Prüfungsangst überwinden: Warum Mut wichtiger ist als noch mehr Lernen
- Eva
- 27. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Hand aufs Herz: Du hast wahrscheinlich schon genug gelernt. Dein Schreibtisch quillt über vor Zusammenfassungen, aber dein Magen zieht sich trotzdem zusammen.
Warum?
Weil Prüfungsangst kein Wissensproblem ist. Es ist ein Sicherheitsproblem. Und du wirst sie nicht mit noch mehr Disziplin besiegen, sondern nur mit Mut.
Viele Menschen reagieren auf die Angst mit einer gefährlichen Strategie: Noch mehr Druck. Noch mehr Wiederholungen. Noch mehr Kaffee. Das fühlt sich kurzfristig nach Kontrolle an, ist aber psychologisch gesehen Benzin im Feuer. Wenn du wirklich deine Prüfungsangst überwinden willst, musst du aufhören zu büffeln und anfangen, dein inneres System zu verstehen.
Das Blackout-Paradoxon: Dein Gehirn will dich nur retten
Prüfungsangst entsteht selten durch fehlende Kompetenz. Sie entsteht durch eine empfundene Gefahr. Dein Steinzeit-Gehirn unterscheidet nicht zwischen einem Säbelzahntiger und einem strengen Prüfer.
Wenn die Angst kickt, schaltet dein präfrontaler Kortex (der Teil, der für logisches Denken und Fakten zuständig ist) ab. Dein System geht in den Überlebensmodus: Kampf, Flucht oder Totstellen (der klassische Blackout). In diesem Zustand ist noch mehr Lernen völlig sinnlos. Was du brauchst, ist nicht mehr Input, sondern die Fähigkeit, im Alarmzustand handlungsfähig zu bleiben. Das ist wahrer Mut.
Mut heißt nicht, keine Angst zu haben
Wir haben ein völlig falsches Bild von Mut. Wir denken, mutig ist derjenige, der lächelnd und tiefentspannt im Prüfungsraum sitzt. Bullshit.
Mut bedeutet: Du gehst trotzdem rein.
Mit zitternden Händen. Mit einem flauen Gefühl im Magen. Mit der Unsicherheit im Gepäck. Mut ist die Entscheidung, dich nicht von deiner körperlichen Stressreaktion tyrannisieren zu lassen. Um Prüfungsangst zu überwinden, musst du lernen, die Angst als biologisches Hintergrundrauschen zu akzeptieren, statt sie als Signal zum Rückzug zu werten.
Flucht ist deine falsche Komfortzone
Viele Strategien, mit denen wir versuchen, die Angst zu kontrollieren, sind in Wahrheit feige Fluchtmanöver:
Prüfungen im letzten Moment absagen.
Sich hinter Perfektionismus verstecken (und nie fertig werden).
Innerlich abschalten und sich „taub“ fühlen.
Diese Strategien entlasten dich für fünf Minuten, zerstören aber langfristig dein Selbstvertrauen. Mut bedeutet hier: Bleiben. Den Druck aushalten, ohne wegzulaufen. Jedes Mal, wenn du bleibst, lernt deins Psyche: „Ich habe das überlebt. Ich bin sicher.“
Körper-Hacks statt Lern-Hacks
Wenn der Kopf streikt, musst du über den Körper arbeiten. Du kannst dein Gehirn nicht „überreden“, ruhig zu sein, aber du kannst es regulieren. Wer seine Prüfungsangst überwinden will, braucht körperliche Anker:
Die Ausatmung: Atme doppelt so lange aus, wie ein.
Bodenhaftung: Spüre deine Füße. Deine Angst ist in der Zukunft, deine Füße sind im Hier und Jetzt.
Orientierung: Schau dich im Raum um. Zähle drei blaue Gegenstände. Das signalisiert deinem Gehirn: Keine Gefahr im Außen.
Warum gerade die „Guten“ oft am meisten leiden
Es trifft oft die Leistungsträger. Menschen mit hohem Verantwortungsgefühl und dem Drang zur Anpassung. Warum? Weil ihr Selbstwert an die Note gekoppelt ist. Die Prüfung wird zur Existenzfrage.
Mut bedeutet hier auch: Die eigene Menschlichkeit und Fehlbarkeit zuzulassen. Es ist die radikale Akzeptanz, dass eine Prüfung nur eine Momentaufnahme deiner Leistung ist, nicht deines Wertes als Mensch.
Wann „Zähne zusammenbeißen“ gefährlich wird
Es gibt einen Punkt, an dem Selbsthilfe-Tipps an ihre Grenzen stoßen. Wenn die Angst dein Leben diktiert, wenn du nächtelang nicht schläfst oder regelmäßig in Panikattacken rutschst, dann ist das kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Hilferuf deines Systems.
In diesem Fall ist der mutigste Schritt nicht, es noch einmal allein zu versuchen, sondern sich Unterstützung zu holen.
Mut ist ein Muskel, kein Talent
Du musst nicht angstfrei sein, um zu bestehen. Du darfst nervös sein. Du darfst schwitzen. Du darfst menschlich sein.
Um deine Prüfungsangst nachhaltig zu überwinden, musst du anfangen, dich selbst nicht mehr in der Situation zu verlassen. Sei dein eigener Verbündeter, statt dein härtester Kritiker. Der Weg zur bestandenen Prüfung führt nicht über den Schreibtisch, sondern über dein Vertrauen in dich selbst, auch wenn die Knie zittern.
Nimm dein Selbstvertrauen selbst in die Hand
Du hast es satt, dass deine Angst deine Noten und dein Wohlbefinden diktiert? Ich bin Psychologin und in meinem Coaching schauen wir uns nicht deine Lernzettel an, sondern deine inneren Blockaden.


