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People Pleaser in der Beziehung: Bin ich das Problem oder ist er psychisch krank?

3. Mai
7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 22. Aug.

Du bist ein People Pleaser.


Vielleicht hast du dich in diesem Begriff sofort wiedererkannt.


Du passt dich an.

Du möchtest niemanden enttäuschen.

Du merkst schnell, wenn jemand schlechte Stimmung hat.

Du sagst lieber einmal zu viel „Ist schon okay“, als einen Streit anzufangen.

Du fühlst dich schuldig, wenn es jemandem wegen dir schlecht geht.


Und vielleicht hast du inzwischen auch verstanden, warum du so bist.


Du hast ein People-Pleasing-Muster...

Und dann bist du in dieser Beziehung gelandet...mit einem Partner, der psychisch krank ist.


Einer, der besonders empfindlich reagiert. Der mit Zurückweisung schlecht umgehen kann. Der schnell verletzt ist, sich zurückzieht, verzweifelt oder wütend wird. Vielleicht hat er Depressionen, Ängste, eine Persönlichkeitsstörung oder eine andere psychische Erkrankung.





Und plötzlich scheint alles zusammenzupassen: Du bist der People Pleaser. Er ist psychisch krank.


Du passt dich an, weil du eben so bist.

Er reagiert so, weil er eben krank ist.


Und damit lässt sich erstaunlich lange leben.


Aber genau hier lohnt es sich, einmal genauer hinzuschauen.


Das Label kann entlasten


Der Begriff People Pleaser kann unglaublich hilfreich sein.


Er gibt einem Verhalten einen Namen, das vorher vielleicht einfach nur nach „mit mir stimmt etwas nicht“ aussah.


Du erkennst:


Ich sage nicht deshalb ständig Ja, weil ich keine Meinung habe.

Ich übernehme nicht deshalb ständig Verantwortung, weil ich dazu verpflichtet bin.

Ich versuche nicht deshalb ständig, die Stimmung zu retten, weil tatsächlich immer ich dafür verantwortlich bin.


Vielleicht hast du gelernt, dich stark an anderen zu orientieren.

Und wenn du das erkennst, kann das ein wichtiger erster Schritt sein.


Aber ein Label hat noch eine andere Funktion:


Es kann erklären, warum du etwas tust und gleichzeitig verhindern, dass du etwas veränderst.

„Ich bin halt ein People Pleaser“


Vielleicht kennst du diesen Satz: „Ich bin einfach ein People Pleaser.“


Das klingt zunächst nach Selbsterkenntnis.


Aber manchmal steckt darin auch eine ziemlich bequeme Schlussfolgerung:

Dann kann ich eben nicht anders.


Du weißt inzwischen, dass du dich anpasst.

Du weißt, dass du schlecht Nein sagen kannst.

Du weißt, dass du dich schnell schuldig fühlst.

Du weißt, dass du die Gefühle anderer zu deinen eigenen machst.


Du kannst sogar erklären, woher das kommt. Und trotzdem bleibt alles beim Alten.


Das ist der Punkt, an dem Selbstverständnis in eine Sackgasse geraten kann.


Denn zu verstehen, warum du etwas tust, ist noch nicht dasselbe wie es zu verändern.


Vielleicht hast du inzwischen zehn Videos über People Pleasing gesehen, drei Podcasts gehört und mehrere Artikel darüber gelesen.


Und trotzdem sagst du deinem Partner nicht, was du eigentlich brauchst.


Vielleicht hast du sogar eine Erklärung dafür: „Ich muss erst lernen, Grenzen zu setzen.“


Das kann stimmen.


Aber vielleicht gibt es noch eine andere Frage: Was passiert eigentlich, wenn du es versuchst?


Vielleicht bist du nicht überall ein People Pleaser


Das ist eine wichtige Unterscheidung.


Vielleicht bist du bei deiner Freundin überhaupt nicht so.

Du sagst ihr, wenn du etwas nicht möchtest.


Bei deiner Kollegin kannst du eine Grenze setzen.

Du kannst beim Bäcker sagen, dass du das falsche Brötchen bekommen hast.

Du kannst deiner Chefin widersprechen.


Aber bei deinem Partner ist es anders.


Bei ihm überlegst du dreimal, bevor du etwas ansprichst.


Du beobachtest seine Stimmung.

Du formulierst deine Wünsche möglichst vorsichtig.

Du überlegst vorher, wie er reagieren könnte.

Du lässt Dinge lieber bleiben, weil du schon ahnst, was danach kommt.


