Narzisstische Nachtrennungsgewalt: Deine Empörung ist die letzte Kette
- Eva
- vor 5 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Du hast es geschafft. Du und die Kinder sind körperlich weg. Die Tür ist zu.
Und doch sitzt er (oder sie) jeden Abend mit dir am Esstisch. Nicht leibhaftig, aber in Form einer lodernden, alles verzehrenden Empörung.
Du willst schreien. Du willst, dass die Welt sieht, was hinter verschlossenen Türen passiert ist.
Du willst Gerechtigkeit?
Nur: Solange du dich über ihn empörst, besitzt er dich noch.
Nachtrennungsgewalt: Wenn die Trennung nur der Anfang ist
Bei einer "normalen" Trennung folgt der Schmerz, dann die Akzeptanz. Bei narzisstischer Nachtrennungsgewalt gibt es kein Ende. Es ist kein Beziehungsdrama, eher ein einseitiger Vernichtungskrieg.
Die Muster sind perfide:
Juristischer Terror: Ein Dauerfeuer aus sinnlosen Anträgen und Verfahren.
Waffe Kind: Manipulation und Instrumentalisierung der Kleinsten.
Rufmord: Die Realität wird so lange verdreht, bis du an deinem Verstand zweifelst.
Machtdemonstration: Er nutzt Institutionen als Bühne für sein Ego.
Bitte begreife: Nachtrennungsgewalt ist keine Kommunikation. Es ist ein Kontrollkampf, der darauf abzielt, dich in der Reaktion zu halten.
Der Parasit nährt sich von deinen Emotionen
Wir müssen es beim Namen nennen: In dieser Dynamik agiert der Narzisst wie ein emotionaler Parasit. Er hat keine eigene stabile Identität, keinen inneren Frieden. Er braucht Reibung, um sich lebendig zu fühlen.
Deine Wut, deine Tränen, deine verzweifelten Versuche, die Dinge „richtigzustellen“ ... all das ist die Nahrung, die ihn am Leben hält. Solange du empört bist, lieferst du frei Haus.
Der Parasit stirbt nicht, wenn du ihn bekämpfst. Er stirbt, wenn du ihm den Wirt entziehst: deine Aufmerksamkeit.
Jedes Mal, wenn du fassungslos vor dem nächsten Anwaltsschreiben sitzt, fließen deine Lebensgeister zu ihm. Er wird nicht mehr von dir geliebt, ihm reicht dein Hass, solange er im Zentrum deines Universums steht.
Es wird keine Gerechtigkeit geben
Wir warten auf den Moment, in dem das System sagt: „Sie sind ein Narzisst, und ich sehe Ihr Unrecht.“ Die Realität ist oft ernüchternd: Institutionen sind überfordert, und Narzissten sind Meister darin, im Gerichtssaal wie die sanftmütigsten Lämmer zu wirken.
Heilung beginnt dort, wo die Illusion von äußerer Gerechtigkeit losgelassen wird. Es ist kein Verrat an der Wahrheit, den Kampf aufzugeben. Es ist Selbstschutz.
Der Wendepunkt: Dein emotionaler Entzug
Den Fokus vom Täter abzuziehen, fühlt sich anfangs wie ein Entzug an. Du bist „süchtig“ nach der nächsten Bestätigung seiner Bosheit, um dich selbst zu legitimieren. Aber dieser Entzug ist der einzige Weg in die Freiheit.
Wie hörst du auf, der Wirt für den Parasiten zu sein?
Radikale Informationsdiät: Blockiere ihn, wo immer es geht. Nutze für die Kinderkommunikation ausschließlich sachliche Tools (Apps oder E-Mail-Ordner, die du nur einmal die Woche öffnest).
Die „Grey Rock“-Methode: Werde so langweilig wie ein grauer Stein. Keine Emotionen, keine Rechtfertigungen, nur einsilbige, sachliche Antworten.
Stoppe das „Storytelling“: Hör auf, jedem die neueste Gemeinheit zu erzählen. Jedes Mal, wenn du die Geschichte wiederholst, erlebst du das Trauma neu und fütterst die Verbindung.
Körperliche Entkoppelung: Wenn eine Provokation kommt: Atme. Geh spazieren. Dein Puls ist das Barometer. Lass ihn nicht deinen Herzschlag kontrollieren.
Fokus-Shift: Ersetze die Frage „Was macht er schon wieder?“ durch „Was brauche ich jetzt gerade, um mich sicher zu fühlen?“.
Die System-Falle: Wie du vor Behörden bestehst, ohne dich zu opfern
Es ist die perfideste Strategie der Nachtrennungsgewalt: Der Täter provoziert dich so lange im Privaten, bis du vor dem Jugendamt oder Gericht explodierst. In diesem Moment passiert die Täter-Opfer-Umkehr. Er wirkt besonnen und kooperativ, du wirkst emotional instabil und „schwierig“.
Um den emotionalen Parasiten auch vor Institutionen auszuhungern, braucht es eine strategische Ruhe.
Strategien für den Umgang mit Behörden:
Fakten statt Adjektive: Ersetze „Er ist ein bösartiger Narzisst und lügt nur“ durch „Es gibt Abweichungen zwischen den getroffenen Absprachen vom 10.03. und dem tatsächlichen Verhalten.“ Bleib beschreibend, nicht bewertend.
Die „Dritter-Beobachter“-Perspektive: Stell dir vor, du bist eine neutrale Berichterstatterin über dein eigenes Leben. Berichte sachlich über Vorfälle, als würden sie jemand anderem passieren. Das schützt dich vor der emotionalen Überwältigung.
Keine Diagnosen stellen: Auch wenn es offensichtlich ist: nenne ihn vor Behörden nicht „Narzisst“. Das wird oft als mangelnde "Bindungstoleranz" ausgelegt. Beschreibe stattdessen sein konkretes Verhalten und dessen Auswirkungen auf dich oder die Kinder.
Schriftlich vor Mündlich: Kommuniziere so viel wie möglich schriftlich. Das gibt dir Zeit, tief durchzuatmen, den Text dreimal zu kürzen und alle emotionalen Spitzen (die Nahrung für den Parasiten) zu entfernen, bevor du auf „Senden“ klickst.
Das Ziel im Auge behalten: Dein Ziel ist nicht, dass die Sachbearbeiterin ihn „durchschaut“. Dein Ziel ist es, als die stabilere, verlässlichere und lösungsorientierte Partei wahrgenommen zu werden.
Merke: Jede Träne der Wut, die du im Gerichtssaal vergießt, ist ein Festmahl für den Täter. Deine sachliche Kühle hingegen ist sein sicherer Hungertod.
Empörung ist ein Durchgangszimmer, kein Zuhause
Deine Wut ist valide. Aber sie darf nicht dein neues Zuhause werden. Heilung bedeutet nicht, dass der Narzisst sich ändert oder zur Rechenschaft gezogen wird.
Heilung bedeutet, dass er dir egal wird. Dass seine Aktionen ins Leere laufen, weil dort niemand mehr ist, der sich empört. Du bist kein Wirt mehr. Du bist wieder du selbst.
Ich bin Psychologin und ich unterstütze Frauen dabei, sich aus der emotionalen Nachtrennungsverstrickung zu lösen und wieder handlungsfähig zu werden.



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