Unglücklich im Job, aber sicher? Warum Durchhalten dich krank macht.
- Eva
- 14. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
„Ich halte diesen Job nicht bis zur Rente durch“. Wenn Sicherheit sich plötzlich wie ein Käfig anfühlt
Du hast alles richtig gemacht. Dein Job ist sicher, das Gehalt kommt pünktlich, die Kollegen sind „eigentlich ganz nett“ und deine Familie ist versorgt. Objektiv gibt es keinen Grund zur Klage.
Und doch sitzt du sonntagabends auf dem Sofa und spürst dieses ziehende Gefühl in der Magengegend. Ein leises, aber beharrliches: Ich kann das nicht mehr. Nicht noch zwanzig Jahre.
Lass uns ehrlich sein: Die Sicherheit, für die du dich so angestrengt hast, ist schleichend zu deiner Fessel geworden. Und das ist kein Luxusproblem. Es ist die Notbremse deiner Seele.
Die bittere Pille der Dankbarkeit
In deinem Kopf tobt ein Krieg der Argumente. Du sagst dir Sätze wie:
„Ich müsste doch dankbar sein, andere haben gar keinen Job.“
„In meinem Alter wechselt man nicht mehr einfach so.“
„Ich kann doch jetzt nicht die Stabilität der Familie riskieren.“
Nur: Dankbarkeit ist eine wunderbare Tugend, aber als Vorwand für Selbstverleugnung ist sie toxisch. Wenn du Dankbarkeit als Peitsche benutzt, um dich in einem Job zu halten, der dich innerlich austrocknet, dann nährt das keine Zufriedenheit. Es nährt Verbitterung.
Und Verbitterung ist ein Gift, das du langsam tröpfchenweise in dein Leben, deine Partnerschaft und deine Gesundheit mischst.
Warum „Durchhalten“ früher klug war und heute gefährlich ist
Jahrelang war dein Funktionieren deine Superkraft. Du hast die Kinder großgezogen, den Alltag gemanagt und nebenbei im Job deine Frau gestanden. Durchhalten war eine lebensnotwendige Strategie. Es hat das System stabilisiert.
Doch die Kinder werden älter, der Sturm im Außen legt sich und plötzlich hörst du deine eigenen Bedürfnisse wieder. Was früher eine heldenhafte Leistung war, wird jetzt zur Selbstsabotage.
Die Angst vor der Veränderung ist meist gar nicht die Angst vor dem neuen Job oder dem Vorstellungsgespräch. Es ist die Angst vor der Frage: „Wer bin ich eigentlich, wenn ich nicht mehr nur funktioniere? Darf ich mehr vom Leben wollen als nur das Ausbleiben von Katastrophen?“
Es fehlt nicht an Mut, sondern an Erlaubnis
Wenn du heimlich Stellenanzeigen liest und sie dann schnell wieder schließt, ist das kein Zeichen von Unentschlossenheit. Dein Inneres reagiert auf den Gedanken an Kündigung wie auf einen drohenden Absturz.
Warum? Weil deine Identität mit der Rolle der „Verlässlichen“ verschmolzen ist. Eine berufliche Veränderung fühlt sich für dich nicht wie ein Karriereschritt an, sondern wie ein Verrat an deiner Sicherheit.
Sprüche wie „Trau dich doch einfach!“ helfen da wenig. Du brauchst keinen Motivationscoach, der dich schubst. Du brauchst einen inneren Sortierprozess, der dir die Sicherheit zurückgibt, die du im Außen zu verlieren glaubst.
Entscheidungscoaching: Den inneren Kompass neu kalibrieren
Ein beruflicher Umbruch in der Lebensmitte ist kein wilder Sprung ins Ungewisse. Es ist eine präzise Identitätsarbeit. Bevor du kündigst, müssen wir klären:
Was erschöpft dich wirklich? (Ist es der Job oder die Rolle, die du dort spielst?)
Was trägst du nur noch aus Pflichtgefühl? (Alte Loyalitäten gegenüber Chefs oder Elternmodellen).
Wo ist dein Selbstwert begraben? (Wenn du dich nur über deine Nützlichkeit definierst, ist jeder Wechsel bedrohlich).
Erst wenn wir diese emotionalen Ketten lösen, wird der Weg frei für eine Entscheidung, die nicht aus Panik, sondern aus innerer Klarheit entsteht.
Dein Wunsch nach Sinn ist kein Verrat
Du bist nicht undankbar. Du bist nicht schwierig. Und du bist definitiv nicht zu alt. Du bist an einem Punkt angekommen, an dem dein Inneres nicht mehr bereit ist, Lebenszeit gegen reine Existenzsicherung zu tauschen.
Wenn dein Job dich verbittert, ist das kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Wachstumsschmerz. Dein altes Ich passt nicht mehr in diesen zu eng gewordenen Rahmen.
Du musst nicht morgen alles hinschmeißen. Aber du darfst aufhören, so zu tun, als wäre das „Aushalten bis zur Rente“ die einzige Option.
Dein Leben ist kein Wartezimmer.
Ich bin Psychologin und unterstütze Frauen bei schwierigen Entscheidungen...die tief gehen.



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