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Warum kennen sich Psychotherapeuten nicht mit narzisstischen Missbrauch aus?

  • Eva
  • 1. März
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 7 Tagen


Wer narzisstischen Missbrauch überlebt hat, sucht häufig wegen dem seelischem Leid in der klassischen Psychotherapie Hilfe. Leider oft vergeblich. Ich meine damit nicht den strukturellen Mangel an kassenfinanzierten Therapieplätzen sondern die Unkenntnis vieler Fachkräfte von solchen Dynamiken.

Das Gegenüber nickt freundlich, spricht von „Kommunikationsproblemen“ und fragt nach den „eigenen Anteilen“.


Ergebnis: Die systematische Abwertung, das Gaslighting und die psychische Gewalt werden „kleintherapiert“. Als Betroffene gehst du nach Hause und denkst: „Sogar der Profi glaubt mir nicht. Vielleicht bin ich doch nur zu sensibel?“


Doch warum scheitern selbst erfahrene Psychotherapeuten so krachend an der Realität narzisstischer Dynamiken?


1. Das Studium der Symptome, nicht der Systeme

In der Ausbildung lernen Therapeuten Symptome um Krankheiten zu klassifizieren und dann leitliniengerecht zu „reparieren“. Sie jagen Symptome wie Käfer mit dem Netz.

Dass diese Symptome aber die logische Überlebensstrategie in einem toxischen Beziehungssystem sind, bleibt oft unsichtbar. Deine Symptome sind oft erst nach einer lagen Zeit narzisstischen Missbrauches auch Symptome einer psychischen Erkrankung. Solange deine Überlebensstrategie funktioniert, bist du äußerlich "psychisch gesund".


Und dann? Wer nur die Erschöpfungsdepression behandelt, aber den häuslichen Terror ignoriert, versucht ein brennendes Haus zu streichen, während der Pyromane noch im Wohnzimmer steht.


2. Die Neutralitäts-Falle

Therapeuten werden zur Neutralität erzogen. „Es gehören immer zwei dazu“, ist das Mantra der Paartherapie.

Nur: Bei narzisstischem Missbrauch ist dieses Mantra gefährlicher Unsinn.

Wenn psychische Gewalt als „Beziehungskonflikt“ gerahmt wird, findet eine Täter-Opfer-Umkehr statt. Wer Neutralität wahrt, wo Macht missbraucht wird, schlägt sich implizit auf die Seite des Stärkeren.


3. Diagnosen denken in Kästchen, nicht in Kriegsschauplätzen

Das ICD-11 oder DSM-5 beschreibt den Narzissten als Individuum. Aber Narzissmus ist im Kern eine Beziehungsstörung.

Therapeuten suchen nach der „großmannssüchtigen Persönlichkeit“ im Sessel gegenüber. Sie übersehen dabei die subtile Coercive Control (einschüchternde Kontrolle), die den Partner oder die Partnerin zu Hause systematisch zermürbt. Die Lücke zwischen klinischer Diagnostik und der erlebten Hölle der Betroffenen ist oft meilenweit.


4. Profis fallen auf Gaslighting herein

Narzissten sind in der Therapie oft die „besten“ Klienten: charmant, reflektiert (scheinbar!), wortgewandt. Sie präsentieren eine Version der Geschichte, die so schlüssig klingt, dass selbst geschulte Ohren zweifeln.

Ein Therapeut, der nicht auf manipulative Kommunikation spezialisiert ist, wird zum unwissentlichen Komplizen des Gaslighters. Er wertet die Schilderungen des Opfers als „subjektive, dramatische Wahrnehmung“ ab, weil der Täter im Erstgespräch so sympathisch war.


5. Die eigene Abwehr: Grausamkeit ist schwer auszuhalten

Es ist schmerzhaft anzuerkennen, dass es Menschen gibt, die ohne Empathie agieren und Zerstörung genießen. Viele Therapeuten schützen sich selbst durch Verleugnung:


„So schlimm wird es schon nicht sein.“


„Nennen wir es lieber ‚ungünstige Dynamik‘ statt Missbrauch.“

Diese Weichzeichnerei dient dem Seelenfrieden des Therapeuten, nicht der Rettung des Klienten.


6. Narzissmus als „Modewort“-Stigma

Aus Angst, auf einen „Instagram-Trend“ aufzuspringen, reagieren viele Fachleute mit extremer Skepsis, sobald ein Klient das Wort Narzissmus in den Mund nimmt. Sie wollen nicht „stigmatisieren“. Das ist oft auch richtig.


Nur: Narzisstischer Missbrauch ist kein Trend, sondern eine Form der Gewalt, die bei den Opfern Leid verursacht. Vorsicht ist gut, aber Blindheit gegenüber Gewalt ist unterlassene Hilfeleistung.


Was du tun kannst, wenn du dich nicht gesehen fühlst

Wenn deine Therapie sich wie eine Fortsetzung des Missbrauchs anfühlt, ist es Zeit zu gehen. Du bist nicht „schwierig“, wenn du Klarheit einforderst.


Such dir Spezialisten: Achte auf Begriffe wie „Traumatherapie“, „Gewaltberatung“ oder explizit „narzisstischer Missbrauch“. Schaue dir bitte auch die Qualifikationen der Therapeuten genau an. Sobald du weiter suchst als "psychologische Psychotherapeuten" wird der Markt undurchsichtig.


Hinterfrage die Neutralität: Wenn ein Therapeut dich fragt, was dein Anteil daran ist, dass du beschimpft oder isoliert wirst ... steh auf und geh oder bearbeite mit dem Psychotherapeuten andere Baustellen.


Vertrau deiner Wahrnehmung: Wenn die Diagnose des Profis sich nicht mit deinem Schmerz deckt, hat der Profi unrecht, nicht dein Schmerz.


Ich bin Psychologin und wenn du eine Einschätzung brauchst, was dir helfen würde, melde dich.



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