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Mein Partner ist psychisch krank, brauchen wir eine Paartherapie?

10. Nov. 2025
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 27. Aug.

Der Streit von heute Abend ist im Grunde derselbe wie letzte Woche, nur mit anderen Worten. Ihr habt beide das Gefühl, nicht durchzudringen, wieder einmal. Später, als er schon schläft, tippst du in dein Handy: Paartherapie sinnvoll bei psychisch krankem Partner. Du bist dir nicht sicher, ob das der richtige Schritt wäre, oder ob ihr damit nur ein Problem in einen Raum tragt, der es gar nicht lösen kann.


Was Paartherapie tatsächlich leisten kann


Eine gute Paartherapie kann einen neutralen Raum schaffen, in dem Muster sichtbar werden, die ihr mitten im Alltag kaum noch bemerkt, das ständige Ausweichen vor bestimmten Themen, die Momente, in denen ein Gespräch immer an derselben Stelle kippt.



Sie kann euch helfen, eine gemeinsame Sprache für seine Erkrankung zu finden, eine, in der du seine Situation benennen kannst, ohne dass es sich für ihn wie ein Vorwurf anfühlt, und in der er deine Erschöpfung hören kann, ohne sie sofort als zusätzlichen Vorwurf gegen sich selbst zu werten. Für viele Paare ist es außerdem das erste Mal, dass beide Perspektiven gleichzeitig und mit gleichem Gewicht gehört werden, das allein kann schon spürbar entlasten.


Was Paartherapie nicht leisten kann


Eine Paartherapie behandelt nicht seine Erkrankung. Eine Depression, eine Angststörung, eine bipolare Erkrankung braucht eigene, meist individuelle Behandlung, medikamentös, psychotherapeutisch, oder beides. Eine Paartherapeutin kann eure Kommunikation begleiten, sie ersetzt aber keine Fachbehandlung für ihn!!


Genauso wenig löst sie automatisch dein eigenes Muster, wie viel Verantwortung du übernimmst, wie sehr du dich anpasst, wie lange du ein Ungleichgewicht für tragbar hältst.


Das ist eher ein individuelles Thema als ein Paar-Thema, auch wenn es sich in der Beziehung zeigt. Paartherapie behandelt vor allem das Zwischen-euch, nicht das, was jede und jeder von euch einzeln mitbringt.


Wann Paartherapie an ihre Grenzen kommt


In manchen Situationen ist Paartherapie nicht der richtige erste Schritt, oder zumindest nicht ohne zusätzliche Vorsicht. Wenn dein Partner sich mitten in einer akuten Krise befindet, einer schweren depressiven Episode, einer manischen Phase, einem akuten Rausch, fehlt oft die Stabilität, die ein gemeinsames Gespräch überhaupt tragen kann, dann braucht es zuerst individuelle, oft auch ärztliche Unterstützung. Wenn in der Beziehung Kontrolle, Drohungen oder emotionale Erpressung eine Rolle spielen, kann eine Paarsitzung die bestehende Machtungleichheit sogar verstärken, statt sie auszugleichen, weil beide Seiten formal gleich viel Raum bekommen, obwohl die Ausgangslage es objektiv nicht ist. Und wenn dein Partner seine Erkrankung grundsätzlich abstreitet, wird eine Paartherapie schnell zu einem Ort, an dem über die Existenz eines Problems verhandelt wird, statt über den Umgang damit.


Die Falle, die Beziehung in Therapie zu schicken, statt sich selbst


Manchmal wird eine Paartherapie unbewusst zu einem Ausweichmanöver, für ihn, weil es sich leichter anfühlt, über "uns" zu sprechen als über seine eigene Erkrankung, für dich, weil ein gemeinsamer Termin einfacher zu rechtfertigen ist als der Gedanke, dass du selbst etwas für dich brauchst. Ein paar Sitzungen über Kommunikation und Zuständigkeiten können dabei kurzfristig entlasten, während das eigentliche Thema, warum du bleibst, obwohl du erschöpft bist, oder warum er sich nicht in individuelle Behandlung begibt, unberührt bleibt, mehr dazu in unserem Artikel, ich schaffe es nicht, mich zu trennen.


Was vor dem ersten Termin hilft


Es lohnt sich, gezielt nach einer Therapeutin oder einem Therapeuten zu suchen, die Erfahrung mit psychischen Erkrankungen im Paarkontext mitbringen, nicht jede Paarberatung ist darauf vorbereitet. Sprecht im Vorfeld offen darüber, was ihr euch von den Sitzungen erhofft, das kann sehr unterschiedlich ausfallen und lohnt sich, vor dem ersten Termin schon einmal miteinander zu klären. Und geht mit realistischen Erwartungen hinein: Paartherapie verändert selten alles auf einmal, sie kann aber ein Anfang sein, echte Themen überhaupt erstmals gemeinsam auszusprechen.


Häufige Fragen zu Paartherapie wenn dein Partner psychisch krank ist


Muss er erst selbst in Therapie gehen, bevor wir eine Paartherapie machen?

Eine feste Reihenfolge gibt es nicht. Befindet er sich gerade in einer akuten Krise oder erkennt seine Erkrankung noch gar nicht an, ist individuelle Stabilisierung meistens sinnvoller zuerst. Ist er halbwegs stabil, kann Paartherapie auch parallel zu einer noch fehlenden Einzelbehandlung beginnen, manchmal wird sie sogar zur Brücke, die ihm den Schritt in eine eigene Behandlung erst erleichtert.

In den meisten Fällen braucht es beides. Paartherapie behandelt die Beziehung zwischen euch, seine Erkrankung selbst braucht eigene, meist individuelle Behandlung.

Du kannst trotzdem allein eine Beratung oder Therapie beginnen. Das verändert zwar nicht automatisch die gemeinsame Dynamik, hilft dir aber, deine eigene Situation besser einzuordnen und zu tragen.

Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Sie kann helfen, echte Klarheit zu gewinnen, in die eine oder die andere Richtung, sie garantiert aber keine bestimmte Entscheidung am Ende.


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Über die Autorin: 

Dr. Eva Winkler ist Diplom-Psychologin und Coach. Sie begleitet Frauen, die viel tragen und sich dabei selbst aus dem Blick verlieren. Es geht um psychische Erkrankungen innerhalb von Beziehungen, Funktionieren-müssen und den Weg zu sich selbst.

 

inmut: Mut nach innen, um zu verändern. 

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