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Mein Partner übernimmt keine Verantwortung. Aber ich immer.

  • Eva
  • 10. Juni
  • 7 Min. Lesezeit

Es gibt diese Momente, die im ersten Augenblick klein wirken. Ihm rutscht etwas aus der Hand, geht zu Bruch, läuft aus. Und während du noch denkst "das kann passieren", ist die Situation schon umgedreht: Er ist genervt, vielleicht sogar wütend, und irgendwie bist du jetzt diejenige, die das wieder in Ordnung bringt, vielleicht sogar diejenige, die "schuld" ist, weil du ihn "so gestresst hast".


Du putzt es weg. Im wörtlichen und im übertragenen Sinn.

Wenn du danach kurz nachdenkst, merkst du vielleicht: Das war doch eigentlich seine Sache. Aber irgendwie ist daraus deine geworden, und das, ohne dass irgendjemand das laut so entschieden hätte.


Was in solchen Momenten passiert

Bei den Dingen, die ihm passieren, scheint es nie wirklich um die Sache selbst zu gehen? Es geht sofort um die Umstände, um den Stress, um etwas oder jemanden, der "schuld" daran ist, dass es so gekommen ist. Und sehr oft landet diese Erklärung am Ende bei dir.


Er beschuldigt dich wahrscheinlich nicht laut. Es ist viel leiser: ein genervtes Schweigen, ein Seufzen, eine Stimmung im Raum, die du sofort spürst und die du, fast automatisch, auflösen willst. Und der schnellste Weg, das aufzulösen, ist oft, einfach zu übernehmen, aufzuräumen, zu erklären, zu beruhigen.


Eine Entschuldigung von ihm kommt in solchen Situationen selten. Und wenn doch, dann oft an Stellen, an denen sie ihm selbst etwas bringt, etwa um eine Situation zu beenden oder um wieder Nähe herzustellen, weniger, weil er das, was passiert ist, wirklich bei sich verortet.



Wie sich "keine Verantwortung übernehmen" im Alltag zeigt

Dieses Muster zeigt sich in vielen kleinen Situationen, die sich wiederholen, und die einzeln betrachtet fast immer eine Erklärung haben.


Haushalt und Alltag

"Du siehst doch, was gemacht werden muss."

Oder: "Wenn es dich stört, mach es halt."


Was hier passiert: Die Verantwortung dafür, dass etwas erledigt wird, liegt automatisch bei dir, weil du es bemerkst? Dass er es nicht bemerkt, wird nicht als sein Anteil gesehen, sondern als Grund, warum du es eben übernimmst.


Mental Load

"Du bist doch die Organisierte von uns beiden."

Oder: "Ich vergesse sowas eben."


Was hier passiert: Termine, Geburtstage, Arzttermine, Organisation rund um die Kinder, das alles landet bei dir, weil es sich eingespielt hat. Mit der Zeit wirst du zur Projektmanagerin für euer gemeinsames Leben, eine Rolle, die nie ausgesprochen wurde, aber trotzdem da ist.


Emotionale Verantwortung

"Du bist einfach zu empfindlich."

Oder: "Wenn du nicht so reagieren würdest, hätten wir kein Problem."


Was hier passiert: Wenn dich etwas verletzt hat, wird nicht das Verhalten betrachtet, das dazu geführt hat. Es wird plötzlich deine Reaktion darauf in den Fokus genommen. Die Verantwortung für die Verletzung verschiebt sich von dem, was passiert ist, zu der Art, wie du darauf reagiert hast.


Konflikte und Entschuldigungen

"Es tut mir leid, dass du das so siehst."

Oder: "Ich habe das nur gemacht, weil du..."


Was hier passiert: Eine Entschuldigung bezieht sich auf deine Wahrnehmung oder dein Gefühl, nicht auf das, was er getan hat. Manchmal merkst du das erst später, im Moment fühlt es sich an wie eine Entschuldigung, aber eigentlich wurde nichts davon anerkannt, was eigentlich Thema war.


Finanzen

"Mit Geld habe ich es nicht so."

Oder: "Du kümmerst dich doch sowieso darum."


Was hier passiert: Verantwortung für gemeinsame finanzielle Themen verschiebt sich zu dir, oft schon bevor irgendetwas problematisch wird. Wenn doch etwas problematisch wird, etwa unerwartete Ausgaben, wird das eher als etwas dargestellt, das passiert ist, nicht als etwas, das er entschieden hat.


