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Burnout erkennen: Wie Angehörige wirklich helfen ohne Ratschläge und Schuldzuweisung

  • Eva
  • 11. Okt. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Das tückische Funktionieren


Burnout erkennen ist oft schwieriger, als viele Außenstehende denken. Der Grund ist paradox: Menschen, die kurz vor dem Burnout stehen, funktionieren meist perfekt weiter. Nach außen wirken sie stark, zuverlässig und hochgradig belastbar.

Gerade dieses scheinbar makellose Funktionieren täuscht. Innerlich kämpft der Mensch mit tief sitzender Erschöpfung, dem Verlust von Sinn und dem Gefühl, nur noch wie eine Maschine zu agieren.


Dieser Text beleuchtet, welche subtilen Burnout-Anzeichen du als Angehöriger erkennen kannst und wie du mit Achtsamkeit und Verlässlichkeit eine echte Unterstützung sein kannst.


Burnout erkennen: Die typischen Anzeichen im Alltag


Achte nicht nur auf die große Krise, sondern auf feine, dauerhafte Veränderungen. Diese Signale zeigen, dass der Körper und die Psyche im Dauerstress sind:


Emotionale und kognitive Symptome


  • Dauerhafte Müdigkeit: Die Erschöpfung bessert sich nicht, auch nicht nach Wochenendruhe oder Urlaub.

  • Zunehmende Gereiztheit: Eine kurze Zündschnur oder Wutanfälle bei Kleinigkeiten, wo früher Gelassenheit herrschte.

  • Emotionale Distanz: Der Rückzug aus Gesprächen; Betroffene wirken innerlich leer, zynisch oder gleichgültig gegenüber Dingen, die ihnen früher Freude bereitet haben.

  • Versagensgefühle: Der Betroffene hat das Gefühl, nichts mehr richtig machen zu können, obwohl die Leistung objektiv oft noch hoch ist.


Verhaltensveränderungen


  • Schlafstörungen: Einschlafprobleme, häufiges Erwachen oder das Gefühl, nicht wirklich zur Ruhe zu kommen.

  • Sozialer Rückzug: Hobbys und Freundschaften werden vernachlässigt. Die Person wird stiller, oft auch vergesslicher.

  • Überspieltes Engagement: Manche erhöhen das Arbeitstempo noch weiter, um die innere Leere oder Angst vor dem Stillstand zu überspielen (oft als Workaholism getarnt).


Wie Angehörige helfen: Der Weg des achtsamen Zuhörens


Die größte Gefahr ist, die Situation mit gut gemeinten Ratschlägen ("Du musst mal abschalten!") zu verschlimmern.


unterstützendes Handeln:


  1. Beobachten, nicht bewerten: Sprich ihn oder sie ruhig und neutral an, was dir auffällt. Formuliere mit Ich-Botschaften, die keine Vorwürfe enthalten:

    • Nicht: „Du bist nur noch genervt, du musst etwas ändern.“

    • Richtig: „Ich sehe, dass du sehr müde wirkst, und mache mir Sorgen. Fällt dir die Entspannung schwer?“

  2. Echtes Zuhören: Gib keine Ratschläge, bevor die Person selbst darum bittet. Biete einen sicheren Raum, in dem Erschöpfung und Sinnverlust zugelassen werden dürfen. Mitgefühl und Verlässlichkeit schaffen mehr Sicherheit als vorschnelle Lösungen.

  3. Die Lücke füllen: Hilf unaufgefordert bei praktischen Dingen, die den Betroffenen überfordern (z.B. die Organisation der Wäsche oder des Abendessens), ohne dabei die volle Verantwortung zu übernehmen. Das entlastet sofort, ohne zu bevormunden.


Verantwortung übernehmen: Wann professionelle Hilfe nötig ist


Wenn die Verhaltensveränderungen über Wochen anhalten oder sich verstärken, ist das Gespräch über externe Hilfe unumgänglich.

Burnout erkennen bedeutet auch, den Mut zu haben, den nächsten Schritt zu initiieren. Bringe die Möglichkeiten ruhig ins Gespräch:

  • Ärztliche Abklärung: Der erste Schritt sollte immer der Hausarzt sein, um körperliche Ursachen auszuschließen.

  • Psychologische Begleitung/Coaching: Ein externer Psychologe oder Psychotherapeut kann helfen, die Muster des Funktionierens zu durchbrechen und die Ursachen (z.B. unklare Grenzen, falsche Glaubenssätze) zu bearbeiten.


Den eigenen Schutz nicht vergessen: Selbstfürsorge für Angehörige


Die ständige Sorge um einen Menschen, der auf Burnout zusteuert, ist extrem kräftezehrend. Das Risiko der Überlastung ist real.


Achte daher auch auf dich selbst:

  • Nimm dir Auszeiten, ohne Schuldgefühle.

  • Suche dir selbst einen eigenen Gesprächspartner (Freund, Coach), um über deine Belastung zu sprechen.

  • Erinnere dich: Du bist Unterstützer, nicht Therapeut. Du trägst die Verantwortung für dich, nicht für die gesamte Genesung des Partners.


Unterstützung zu suchen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck von Verantwortung; für sich selbst und für den Menschen, dem man helfen möchte.


Du machst dir Sorgen um einen Angehörigen und brauchst Klarheit für die nächsten Schritte?

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