Chronisch erschöpft, aber der Job ist es nicht? Warum das System „Mutter“ uns in den Burnout treibt
- Eva
- 12. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Du siehst den Eisberg kommen und alle loben dich dafür, wie gut du steuerst
Vielleicht kennst du das: Dein Umfeld bewundert dich. „Wie du das alles schaffst!“, sagen sie. Und während du lächelst und nickst, schreit tief in dir drin eine Stimme: „Ich schaffe es eben nicht mehr.“
Aber: Dein Job ist vielleicht gar nicht das Problem. Vielleicht arbeitest du sogar gerne, schätzt die Kaffeepause und die erwachsenen Gespräche. Und trotzdem spürst du diesen schleichenden Burnout. Er fühlt sich nicht an wie ein plötzlicher Knall, sondern wie eine Batterie, die sich jeden Tag ein bisschen schneller entlädt, als sie im Schlaf (den du kaum hast) aufladen kann.
Wichtig ist: Das ist kein persönliches Versagen. Es ist die logische Konsequenz eines Systems, das darauf baut, dass du dich unsichtbar machst.
Die Falle der „Aufopferung“: Ein System, das deine Grenzen braucht
In der Schematherapie sprechen wir oft vom Schema der Selbstaufopferung. Das bedeutet nicht, dass du „schwach“ bist. Im Gegenteil: Du hast gelernt, die Bedürfnisse anderer (Kinder, Partner, Chef) so blitzschnell zu lesen, dass deine eigenen gar nicht erst zu Wort kommen.
Das System, in dem wir leben, liebt dieses Schema. Unsere Gesellschaft verlässt sich darauf, dass:
Mütter die unbezahlte Care-Arbeit „nebenher“ erledigen.
Frauen die emotionale Last (Mental Load) tragen, ohne dafür ein Budget zu bekommen.
Wir uns schuldig fühlen, wenn wir einfach mal nichts tun.
Der Burnout ist nicht dein Fehler. Er ist das Symptom einer Welt, die erwartet, dass du arbeitest, als hättest du keine Kinder, und Mutter bist, als hättest du keinen Job.
Warum „Self-Care“ oft wie ein hohler Witz klingt
Man rät dir zu Yoga oder einem Tee. Aber seien wir ehrlich: Ein Tee löst nicht das Problem, dass du die Einzige bist, die weiß, wann die nächste U-Untersuchung ist oder welche Winterstiefel noch passen.
Pausen helfen nicht, wenn sie nur dazu dienen, die Kraft für den nächsten Marathon zu sammeln. Solange dein inneres System auf „Dauer-Alarm“ programmiert ist, ist selbst Entspannung Arbeit. Du versuchst, dich zu erholen, während dein Gehirn bereits die Einkaufsliste für Dienstag schreibt. Das ist keine Erholung, das ist Stand-by-Modus.
Die Warnsignale ernst nehmen: Wenn das System die Notbremse zieht
Dein Körper ist klüger als dein Terminkalender. Er sendet Signale, wenn die Last zu groß wird:
Emotionale Taubheit: Du fühlst dich leer statt glücklich, selbst in schönen Momenten.
Dünne Haut: Eine Kleinigkeit (ein umgekipptes Glas Wasser) löst eine Lawine an Verzweiflung aus.
Rückzug: Du hast keine Energie mehr für Freundschaften, weil jedes Gespräch sich wie eine weitere Anforderung anfühlt.
Der Weg aus der Erschöpfung: Vom Funktionieren zum Sein
Du musst nicht noch effizienter werden. Du musst nicht noch mehr Listen schreiben. Was du brauchst, ist die Erlaubnis, aus dem Hamsterrad der Erwartungen auszusteigen.
Den „inneren Kritiker“ besänftigen
Dieses leise Flüstern, dass du „nicht genug“ tust, wenn du mal auf dem Sofa liegst? Das ist nicht deine Stimme. Das ist die Stimme eines Systems, das von deiner Erschöpfung profitiert. Lerne zu sagen: „Ich darf müde sein. Meine Bedürfnisse sind genauso wichtig wie die meiner Familie.“
Sichtbarkeit statt Selbstoptimierung
Hör auf, die Superheldin zu spielen. Mach die Last sichtbar. Sag laut: „Ich kann das heute nicht entscheiden.“ Es ist okay, wenn Bälle runterfallen. Erst wenn sie den Boden berühren, merken andere, dass sie sie aufheben müssen.
Radikale Selbst-Validierung
Erkenne an, was du täglich leistest. Nicht mit einem „Ja, aber...“, sondern mit einem: „Es ist verdammt viel, was ich hier stemme. Kein Wunder, dass ich am Ende bin.“ Diese Anerkennung durch dich selbst ist der erste Schritt zur Heilung.
Unterstützung als Recht, nicht als Gnade
Hilfe zu suchen! Ob im Haushalt, durch Coaching oder Therapie. Das ist kein Eingeständnis von Schwäche. Es ist ein Akt der Rebellion gegen ein System, das dich ausbeuten will.
Du bist mehr als dein Nutzen für andere
Burnout ist ein Zeichen deines Körpers, das sagt: „Bis hierhin und nicht weiter. Ich möchte wieder leben, nicht nur überleben.“ Du hast es verdient, nicht nur die Managerin eines Familienunternehmens zu sein, sondern ein Mensch mit eigenen Wünschen und Kräften.
Es ist Zeit, die Verantwortung für dein Wohlbefinden über die Erwartungen der Welt zu stellen.
Ich bin Psychologin und unterstütze Frauen mit ihren Mustern zu brechen.



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