißleine ziehen.

  • Du bist kein Blitzableiter: Stress rechtfertigt keinen respektlosen Umgang oder cholerische Anfälle.

  • Kompensation versteckt das Problem: Wenn du heimlich die Aufgaben deines Chefs miterledigst, sieht das obere Management nicht, dass das System brennt. Damit verhinderst du, dass er echte, professionelle Hilfe bekommt.

  • Das Rettungswesten-Prinzip: Wer selbst ertrinkt, kann niemanden an Land ziehen. Achte auf deine eigenen Akkus.


Was du tun kannst, wenn nichts mehr geht

Wenn das „Helfen“ nicht fruchtet und die Situation schwierig wird, ist es kein Verrat, offizielle Wege zu nutzen:

  1. HR oder Betriebsrat: Melde die Überlastung der Abteilung, nicht die Schwäche der Person.

  2. Transparente Dokumentation: Halte fest, welche Aufgaben liegen bleiben ... als Sachargument, nicht als Anklage.

  3. Abstand gewinnen: Manchmal ist die beste Hilfe, sich dem System zu entziehen, um den Druck für alle sichtbar zu machen.


Empathie braucht klare Kanten

Einem Chef im Burnout zu helfen, ist ein Akt von hoher emotionaler Intelligenz. Es erfordert das Fingerspitzengefühl, Stütze zu sein, ohne zum Krückstock zu werden. 


Bleib professionell, bleib menschlich...aber bleib vor allem du selbst.

Denn ein ausgebrannter Chef und ein ausgebrannter Mitarbeiter retten kein Unternehmen.

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