Die „Retten oder Loslassen“-Falle: So kannst du Deiner Freundin aus einer toxischen Beziehung helfen
- Eva
- 13. Okt. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 28. Nov. 2025
Du siehst zu, wie Deine beste Freundin leidet, oder machst Dir große Sorgen um Deine erwachsene Tochter? Das Gefühl der Hilflosigkeit, wenn eine geliebte Person in einer toxischen Beziehung gefangen ist, ist zermürbend. Du willst handeln, aber jeder Versuch, den Partner schlechtzureden oder zur Trennung zu drängen, scheint nur das Gegenteil zu bewirken: Deine Freundin oder Tochter zieht sich zurück und verteidigt die Beziehung.
Das ist die „Retten oder Loslassen“-Falle. Doch es gibt einen besseren Weg. Als Vertrauensperson ist Deine Rolle entscheidend; aber sie ist anders, als Du denkst. Hier erfährst Du, wie Du wirklich helfen kannst, wenn ein geliebter Mensch in einer toxischen Beziehung steckt, ohne den Kontakt zu verlieren.
Fehler, die Du sofort stoppen musst
Wenn jemand in emotionaler Abhängigkeit steckt, können gut gemeinte Ratschläge kontraproduktiv sein. Vermeide diese gängigen Fehler:
Den Partner beleidigen oder verurteilen:
Warum falsch? Das zwingt die Betroffene in die Defensive und stärkt ihre Loyalität gegenüber dem toxischen Partner. Sie schottet sich ab.
Stattdessen: Konzentriere Dich auf das Verhalten des Partners und die Auswirkungen auf Deine Freundin/Tochter, nicht auf seine Person.
Ultimative Forderungen stellen:
Warum falsch? Ein Satz wie "Wenn Du Dich nicht trennst, breche ich den Kontakt ab!" kann zur völligen Isolation führen. Genau das, was der toxische Partner will.
Stattdessen: Mach klar, dass Du immer für sie da bist, unabhängig von ihrer Entscheidung. Sei die stabile Konstante.
Die Retter-Rolle übernehmen:
Warum falsch? Du kannst die Entscheidung nicht für sie treffen. Wenn Du versuchst, die Probleme zu lösen, nimmst Du ihr die Chance, ihre eigene Kraft (ihren Selbstwert) wiederzufinden.
Die Wahrheit sehen: Anzeichen toxischer Dynamiken erkennen
Um klug zu helfen, musst Du verstehen, was wirklich passiert. Diese Dynamiken sind ein Alarmzeichen, auch für das Umfeld:
Gaslighting: Deine Freundin zweifelt ständig an ihrer eigenen Wahrnehmung, fragt oft nach Details zurück ("Habe ich das richtig verstanden?") oder fühlt sich "verrückt".
Isolation: Treffen werden häufig kurzfristig abgesagt. Der Partner redet gezielt ihre Familie oder andere Freundinnen schlecht.
Emotionale Achterbahn: Extreme Hochs (Love Bombing) wechseln sich mit tiefen Tiefs (Abwertung, Schweigen) ab.
Chronische Erschöpfung: Deine Freundin/Tochter ist ständig müde, ängstlich und wirkt wie "auf Eierschalen laufend".
Der psychologische Notfallplan: 3 Schritte, um zu aus einer toxischen Beziehung zu helfen
Hier geht es nicht um die Trennung, sondern um die Stärkung der emotionalen Beziehung zu Dir.
Hören – Ohne Urteil
Sei der sichere Hafen. Lass sie erzählen. Wenn sie Dir von einem schlimmen Vorfall berichtet, antworte nicht mit Wut oder Schock, sondern mit Empathie.
Sätze, die helfen: „Ich verstehe, dass das schmerzhaft für Dich ist.“ oder „Ich glaube Dir, was Du sagst.“
Die „Realitäts-Prüfung“: Hilf ihr, die Fakten zu sehen, ohne den Partner anzugreifen. Frage: „Wie fühlst Du Dich nach so einem Gespräch?“; Das lenkt den Fokus auf ihr eigenes Befinden.
Den Selbstwert fördern
Toxische Partner zerstören das Selbstvertrauen. Du musst helfen, es wieder aufzubauen.
Fokus auf Stärken: Sprich über ihre alten Hobbys, Erfolge oder ihre Talente, die sie vernachlässigt hat.
Kontrastprogramm: Plane bewusst Unternehmungen (Sport, Kunst, Kurztrips), bei denen sie ohne ihren Partner ist. Erlebt gemeinsam, wie sich Freude und Freiheit anfühlen.
Die Macht des Tagebuchs: Schlage vor, dass sie für sich notiert, wann sie sich schlecht, unsicher oder kontrolliert gefühlt hat. Das hilft ihr, rational die Muster zu erkennen.
Den Ausstieg vorbereiten
Die Trennung ist oft erst der Anfang. Bereite alles für den Moment vor, in dem sie sich entscheidet zu gehen.
Finanzielle und logistische Sicherheit: Frag vorsichtig nach wichtigen Dokumenten oder Konten. Kannst Du eine Notunterkunft anbieten?
Professionelle Unterstützung: Schlage vorsichtig den Besuch einer Beratungsstelle oder einer Therapie vor. Biete an, die Recherche zu übernehmen oder sie zum ersten Termin zu begleiten. Auch bei mir gibt es kostenfreie Ersttermine (auch für dich!) oder auch Gutschein.
Fazit: Bleibe die Brücke und schütze Dich selbst
Das wichtigste Gebot beim toxische Beziehung helfen ist: Bleibe im Kontakt. Solange Du eine Brücke ins gesunde Leben bist, gibt es Hoffnung. Es braucht Geduld, Kraft und die Akzeptanz, dass der Prozess nur von Deiner Freundin/Tochter selbst gesteuert werden kann.
Wichtig: Achte auch auf Deine eigenen Grenzen. Lass Dich nicht in das Drama hineinziehen. Du bist der Anker, nicht die Retterin.
Wichtige Notfallkontakte (Für sofortige Hilfe)
Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 08000 116 016 (rund um die Uhr, anonym, kostenlos)
Telefonseelsorge: 0800 / 111 0 111 (Kostenlose psychologische Beratung)
Pro Familia / lokale Beratungsstellen



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