Fehlerkultur vs. Toxic Leadership: Warum Angst jede Innovation tötet
- Eva
- 27. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
„Wir haben eine offene Fehlerkultur!“
Ein Satz, der in vielen Hochglanzbroschüren steht, in der Realität toxischer Teams aber wie blanker Hohn klingt. Denn Fakt ist: Wo Angst herrscht, lernt niemand. Dort wird nur vertuscht. Wer eine echte Fehlerkultur will, muss zuerst die psychologischen Schädlinge im Management identifizieren.
Das Märchen vom „Lernen aus Fehlern“
Fragen Sie sich selbst: Darf in Ihrem Unternehmen ein Fehler passieren, ohne dass sofort die Suche nach dem Sündenbock beginnt? Wenn die Antwort ein zögerliches „Kommt drauf an, wer zuschaut“ ist, haben Sie kein Problem mit Ihren Prozessen. Sie haben ein Problem mit Ihrer Führung.
Toxische Führungskräfte (Toxic Leaders) nutzen Fehler nicht als Lernchance, sondern als Währung für Macht.
Wenn Fehler zur Waffe werden
In einem gesunden System fragt man: „Was im Prozess hat diesen Fehler ermöglicht?“ Ein toxischer Chef fragt: „Wer ist schuld und wie kann ich ihn dafür bestrafen?“
„Ein Chef, der bei Fehlern sofort einen Schuldigen sucht, ist keine starke Führungskraft. Er ist ein psychologischer Brandstifter, der die Innovationskraft Ihres Unternehmens für sein eigenes Ego opfert.“
Mit dem Ergebnis: Mitarbeitende entwickeln eine „Cover-Your-Assets“-Mentalität. Es wird mehr Energie in die Absicherung und Dokumentation von Unschuld gesteckt als in die eigentliche Arbeit.
Psychologische Sicherheit: Das Fundament, das Narzissten hassen
Psychologische Sicherheit bedeutet, dass man Risiken eingehen kann, ohne sich lächerlich zu machen. Narzisstische Chefs zerstören dieses Fundament systematisch durch:
Subtile Abwertung: „Habe ich mir schon gedacht, dass Sie das nicht hinkriegen.“
Öffentliches Bloßstellen: Fehler werden im Meeting vor versammelter Mannschaft zelebriert.
Gaslighting: „Das habe ich so nie angewiesen, das war Ihr Fehler.“
Also: Ohne psychologische Sicherheit gibt es keine Fehlerkultur. Punkt. Wer Angst hat, macht keine Fehler ... er macht gar nichts Neues mehr.
Die Kosten des Schweigens
Wenn Fehler aus Angst vor dem toxischen Chef vertuscht werden, entstehen Blindflüge.
Kleine IT-Lücken werden zu massiven Datenlecks.
Fehlentscheidungen im Marketing werden bis zum Budget-Burnout durchgezogen.
Die besten Talente kündigen (Silent Quitting), weil sie die Willkür nicht mehr ertragen.
Beispiel-Phrasen:
Achten Sie auf diese Sätze in Ihrem Unternehmen. Wenn sie fallen, brennt die Hütte bereits:
„Das ist vertraulich ... keiner darf davon wissen.“
„Ich warte ab, bis er selbst merkt, dass es schiefgelaufen ist.“
„Lass das bloß nicht den Chef wissen, sonst rastet er wieder aus.“
„Ich habe es schriftlich, dass er das so freigegeben hat. Ich bin aus der Schusslinie.“
„Fehler werden hier nicht verziehen, sie werden archiviert.“
Raus aus der Komfortzone
Es reicht nicht, bunte Poster mit „Fail Forward“ in die Kaffeeküche zu hängen. Wenn Sie eine echte Fehlerkultur wollen, müssen Sie den Schutzwall um toxische High-Performer einreißen:
360-Grad-Feedback mit Konsequenzen: Wenn die Fluktuation unter Chef X hoch und die psychologische Sicherheit niedrig ist, muss gehandelt werden, egal wie gut sein Umsatz ist.
Fehler-Transparenz vorleben: Führungskräfte, die eigene Fehler offen zugeben, entziehen dem Narzissmus den Boden.
HR als Korrektiv: Geben Sie Ihrer Personalabteilung die Macht, toxisches Verhalten zu sanktionieren, statt es nur wegzumoderieren.
Fehlerkultur ist Führungskultur
Eine Fehlerkultur kann man nicht „einführen“. Man muss sie sich verdienen, indem man ein Umfeld schafft, in dem Angst kein Führungsinstrument ist. Wer toxische Chefs duldet, unterschreibt gleichzeitig das Todesurteil für jegliche Innovation.
Sind Sie bereit für eine ehrliche Bestandsaufnahme? Als Arbeitspsychologin helfe ich Unternehmen, die toxischen Blockaden in ihrer Kultur zu lösen und eine Fehlerkultur zu etablieren, die diesen Namen auch verdient.