Und wenn er psychisch belastet ist, denkst du vielleicht:


„Ich kann ihm das jetzt nicht auch noch zumuten.“


Dann ist die Frage nicht mehr nur: „Warum bin ich so ein People Pleaser?“


Die Frage ist: „Was macht diese Beziehung mit meinem Verhalten?“


Wenn seine Erkrankung zum Grund für deine Selbstaufgabe wird


Eine psychische Erkrankung kann sehr real sein. Sie kann beeinflussen, wie jemand mit Stress, Konflikten, Nähe, Kritik oder Zurückweisung umgeht.


Und natürlich kann es in einer Partnerschaft sinnvoll und liebevoll sein, darauf Rücksicht zu nehmen.


Aber Rücksicht hat eine Grenze.



Denn aus „Ich weiß, dass es ihm gerade schwerfällt“ kann irgendwann „Deshalb darf ich meine Bedürfnisse nicht äußern“ werden.


Aus „Er kann mit Kritik gerade schlecht umgehen“ wird „Dann darf ich ihn überhaupt nicht kritisieren.“


Aus „Ich möchte ihn nicht zusätzlich belasten“ wird „Meine Bedürfnisse müssen warten.“


Und aus Verständnis wird Selbstaufgabe.


Das Problem ist dabei nicht, dass du zu empathisch bist.


Das Problem entsteht dort, wo seine psychische Verfassung zunehmend darüber entscheidet, was du in der Beziehung überhaupt noch fühlen, sagen oder verlangen darfst.


Und dann kommt das Label ins Spiel


Vielleicht sagst du: „Ich bin eben ein People Pleaser.“


Aber vielleicht benutzt du das Label inzwischen auch, um eine andere Frage nicht stellen zu müssen:


Warum passe ich mich hier eigentlich so stark an?


Denn es ist ein Unterschied, ob du Schwierigkeiten damit hast, Nein zu sagen. Oder ob du gelernt hast, dass ein Nein in dieser Beziehung unangenehme Konsequenzen hat.


Es ist ein Unterschied, ob du dich grundsätzlich für die Gefühle anderer verantwortlich fühlst. Oder ob du inzwischen tatsächlich ständig die Stimmung deines Partners regulierst, weil du weißt, was passiert, wenn du es nicht tust.


Und es ist ein Unterschied, ob du dich aus einem alten Muster heraus anpasst. Oder ob du dich anpasst, weil du Angst vor seiner Reaktion hast.


Das kann von außen ähnlich aussehen.


Innerlich ist es etwas völlig anderes.


Wer trägt hier eigentlich welche Verantwortung?


Vielleicht ist dein Partner psychisch krank. Dann hat er möglicherweise Dinge, die ihm schwerer fallen als anderen.


Das verdient Verständnis.


Aber eine Erkrankung nimmt einem Menschen nicht automatisch jede Verantwortung für sein Verhalten ab.


Genauso wenig bedeutet dein People-Pleasing-Muster, dass du für die Reaktionen deines Partners verantwortlich bist.


Du kannst für dein eigenes Verhalten Verantwortung übernehmen:


Du kannst lernen, deine Bedürfnisse wahrzunehmen.

Du kannst lernen, Grenzen zu setzen.

Du kannst lernen, Schuldgefühle auszuhalten, ohne sofort nachzugeben.

Du kannst lernen, nicht jede schlechte Stimmung reparieren zu müssen.


Aber du kannst nicht dafür verantwortlich sein, dass dein Partner mit deinen Grenzen gut umgehen kann.


Das ist seine Aufgabe.


Und genau daran kann sich etwas Wichtiges zeigen.


Was passiert, wenn du dich veränderst?


Vielleicht ist das die interessantere Frage als: „Bin ich ein People Pleaser?“


Frag dich stattdessen:


  • Was passiert, wenn ich Nein sage?

  • Was passiert, wenn ich anderer Meinung bin?

  • Was passiert, wenn ich einen eigenen Wunsch äußere?

  • Was passiert, wenn ich nicht sofort versuche, seine schlechte Stimmung zu verbessern?

  • Was passiert, wenn ich einmal nicht verfügbar bin?

  • Was passiert, wenn ich sage: „So möchte ich nicht mit mir sprechen lassen“?

  • Was passiert, wenn ich nicht sofort Schuldgefühle beruhige?


Vielleicht wird dein Partner zunächst irritiert sein.


Das wäre nicht ungewöhnlich. Wenn sich eine Beziehung über lange Zeit auf eine bestimmte Weise eingespielt hat, verändert sich das Gleichgewicht, sobald eine Person ihr Verhalten verändert.


