Du bist nicht faul, du bist unterfordert: Warum innere Kündigung die logische Notbremse in deinem Bullshit-Job ist
- Eva
- vor 3 Tagen
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Hand aufs Herz: Wann hast du das letzte Mal wirklich für ein Projekt gebrannt? Oder sitzt du deine Zeit nur noch ab, erledigst das Minimum und zählst die Minuten bis zum Feierabend?
Wenn du dich dabei ertappst, wie du nur noch „Dienst nach Vorschrift“ machst, meldet sich wahrscheinlich sofort dein schlechtes Gewissen: „Bin ich faul geworden? Warum kriege ich den Hintern nicht mehr hoch?“
Also: Du bist nicht faul. Du steckst mitten in der inneren Kündigung. Dein System hat begriffen, dass deine Lebenszeit in diesem Job verfeuert wird, ohne dass etwas Sinnvolles dabei herauskommt. Innere Kündigung oder "Quiet Quitting" ist kein Charakterfehler oder eine Beamtenkrankheit es ist die psychologische Notwehr gegen einen Bullshit-Job.
Boreout statt Burnout: Wenn Unterforderung zur Qual wird
Wir reden ständig über Stress durch zu viel Arbeit. Aber kaum jemand spricht über das Grauen der Unterforderung ("Boreout"). Ein Bullshit-Job zeichnet sich dadurch aus, dass du zwar beschäftigt tust, deine Arbeit aber keinen echten Impact hat.
Typische Anzeichen, dass dein Job dich innerlich aushöhlt:
Mikromanagement: Dein Chef kontrolliert jeden Mausklick, als wärst du ein Kleinkind.
Sinnlosigkeit: Du produzierst Berichte, die niemand liest, für Meetings, die niemand braucht.
Fehlende Selbstwirksamkeit: Du hast das Gefühl, dass es völlig egal ist, ob du morgens aufstehst oder nicht.
Dein Gehirn ist auf Wachstum und Wirksamkeit programmiert. Wenn du es jahrelang in einen Käfig aus Routine und Sinnlosigkeit sperrst, schaltet es auf Stand-by. Das Ergebnis? Innere Kündigung.
Warum gerade die „Guten“ innerlich kündigen
Es trifft ironischerweise selten die Faulen. Es trifft die, die früher die Extrameile gelaufen sind. Diejenigen, die mit Leidenschaft gestartet sind und dann gegen die Wand aus Hierarchie und Ignoranz geknallt sind.
Viele dieser Menschen haben eine Geschichte von Überanpassung. Sie haben gelernt: „Ich bin wertvoll, wenn ich leiste.“ Wenn die Leistung aber in einem Bullshit-Job verpufft, bricht das gesamte Identitätssystem zusammen. Innere Kündigung ist dann der Versuch, die letzten Reste deiner psychischen Gesundheit zu retten, indem du dich emotional komplett entkoppelst.
Warum „Durchhalten“ dich krank macht
Viele versuchen, die innere Kündigung mit noch mehr Disziplin zu bekämpfen. Sie kaufen sich neue Planer, optimieren ihre To-do-Listen und zwingen sich zum Lächeln.
Nur: Wenn du versuchst, ein totes Pferd zu reiten, wirst du irgendwann selbst sterben. Die emotionale Entfremdung von deiner Arbeit führt zu:
Zynismus (du machst dich über alles lustig, um den Schmerz nicht zu spüren)
Innerer Leere
Einem massiven Verlust an Selbstwertgefühl
Du bist kein Roboter, den man auf „Dienst nach Vorschrift“ programmieren kann, ohne dass die Seele Schaden nimmt.
Was du jetzt tun kannst (außer sofort den Tisch umzuwerfen)
Wenn Aussteigen gerade finanziell oder organisatorisch keine Option ist, musst du aufhören, dich selbst für deine "innere Kündigung" zu bestrafen.
Hör auf, die Schuld bei dir zu suchen: Es liegt nicht an deiner mangelnden Motivation. Es liegt an einem System, das menschliche Potenziale verschwendet.
Analysiere deine inneren Antreiber: Welcher Teil in dir glaubt, dass du „aushalten“ musst? Oft sind das alte Muster, die uns einreden, dass Arbeit hart und freudlos sein muss.
Planen: Nutze die Energie, die du im Job sparst, nicht fürs Grübeln, sondern für deine Neuausrichtung. Was wäre ein Umfeld, in dem du nicht nur funktionierst, sondern wirksam bist?
Dein Rückzug ist ein Warnsignal, kein Versagen
Innere Kündigung ist die Sprache deiner Seele, die sagt: „Hier gehöre ich nicht hin.“ Nimm dieses Signal ernst. Du bist nicht auf der Welt, um 40 Stunden die Woche so zu tun, als ob.
Die Frage ist nicht, wie du wieder besser funktionierst.
Die Frage ist: Wie fängst du wieder an zu leben?
Ich bin Arbeitspsychologin und arbeite mit Menschen die vor Entscheidungen stehen. Ich arbeite mit evidenzbasierten psychotherapeutischen Methoden.



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