Tabu-Bruch: Wenn Muttersein zur Identitätskrise wird
- Eva
- 6. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 7. Nov. 2025
Der Anfang vom Ende (des alten Ichs)
Es gibt kaum einen Übergang, der so still beginnt und doch so radikal alles verändert.
Ein Kind kommt auf die Welt. Ja, und gleichzeitig eine neue, oft unbekannte Version von dir. Von DIR!
Die Geburt eines Kindes ist mehr als ein körperliches Ereignis. Sie ist eine innere Erschütterung. Eine radikale Identitätsverschiebung. Ein Bruch in der bisherigen Ordnung, der selten verhandelt, sondern einfach akzeptiert wird.
Der Sog der neuen Verantwortung: Verlust der eigenen Identität nach Geburt
Plötzlich gilt all deine Aufmerksamkeit einem kleinen Wesen, das dich braucht: ununterbrochen, kompromisslos, bedingungslos. Und während du versuchst, diesem neuen Leben gerecht zu werden, verschwindet dein eigenes oft im Hintergrund. Es wird erwartet, dass du dich opferst . Nein, dass du dich gerne und mit Leidenschaft opferst.
Viele Mütter erleben in dieser Zeit eine schmerzhafte und verwirrende Mischung, die zeigt, wie tiefgreifend der Verlust der eigenen Identität nach der Geburt sein kann:
Du fühlst dich dankbar und gleichzeitig massiv überfordert.
Du bist umgeben von Menschen und doch tief einsam in deinem Kampf.
Du willst alles richtig machen und spürst dabei, wie deine eigene Stimme leiser wird.
Der gesellschaftliche Romantik-Filter: Über die Ambivalenz beim Mutterwerden
Gesellschaftlich wird dieser Übergang oft romantisiert. "Das ist doch das Schönste im Leben." Punkt. Diskussion beendet.
Aber selten spricht jemand über die Schattenseiten, die uns das System verschweigt, insbesondere die ambivalenten Gefühle in der Mutterschaft, die man nicht auszusprechen wagt:
Die lähmende Erschöpfung, die dich zur wandelnden Hülle macht.
Die Ambivalenz: "Ich liebe es. Aber ich vermisse mein altes Leben." (Ein Satz, der reflexartig Schuld auslöst).
Das diffuse Gefühl, die Kontrolle über das eigene Ich zu verlieren.
Diese seelischen Spannungen sind keine Schwäche, sondern der Ausdruck einer Überlastung. Mutterwerden bedeutet, Verantwortung zu tragen, ohne dass die eigene Identität schon nachgewachsen ist. Du sollst 100% funktionieren, obwohl dein Fundament bricht.
Gut zu wissen: Dieser tiefgreifende Wandel wird im Fachjargon auch Matreszenz genannt: die psychologische und körperliche Umstrukturierung zur Mutter. Es ist ein natürlicher Prozess, keine Laune.
Die eigentliche Aufgabe: Die Mauer des Perfektionismus einreißen und sich selbst nicht verlieren
Und genau darin liegt die eigentliche Aufgabe der ersten Jahre:
Verliere dich nicht nicht selbst als Mutter.
Erkämpfe dir aktiv Raum zwischen Windeln, Job, Partnerschaft und den Erwartungen von außen.
Erlaube dir ein Mensch zu bleiben, mit Bedürfnissen und Fehlern, nicht nur Mutter.
Selbstfürsorge ist keine Maniküre: 3 harte Tipps zum Überleben
Selbstfürsorge ist in dieser Phase kein Luxus. Sie ist Überlebensnotwendigkeit. Sie bedeutet, sich selbst zu halten, während man ein anderes Leben hält.
Hier sind drei provokante und notwendige Tipps, um im Übergang nicht unterzugehen:
Delegiere gnadenlos: Die Wäsche ist egal. Der Staubsauger ist egal. Die "Perfekte Mutter" ist ein Mythos. Gib alles ab, was nicht lebensnotwendig ist (Partner, Oma, Freunde, Putzhilfe). Deine mentale Gesundheit steht über einem aufgeräumten Wohnzimmer.
Verordne dir "Ich-Zeit" (minimum 30 Min./Tag): Plane aktiv und egoistisch eine Zeit nur für dich ein. Das ist keine Bitte, sondern Fakt. Ob das eine Stunde Spaziergang allein ist oder 15 Minuten im Bad bei geschlossener Tür: Es ist deine Zeit, in der du dich nur um dich kümmerst.
Brich das "Mutter-Muss-Alles-Können"-Tabu: Rede offen und ehrlich über die Erschöpfung und Ambivalenz. Wenn du gefragt wirst, wie es geht, sag nicht "Gut!", sondern: "Ich bin müde und überfordert, aber glücklich." Diese Ehrlichkeit ist befreiend und hilft anderen Müttern, sich weniger allein zu fühlen.
Denn die Mutter, die sich selbst nicht verliert, schenkt ihrem Kind das Wertvollste: Ein Gegenüber, das lebendig bleibt und ihm vorlebt, wie man Grenzen setzt.
Brauchst du mehr Unterstützung? Bist du Mutter und willst dich deiner Identitätskrise stellen? Melde dich gerne.



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