Job macht krank: Warum „Durchhalten“ kein Verdienstorden ist, sondern Selbstbetrug
- Eva
- vor 6 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Wenn der Wecker morgens kein Startsignal ist, sondern eine Drohung. Wenn dein Körper schreit, während dein Kopf sagt: „Stell dich nicht so an.“
Viele Frauen stellen sich in dieser Phase die alles entscheidende Frage: Soll ich kündigen – oder muss ich einfach nur härter werden?
Ich sage es dir ungern, aber: Die Antwort „Härter werden“ hat dich vermutlich erst in diese Misere gebracht.
Wenn dein Körper die Notbremse zieht (während du noch Gas gibst)
Psychische Belastung ist kein theoretisches Konstrukt. Sie ist physisch. Sie ist laut. Sie zeigt sich in:
Chronischer Erschöpfung, die auch nach dem Wochenende nicht verschwindet.
Schlafstörungen (das berühmte Gedankenkarussell um 3 Uhr morgens).
Einer emotionalen Abstumpfung – du funktionierst nur noch wie ein Roboter.
und dann: Viele versuchen dann, „noch funktionaler“ zu werden. Bessere Organisation, weniger Pausen, mehr Zähne zusammenbeißen. Das ist kein Durchhaltevermögen. Das ist Raubbau an deinem eigenen System. Dein Körper streikt nicht, weil du schwach bist. Dein Körper muckt weil du versuchst, eine Last zu tragen, für die kein Mensch gebaut ist.
Warum du bleibst, obwohl es dich kaputt macht
Warum ist die Kündigung so schwer, obwohl der Leidensdruck riesig ist? Es ist selten der fehlende Mut. Es sind alte, tief sitzende Muster, die uns wie unsichtbare Fesseln halten:
Das „Gute Mädchen“-Syndrom: Du willst niemanden enttäuschen, weder den Chef noch das Team.
Die Angst vor der Lücke: „Was kommt danach? Was, wenn ich scheitere?“
Pathologische Loyalität: Du fühlst dich verantwortlich für Probleme, die nicht deine sind.
Diese Muster waren früher vielleicht dein Schutzschild. Heute sind sie dein Gefängnis. Die Entscheidung zu gehen fühlt sich deshalb oft nicht wie eine Befreiung an, sondern wie Verrat.
Was mutest du dir eigentlich zu?
„Kündigen oder bleiben?“ ist eigentlich die falsche Frage. Sie ist zu oberflächlich. Die Fragen, die wirklich wehtun (und deshalb so wichtig sind), lauten:
Wessen Erwartungen versuche ich hier gerade zu erfüllen? (Deine eigenen sind es meistens nicht.)
Was müsste passieren, damit ich mir selbst so viel wert bin wie meine Performance?
Bin ich loyal gegenüber meiner Firma – oder bin ich illoyal gegenüber meiner Gesundheit?
Wir Frauen haben oft gelernt, uns ganz unten auf die Prioritätenliste zu setzen. Der Job wird dann lediglich zur Bühne, auf der wir dieses alte Drama der Selbstaufopferung aufführen.
Reflexionsfragen, die dir keine Ausrede lassen
Nimm dir einen Moment Zeit. Atme tief durch. Und spüre die Antwort, statt sie nur zu denken:
Die Zeitreise: Wenn sich in den nächsten zwei Jahren exakt nichts ändert: wie sieht deine Gesundheit und dein Gesichtsausdruck dann aus?
Angst vs. Überzeugung: Bleibst du, weil du den Job liebst, oder weil du Angst vor der Ungewissheit hast? (Angst ist ein schlechter Ratgeber für Lebenszeit-Investitionen).
Der Beste-Freundin-Check: Würdest du deiner besten Freundin raten, in diesem Umfeld zu bleiben, bis sie völlig ausbrennt?
Kündigen ist nicht die einzige Lösung...
Es muss nicht immer der sofortige Cut sein. Manchmal liegt die Lösung in der inneren Neuausrichtung. Aber: Nichts zu tun und im Autopiloten zu bleiben, ist keine Option. Chronische Überforderung verändert dein Selbstbild nachhaltig. Du verlierst nicht nur deinen Job-Spaß, du verlierst dich selbst.
Was ein Entscheidungscoaching für dich tun kann
Anstatt allein im Kreis zu denken, sortieren wir im Coaching das Chaos:
Innere Konflikte lösen: Welcher Anteil in dir will gehen, welcher hat Todesangst?
Angst von Intuition trennen: Ist das eine Warnung oder nur ein altes Muster?
Handlungsfähigkeit zurückgewinnen: Damit die Entscheidung nicht aus einer Fluchtreaktion entsteht, sondern aus einer Position der Stärke.
Dein Job ist ersetzbar. Deine Gesundheit nicht.
Wenn dein Job dich krank macht, ist das kein Versagen deiner Disziplin. Es ist ein Alarmsignal deines Systems, das nach Neuausrichtung schreit.
Du musst diesen Weg nicht allein gehen. Wenn du seit Monaten innerlich feststeckst und merkst, dass du den Absprung allein nicht schaffst (oder dich nicht traust), lass uns gemeinsam hinschauen.
Möchtest du herausfinden, ob es Zeit für einen Neuanfang ist?
Ich bin Psychologin und begleite stille, starke und gleichzeitig erschöpfte Frauen die sich aber fortwährend am System aufreiben.



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