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Psychisch kranker Partner: Mit jemandem zusammen sein und einsam?

30. Apr.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 5 Tagen

Ihr sitzt nebeneinander auf dem Sofa, vielleicht sogar Hand in Hand. Von außen sieht es aus wie ein ganz normaler Abend zu zweit. Trotzdem ist da eine Distanz, die sich niemandem erklären ließe, der nur kurz hereinschaut. Du bist nicht allein im Raum. Du fühlst dich trotzdem allein.


Woher diese Einsamkeit


Diese Form von Einsamkeit hat mehrere Quellen, die sich oft überlagern.


Da ist die fehlende Gegenseitigkeit: du gibst, fragst nach, kümmerst dich, trägst mit, und zurück kommt selten dasselbe Maß an Aufmerksamkeit für dich, nicht aus bösem Willen, sondern weil seine Kapazität durch seinen eigenen Zustand aufgebraucht ist.


Da ist die körperliche Nähe ohne emotionale Erreichbarkeit: er sitzt im selben Raum, ist aber gedanklich woanders, mit sich selbst beschäftigt, kaum ansprechbar für das, was in dir vorgeht.


Und da ist der fehlende Raum für deine eigenen Themen: ein guter Tag, eine Sorge, eine Idee, die du teilen möchtest, bleibt unausgesprochen, weil im Gespräch ohnehin fast immer er im Mittelpunkt steht, auch ohne dass er das verlangt.



Schuldig, weil es ihm schlechter geht als dir


Kaum hast du den Gedanken zugelassen, dass du einsam bist, meldet sich der nächste: wie kannst du dich einsam fühlen, wenn es ihm gerade so viel schlechter geht als dir. Sein Leiden scheint größer, dringlicher, berechtigter. Deine Einsamkeit wirkt daneben klein, fast unangebracht, wie eine Beschwerde, die du dir eigentlich nicht erlauben dürftest. Dieser Vergleich ist trügerisch. Zwei Dinge können gleichzeitig wahr sein: dass es ihm schlecht geht, und dass du dabei etwas verlierst, das genauso real ist wie sein Leiden, nur leiser.



Einsam sein und trotzdem nichts verändern


Vielleicht ist dir diese Einsamkeit längst bewusst, und trotzdem tust du nichts damit. Kein Gespräch, in dem du es aussprichst. Kein Versuch, dir woanders Nähe zu holen. Kein Schritt, der etwas verändern würde. Das hat oft einen eigenen Grund: das Aussprechen könnte etwas in Bewegung bringen, das noch schwerer auszuhalten wäre als die Einsamkeit selbst, ein Streit, eine Enttäuschung auf seiner Seite, eine Wahrheit, der du dann ins Gesicht sehen müsstest. Also bleibt es, wie es ist, weil das Ertragen im Moment leichter erscheint als die Konsequenzen des Handelns. Das ist verständlich. Es hat trotzdem einen Preis.


Was das langsam mit dir macht


Dieser Preis zeigt sich selten auf einen Schlag. Er zeigt sich darin, dass du morgens etwas müder aufwachst als früher, dass Dinge, die dich sonst gefreut hätten, etwas von ihrem Glanz verlieren, dass du dich dabei ertappst, wie du dir vorstellst, wie sich ein Gespräch anfühlen würde, in dem jemand wirklich zuhört. In der Summe zehrt es, langsam, kaum bemerkbar, bis der Abstand zwischen dem, was du bräuchtest, und dem, was du bekommst, zu einem festen Teil deines Alltags geworden ist.


Was du jetzt tun oder fühlen darfst


Du musst diese Einsamkeit nicht sofort lösen, um sie ernst zu nehmen. Der erste Schritt ist kleiner: dir selbst zuzugestehen, dass sie da ist, auch neben seinem Leiden, ohne sie gegen seins aufzuwiegen. Von dort aus darfst du dir kleine Orte suchen, an denen echte Gegenseitigkeit möglich ist, ein Gespräch mit einer Freundin, ein Moment, in dem jemand nach dir fragt und die Antwort auch hören will. Es ist ein Ausgleich für etwas, das in der Beziehung gerade nicht da sein kann. Und du darfst dir die Frage stellen, wie lange du bereit bist, diese Form von Einsamkeit zu tragen, ohne dass du sofort eine Antwort darauf haben musst.



Häufige Fragen zu Einsamkeit in Beziehung zu psychisch krankem Partner



Ist es egoistisch, mich einsam zu fühlen, obwohl er der Kranke ist?

Nein. Sein Zustand erklärt, warum die Einsamkeit entstanden ist, er macht sie aber nicht ungültig. Beides darf nebeneinander stehen, sein Leiden und dein eigenes Bedürfnis nach Nähe.

Das kann helfen, ist aber nicht die einzige Option. Manchmal ist der erste, wichtigere Schritt, es dir selbst einzugestehen. Ob und wie du es ihm sagst, hängt davon ab, wie viel Kapazität er gerade hat, das aufzunehmen, ohne dass es zu einem weiteren Punkt wird, um den du dich kümmern musst.

Ein Hinweis ist, wie sehr es dich über die Zeit auszehrt, nicht ein einzelner schwerer Tag, sondern eine Erschöpfung, die sich Woche für Woche aufbaut. Wenn du das bei dir bemerkst, lohnt sich ein Gespräch mit jemandem außerhalb der Beziehung, einer Freundin oder einer Fachperson.



Ich bin Eva, Psychologin, und arbeite mit Frauen die sich in Beziehung mit Partnern und deren psychischen Problemen verlieren.





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Über die Autorin: 

Dr. Eva Winkler ist Diplom-Psychologin und Coach. Sie begleitet Frauen, die viel tragen und sich dabei selbst aus dem Blick verlieren. Es geht um psychische Erkrankungen innerhalb von Beziehungen, Funktionieren-müssen und den Weg zu sich selbst.

 

inmut: Mut nach innen, um zu verändern. 

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