Elternschaft

"Du bist halt die Mutter."

Oder: "Die Kinder hören auf dich besser."


Was hier passiert: Bei Themen, die die Kinder betreffen, landet die Verantwortung fast automatisch bei dir, auch wenn es eigentlich um etwas geht, das beide Eltern gleich betrifft.


Wie äußert sich die Verantwortungsdelegation bei euch?

Diese Beispiele klingen alle undramatisch. Jedes für sich genommen könnte man als Kleinigkeit abtun, als Charaktereigenschaft, als "er ist halt so". Und genau das macht es so schwer, das Muster zu erkennen, denn es zeigt sich nicht in einer großen Szene, sondern in der Summe sehr vieler kleiner Situationen, die alle in dieselbe Richtung gehen.


Kannst du die Situationen benennen, die zeigen in welchen Situationen dein Partner die Verantwortung von sich weist?

Was du dabei übernimmst, ohne dass es ausgesprochen wird

Wenn du dir diese Momente im Rückblick anschaust, geht es selten nur um die konkrete Sache, die Scherben, den Fleck, die verpasste Verabredung. Es geht um etwas Unsichtbares: Du übernimmst die Aufgabe, die Situation wieder in Ordnung zu bringen, nicht nur praktisch, auch emotional.


Du sorgst dafür, dass die Stimmung sich wieder normalisiert.

Du sorgst dafür, dass aus der Sache kein größeres Thema wird.


Das machst du nicht bewusst. Es fühlt sich nicht an wie "ich übernehme das jetzt für ihn", eher wie "ich mache das jetzt einfach", weil die Alternative, sich noch unangenehmer anfühlt, für dich?


DU fängst es auf!

Es gibt Menschen, bei denen so etwas nicht funktionieren würde. Die würden bei "wenn es dich stört, mach es halt" einfach antworten: "Dann stört es eben, das ist trotzdem deine Aufgabe."

Oder bei "du bist zu empfindlich" einfach sagen: "Nein, das war einfach nicht in Ordnung."


Bei DIR funktioniert das anders...

Vielleicht ist da ein sehr ausgeprägtes Gefühl für Verantwortung, das dich generell zu jemandem macht, der Dinge erledigt, bevor sie zum Problem werden, in der Beziehung genauso wie im Job oder in der Familie, in der du groß geworden bist.


Vielleicht ist da auch eine tiefe Unsicherheit, ob ein Konflikt, den du nicht auflöst, die Beziehung gefährden könnte. Wenn Anspannung im Raum ist, geht es für dich darum, dass sich alles wieder "normal" anfühlt, und das so schnell wie möglich.


Und vielleicht ist da auch die Erfahrung, schon oft gehört zu haben, dass deine Wahrnehmung nicht stimmt, "du bist zu empfindlich", "du machst aus allem ein Drama". Mit der Zeit kann das dazu führen, dass du eigene Reaktionen vorab schon relativiert hast, bevor überhaupt jemand widersprochen hat.


Diese drei Dinge, Verantwortungsgefühl, die Angst vor ungelöster Spannung, und das Infragestellen der eigenen Wahrnehmung, verstärken sich gegenseitig. Zusammen machen sie aus DIR genau die Frau, bei der dieses Muster funktioniert, weil all das in dir bereits angelegt war, lange bevor diese Beziehung begann.


Was das nicht bedeutet

Das bedeutet nicht, dass du diese Beziehung "verdient" hast, oder dass diese Eigenschaften an sich ein Problem sind. Verantwortungsbewusstsein, Harmoniebedürfnis, Selbstreflexion, das sind Eigenschaften, die in vielen Zusammenhängen sehr wertvoll sind.


Das Problem ist, dass sie in dieser bestimmten Konstellation dazu führen, dass du immer mehr übernimmst, während sich bei ihm nichts bewegen muss.

Genau diese Kombination, deine Stärken und seine fehlende Verantwortung, ist es, die das Muster so stabil macht.


Was das mit ihm macht

Jedes Mal, wenn du eine Situation auffängst, bevor sie zu einem echten Thema wird, bevor eine Konsequenz spürbar wird, bleibt für ihn alles wie vorher. Nichts an seinem Verhalten musste sich bisher ändern, weil nichts davon je wirklich bei ihm "ankam".


