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Er verspricht, ich glaube, und nichts ändert sich

  • Eva
  • 14. Juni
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 22 Stunden

Ihr streitet, wieder über dasselbe. Dann sagt er es: "Nächste Woche suche ich mir eine Therapie." In dem Moment kippt etwas in dir. Die Anspannung der letzten Stunde löst sich, du spürst Erleichterung, fast Freude. Der Streit ist vorbei. Du darfst wieder glauben.


Bei einem psychisch belasteten Partner ist dieses Versprechen besonders wirkungsvoll, weil es genau an die Stelle rührt, um die sich ohnehin alles dreht, seine Erkrankung, seine Behandlung, die Hoffnung auf Besserung. Ein Satz wie dieser trifft damit einen wunden Punkt bei dir, an dem du besonders empfänglich für Hoffnung bist.


Der Konflikt wird verschoben, nicht gelöst


Was in diesem Moment endet, ist nicht der eigentliche Konflikt. Es ist nur die akute Anspannung. Die Frage, die zum Streit geführt hat, "wann suchst du dir endlich Hilfe", bleibt inhaltlich exakt so offen wie vorher. Sie wurde nur in die Zukunft verschoben, auf "nächste Woche", ohne dass sich an der eigentlichen Sache irgendetwas geklärt hätte.


Das Tückische daran: Weil dieser zukünftige Zeitpunkt selten konkret genug ist, um wirklich überprüfbar zu sein, kann der gleiche Konflikt beim nächsten Aufflammen erneut verschoben werden, mit einem neuen Versprechen, einer neuen Zukunft. Auf diese Weise wird ein Konflikt nie tatsächlich ausgetragen oder geklärt, er wird nur immer wieder ein Stück weiter nach vorne geschoben. Am Ende habt ihr über Monate denselben Streit nie wirklich zu Ende geführt, ihr habt ihn nur wiederholt vertagt.


Was sein Versprechen für ihn bewirkt


Der Satz muss nicht gelogen sein, damit er trotzdem vor allem eine Funktion hat: Er beendet deinen Druck. Solange du auf eine Zusage wartest, bist du in Habachtstellung, forderst, hakst nach, bist angespannt. Sobald das Versprechen ausgesprochen ist, hast du erst einmal, was du wolltest, zumindest dem Wort nach, und der Konflikt braucht in diesem Moment nicht weitergeführt zu werden.


Ob er das bewusst so einsetzt oder ob es sich für ihn selbst genauso echt anfühlt wie für dich, lässt sich von außen kaum unterscheiden. Für die Wirkung macht das aber erstmal keinen Unterschied: Der Streit ist in diesem Moment beendet, unabhängig davon, ob in der nächsten Woche wirklich ein Therapieplatz gesucht wird.


Der Begriff dafür


Für dieses Muster, ein Versprechen über zukünftiges Verhalten, das vor allem eine gegenwärtige Spannung auflöst, wird manchmal der Begriff Future Faking verwendet. Das ist eine populäre Bezeichnung, die vor allem beschreibt, wie ein Versprechen wirkt, nicht, mit welcher Absicht es gegeben wurde.


Was dein Glauben-Wollen für dich bewirkt


Genauso wichtig wie sein Versprechen ist, was das Glauben daran bei dir auslöst. Solange du misstraust, musst du den Konflikt weitertragen, weiter fordern, weiter angespannt bleiben. Sobald du glaubst, darfst du loslassen, dich erleichtert fühlen, den Abend, die Woche wieder normal weiterleben.


Das ist der eigentliche Grund, warum du ihm auch beim zehnten Mal wieder glaubst, obwohl neun frühere Versprechen im Sand verlaufen sind. Glauben fühlt sich in diesem Moment besser an als Misstrauen. Das hat wenig mit Naivität zu tun und viel damit, dass Hoffnung sich leichter anfühlt als Dauerspannung.


Warum das anders ist als bloßes Abwarten


Hier geht es um den einzelnen Moment selbst: den kurzen, intensiven Erleichterungsmoment, den ein Versprechen auslöst, ganz unabhängig davon, was in den Wochen danach tatsächlich passiert.


Dieses Muster unterscheidet sich von der Frage, ob eine ganze Beziehung sich über Jahre grundsätzlich verändert.


Woran du diesen Moment erkennen kannst


Du merkst eine körperliche Entspannung, fast ein Hochgefühl, direkt nachdem er etwas zugesagt hat, deutlich stärker, als es die bloße Ankündigung eigentlich rechtfertigen würde. Der Streit ist für dich in diesem Augenblick beendet, noch bevor überhaupt irgendetwas davon umgesetzt wurde. Und ein Teil von dir vermeidet es, jetzt nachzufragen, wie genau und bis wann, aus Angst, die gerade gewonnene Erleichterung wieder zu gefährden.


Was dir helfen kann


Es hilft, den Moment des Versprechens selbst von seiner Umsetzung zu trennen. Du darfst dich über seine Aussage freuen und trotzdem im Kopf behalten, dass ein Versprechen erst dann etwas wert ist, wenn ihm etwas folgt. Eine konkrete Frist zu benennen, "bis wann genau", verändert wenig an deinem Gefühl in diesem Moment, macht es aber später leichter, ehrlich zu prüfen, was tatsächlich passiert ist, statt es im allgemeinen Gefühl von "er hat sich doch bemüht" verschwimmen zu lassen.


Häufige Fragen zu er verspricht --> ich glaube --> nicht verändert sich

Lügt er, wenn er das verspricht?

Nicht zwangsläufig. Das Versprechen kann in dem Moment genauso echt gemeint sein wie für dich. Das ändert aber nichts daran, dass es vor allem den aktuellen Konflikt beendet, unabhängig davon, was später daraus wird.

Weil Glauben sich in dem Moment leichter anfühlt als Misstrauen. Der Wechsel von Anspannung zu Erleichterung ist ein starker Anreiz, unabhängig davon, was die Vergangenheit gelehrt hat.

Es geht weniger darum, generell zu misstrauen, als darum, den Moment des Versprechens von seiner tatsächlichen Umsetzung zu unterscheiden. Beides darfst du unabhängig voneinander betrachten.



Ich bin Eva, Psychologin, und arbeite mit Frauen in Beziehung mit psychisch erkrankten Partnern.






Eine Übersicht zu meinen Blogbeiträgen zum Thema Psychische Erkrankung in der Partnerschaft findest du hier:




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