Aber langfristig ist etwas anderes entscheidend:

Kann die Beziehung damit umgehen, dass auch du Bedürfnisse hast?


Kann dein Partner enttäuscht sein, ohne dich dafür verantwortlich zu machen?

Kann er wütend sein, ohne dich einzuschüchtern?

Kann er traurig sein, ohne dass du deine Grenze zurücknehmen musst?

Kann er sagen: „Das fällt mir schwer“, ohne daraus zu machen: „Deshalb darfst du es nicht tun“?


Wenn die Antwort darauf zunehmend Nein lautet, reicht es möglicherweise nicht mehr, dein People-Pleasing-Muster zu betrachten.


Dann musst du auch die Beziehung betrachten.


Vielleicht fällt es dir deshalb besonders schwer, die Bedürfnisse eines anderen auszuhalten, ohne sie sofort zu erfüllen.


Und vielleicht ist dein Partner tatsächlich psychisch krank.


Beides kann gleichzeitig wahr sein. Aber daraus folgt nicht:


Du bist so, deshalb musst du dich eben mehr abgrenzen.


Und auch nicht:


Er ist krank, deshalb musst du mehr Verständnis haben.


Die entscheidende Frage ist:


Funktioniert eure Beziehung nur dann, wenn du dich immer wieder selbst zurücknimmst?


Wenn ja, dann solltest du nicht nur daran arbeiten, ein „besserer People Pleaser“ zu werden. Vielleicht geht es vielmehr darum, herauszufinden, was von dir übrig bleibt, wenn du aufhörst, ständig dafür zu sorgen, dass es dem anderen gut geht.


Denn ein Label kann dir helfen, dich selbst zu verstehen.


Aber irgendwann darf die Frage kommen:


Was mache ich jetzt mit diesem Wissen?


Häufige Fragen zum Thema People Pleaser in der Beziehung


Ist People Pleasing dasselbe wie Codependenz?

Nein. Die Begriffe werden zwar manchmal ähnlich verwendet, beschreiben aber nicht dasselbe.


People Pleasing bezeichnet vor allem die Tendenz, die Bedürfnisse, Erwartungen oder Gefühle anderer über die eigenen zu stellen. Man versucht, Konflikte zu vermeiden, niemanden zu enttäuschen und die Harmonie aufrechtzuerhalten.


Co-Abhängigkeit ist dagegen ein weiter gefasster Begriff, der insbesondere im Zusammenhang mit Beziehungen zu Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung verwendet wurde. Im Alltag wird er inzwischen auch für andere problematische Beziehungsmuster benutzt. Das macht ihn allerdings nicht automatisch zu einer treffenden Beschreibung für jede Person, die sich stark an ihren Partner anpasst.


Deshalb muss nicht hinter jedem People-Pleasing-Muster eine Co-Abhängigkeit stehen.


Und vielleicht ist die wichtigere Frage ohnehin nicht, welches Label am besten passt, sondern: Was passiert in deiner Beziehung, wenn du deine eigenen Bedürfnisse ernst nimmst?

Nicht zwingend. Viele dieser Dynamiken entstehen unbewusst, auf beiden Seiten. Psychische Erkrankungen verändern, wie Menschen kommunizieren, Nähe regulieren und mit Konflikten umgehen. Das macht die Dynamiken nicht weniger real, es macht deinen Partner aber nicht automatisch zu jemandem, der das absichtlich tut.

Das ist eine gute und mutige Frage. Die Antwort hängt davon ab, ob die Beziehung Raum für dich lässt, wenn du anfängst, Raum einzufordern. Manche Beziehungen können das. Manche nicht, das zeigt sich meistens erst im Versuch.

Ein guter Anhaltspunkt ist, wenn du merkst, dass du dich selbst über längere Zeit aus dem Blick verlierst, wenn körperliche oder emotionale Erschöpfung zunimmt, oder wenn du merkst, dass du dieses Muster allein nicht durchbrichst, egal wie oft du es dir vornimmst. Du musst nicht warten, bis es unerträglich wird, um dir Unterstützung zu holen.


Ich bin Eva, Psychologin, und begleite Frauen die sich in Beziehungen zu psychisch kranken Partnern verlieren.






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Über die Autorin: 

Dr. Eva Winkler ist Diplom-Psychologin und Coach. Sie begleitet Frauen, die viel tragen und sich dabei selbst aus dem Blick verlieren. Es geht um psychische Erkrankungen innerhalb von Beziehungen, Funktionieren-müssen und den Weg zu sich selbst.

 

inmut: Mut nach innen, um zu verändern. 

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