Er macht das nicht unbedingt bewusst oder absichtlich. Aber das Ergebnis ist dasselbe:


Solange du den Raum zwischen seinem Verhalten und den Folgen davon ausfüllst, gibt es für ihn keinen Grund, diesen Raum selbst wahrzunehmen.

Du wirst, ohne dass das je besprochen wurde, zu der Person, die dafür sorgt, dass alles weiterläuft. Und genau das macht es für ihn sehr leicht, sich nicht verändern zu müssen, weil die Notwendigkeit dafür nie wirklich entsteht.


Warum das so schwer zu sehen ist, während es passiert

Im Moment selbst geht es immer um etwas Konkretes, eine Aufgabe, eine Situation, die gerade gelöst werden muss.


Erst wenn du diese Momente nebeneinanderlegst, vielleicht über Wochen oder Monate, wird sichtbar, dass es immer in eine Richtung läuft. Weil sich aus vielen einzelnen, für sich genommen kleinen Entscheidungen eine Aufteilung ergeben hat, die nie als solche getroffen wurde.


Was sich verändern kann, wenn du das bemerkst


Was helfen kann, ist erstmal nur, diese Aufteilung für DICH sichtbar zu machen. Zu bemerken: Das, was hier gerade passiert, ist eigentlich seine Sache, und ich übernehme sie gerade, wie so oft.

Dieses Bemerken verändert etwas in dir, eine Art innere Buchführung, die mit der Zeit sichtbar machen kann, wie viel du eigentlich trägst, was nicht deins ist.


Diese Art von Verantwortung zu übernehmen, fühlt sich oft an wie etwas, das du einfach tust, weil es nötig scheint. Und genau das macht es so schwer zu sehen, wie viel davon eigentlich nicht deins ist.


Wenn du merkst, dass du in vielen Bereichen deiner Beziehung diese Rolle übernimmst, die des Auffangens, des Ausgleichens, des Dafür-Sorgens, dass nichts eskaliert, lohnt sich ein Blick auf deine eigenen tief liegenden Muster.


Ich bin Psychologin und beschäftige mich mit den inneliegenden Mechanismen von Frauen in Beziehungen mit Männern die beipielsweise keine Verantwortung übernehmen.



FAQ: Wenn er keine Verantwortung übernimmt


Warum entschuldigt er sich kaum?

Eine Entschuldigung setzt voraus, dass jemand etwas bei sich selbst verortet, dass er etwas getan hat, das Konsequenzen für jemand anderen hatte. Wenn die Erklärung für eigenes Verhalten aber meist bei den Umständen oder bei anderen liegt, fehlt dieser Bezugspunkt. Eine Entschuldigung wird dann eher zu einem Mittel, eine unangenehme Situation zu beenden, als zu einem Ausdruck davon, dass etwas verstanden wurde.

Warum lande ich am Ende fast immer bei "es ist schon okay" oder "ich mach das"?

Weil das oft der schnellste Weg ist, eine angespannte Situation zu beenden. In dem Moment scheint es einfacher, selbst zu handeln, als zu warten, bis sich etwas von der anderen Seite löst, eine Einsicht, eine Entschuldigung, eine Konsequenz. Diese Lösung fühlt sich praktisch und vernünftig an, aber sie verhindert auch, dass die Situation für ihn je zu einem Thema wird.

Was, wenn ich aufhöre, das aufzufangen, und es eskaliert?

Das ist möglich, gerade am Anfang, wenn sich eine über lange Zeit eingespielte Dynamik verändert. Es kann ein Zeichen sein, dass eine Konsequenz zum ersten Mal seit langem tatsächlich bei ihm ankommt, statt vorher von dir abgefangen zu werden. Wie genau du damit umgehst, hängt sehr von der jeweiligen Situation ab und ist oft ein Punkt, an dem Unterstützung von außen hilfreich ist.

Hat dieses Verhalten einen Namen?

Das wiederholte Muster, Verantwortung für eigenes Verhalten auf Umstände oder andere Personen zu verschieben, wird manchmal als Schuldexternalisierung bezeichnet. In Konfliktsituationen kann das auch in Richtung DARVO gehen, eine Abkürzung für "Deny, Attack, Reverse Victim and Offender", also: leugnen, angreifen, und die Rollen von Opfer und Verursacher vertauschen. Diese Begriffe beschreiben eher das Verhalten des anderen, für deine Verarbeitung ist aber meist wichtiger, welchen Teil du in diesem Zusammenspiel einnimmst, als wie das Verhalten genau heißt.











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