Überverantwortung bei Müttern: Warum Loslassen so schwerfällt
- Eva
- 15. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Viele Mütter merken erst nach Monaten oder Jahren, wie selbstverständlich sie zur Hauptverantwortlichen für alles rund um das Kind geworden sind. Es ist kein bewusster Prozess und entspringt weder Egoismus noch einem Kontrollzwang. Es geschieht aus tiefer Fürsorge, Verantwortungsgefühl und dem Wunsch, dem Kind den bestmöglichen Start ins Leben zu ermöglichen.
Termine, Kleidung, die emotionale Begleitung, die Kita-Kommunikation – die Mutter führt, und der Vater „hilft mit“. Doch diese Dynamik hat einen hohen Preis: die Überverantwortung.
Überverantwortung: Die Falle der frühen Zuständigkeit
Wenn Mütter von Anfang an den Großteil der Care-Arbeit übernehmen, entstehen implizite Zuständigkeiten. Diese Verteilung wird selten bewusst vereinbart, sie entwickelt sich schleichend durch die Stillzeit, die Elternzeit oder gesellschaftliche Rollenbilder.
Das Problem: Je länger du die Alleinzuständigkeit hältst, desto mehr verfestigt sich dein überverantwortlicher Modus. Dein System lernt:
„Nur ich weiß, was das Kind wirklich braucht.“
„Nur wenn ich hinschaue, läuft es richtig.“
„Abgeben ist riskant.“
Überverantwortung fühlt sich für dich oft wie Pflicht an, aber für den Vater wirkt sie wie eine Mauer. Wenn du jede Aufgabe im Blick behältst, entziehst du ihm unbewusst die Chance, eine eigene, kompetente Bindung und Verantwortungskultur aufzubauen.
Den eigenen Anteil erkennen (ohne Selbstvorwürfe) erkennen
Es erfordert Mut, ehrlich hinzuschauen: Wo hältst du Verantwortung fest, obwohl du erschöpft bist? In der Psychologie wissen wir, dass Überverantwortung oft ein Schutzmechanismus ist. Vielleicht hast du früh gelernt: „Wenn ich mich nicht kümmere, macht es niemand.“
Provokant gefragt: Definierst du deinen Wert als Mutter über deine Unverzichtbarkeit? Echte Entlastung beginnt dort, wo du anerkennst, dass du nicht die einzige Instanz für das Wohl deines Kindes sein musst. Verantwortung abzugeben bedeutet nicht, weniger Mutter zu sein. Es bedeutet, Platz für eine Partnerschaft auf Augenhöhe zu schaffen.
Väter einbinden: Echte Zuständigkeit statt „Hilfe“
Väter „helfen“ nicht: sie sind Eltern. Wenn du Aufgaben delegierst wie auf einer To-do-Liste, behältst du die mentale Last (Mental Load). Die Überverantwortung bleibt bei dir, er führt nur aus.
Echte Verantwortung für den Vater bedeutet:
Er entscheidet das „Wie“.
Er darf eigene Fehler machen.
Er trägt die Konsequenzen (auch wenn das Kind dann mal die falsche Jacke anhat oder das gesunde Pausenbrot vergessen wurde).
Solange du im Hintergrund korrigierst, erinnerst oder kontrollierst, signalisierst du deinem Partner: „Ich traue dir nicht zu, dass du es allein schaffst.“ Das hält die Überverantwortung bei dir und die Passivität bei ihm.
Den Partner in der Verantwortung lassen & die eigene Anspannung aushalten
Der schwierigste Moment ist der, in dem der Vater Dinge anders macht. Zu spät, zu chaotisch, zu wenig strukturiert nach deinem Standard. Die entscheidende Frage ist: Ist es wirklich gefährlich für das Kind oder ist es nur anders als mein Weg?
Verantwortung zu teilen bedeutet, Unterschiede auszuhalten. Wenn du ihn ständig korrigierst, entziehst du ihm genau die Kompetenz, nach der du dich sehnst. Dein Partner muss seinen eigenen Zugang zum Kind finden dürfen ohne eine „Zensorin“ im Rücken.
Klarheit statt Erschöpfung
Viele Frauen vermeiden klare Ansagen, um Konflikte zu umgehen. Doch unausgesprochene Erwartungen führen direkt in die Resignation.
Benenne konkret, was dich belastet.
Verhandle nicht darüber, ob Verantwortung geteilt wird, sondern wie.
Steig aus der Rolle derjenigen aus, die alles „managt“.
Ein Perspektivwechsel zum Schluss
Die wichtigste Frage ist am Ende nicht: „Wie bringe ich ihn dazu, mehr zu machen?“ Sondern: „Was hindert mich innerlich daran, die Überverantwortung wirklich loszulassen?“
Echte Entlastung beginnt mit dem Mut zur Lücke und dem Vertrauen in die Gleichwertigkeit des Vaters. Wenn du merkst, dass alte Muster oder Schuldgefühle dich bremsen, ist das ein wertvoller Punkt für eine Reflexion.
Ich bin Psychologin und arbeite vorwiegend mit Angehörigen von psychisch Erkrankten Personen. Das Thema Überverantwortung ist per se kein psychisches Symptom, aber insbesondere in solchen Dynamiken mündet sie in absoluter emotionaler Erschöpfung. Möchtest du deine inneren Muster reflektieren oder brauchst eine kurze fachliche Einschätzung?
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