Hilfe, mein Chef ist ein Narzisst...dass ist (fast) egal, wenn du innerlich stabil bist
- Eva
- 14. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
„Mein Chef ist ein Narzisst.“
Diesen Satz höre ich im Coaching oft als Erstes. Es ist eine Diagnose, die wie ein Befreiungsschlag wirkt. Endlich gibt es einen Namen für die Abwertung, die Machtspiele und die emotionale Kälte, die den Arbeitsalltag zur Hölle machen.
Doch hier kommt die unbequeme Wahrheit: Die Diagnose deines Chefs rettet dir nicht den Feierabend.
Ob er wirklich ein Narzisst ist oder „nur“ ein unsicherer Mensch mit autoritären Allüren, ist für dein Wohlbefinden zweitrangig.
Die entscheidende Frage ist: Warum hat er so viel Macht über mein inneres Erleben?
Warum das Etikett "Narzisst" dich lähmen kann
Die Zuschreibung „Narzissmus“ ist eine wertvolle Erklärung, aber eine schlechte Lösung. Wenn wir jemanden abstempeln, geben wir oft unbewusst die Verantwortung ab. Wir warten darauf, dass er sich ändert oder dass das Umfeld ihn endlich entlarvt. Beides passiert selten.
Was dich wirklich stresst, ist nicht sein Charakterfehler. Es sind die Resonanzen in dir:
Deine emotionale Reaktion auf seine Provokation.
Deine alten Gehorsamsmuster, die bei jedem scharfen Ton reflexhaft anspringen.
Das Gefühl, wieder das kleine Mädchen zu sein, das auf das Urteil einer unberechenbaren Autorität wartet.
Solange du nur ihn analysierst, bleibst du das Opfer seiner Dynamik. Erst wenn du deine eigenen „Andockstellen“ kennst, wirst du wieder zur Regisseurin deines Lebens.
Hinter der Maske des Tyrannen
Wenn wir uns vor einem narzisstischen Chef fürchten, sehen wir ihn als übermächtigen Riesen. Doch wer genau hinsieht, erkennt hinter der Fassade aus Status und Herrschsucht oft ein emotional steckengebliebenes Kind.
Narzissmus ist im Kern ein Entwicklungsstopp. Wenn dieser Mensch keine Bewunderung bekommt oder kritisiert wird, rutscht er in einen infantilen Trotzmodus. Er kann dann nicht mehr wie ein Erwachsener agieren. Er wütet wie ein Fünfjähriger, dem man das Spielzeug weggenommen hat.
Was passiert, wenn du diese Perspektive einnimmst?
Die Angst schrumpft: Vor einem tobenden Riesen zitterst du. Über ein Kind, das im Supermarkt schreit, schüttelst du eher befremdet den Kopf.
Du steigst aus der Logik-Falle aus: Du versuchst nicht mehr, mit einem Kleinkind über Sachargumente zu diskutieren. Du verstehst: „Er kann gerade nicht anders.“ Das spart dir endlose, erschöpfende Erklärungsversuche.
Souveräne Distanz: Du nimmst die Haltung einer Beobachterin ein. Du siehst das „Theaterstück“, aber du spielst nicht mehr mit.
Trigger-Check: Warum er bei dir „freie Fahrt“ hat
Ein Trigger ist kein Zeichen von Schwäche. Er ist ein Hinweis auf einen Teil in dir, der früher einmal lernen musste, dass Anpassung Sicherheit bedeutet. Narzisstisch geprägte Führungskräfte sind Weltmeister darin, genau diese alten Wunden zu finden.
Sie nutzen deine inneren Antreiber effizient aus:
Dein brennendes Bedürfnis nach Anerkennung (das „brave Kind“).
Deine Angst vor Fehlern, die dich zur Selbstaufopferung treibt.
Die Stimme in deinem Kopf, die sagt: „Ich bin nur wertvoll, wenn ich funktioniere.“
Dein Chef drückt nur die Knöpfe, die in dir noch scharf geschaltet sind. Wenn du die Drähte dahinter löst, kann er drücken, so viel er will. Das Signal kommt nicht mehr bei dir an.
Innere Stabilität: Dein unsichtbares Schutzschild
Stabilität bedeutet nicht, dass sein Verhalten okay ist. Wenn du innerlich ruhst:
Prallt unsachliche Kritik ab wie Regen an einer Teflonpfanne.
Verliert emotionale Manipulation ihre Wirkung, weil du nicht mehr „andockst“.
Reagierst du aus deiner erwachsenen Kraft heraus, statt in alte Schockstarre zu verfallen.
Dein inneres Erleben ist wichtiger als seine Diagnose
Du musst deinen Chef nicht therapieren oder verstehen. Du musst dein eigenes Fundament verstärken. Je weniger du emotional steuerbar bist, desto weniger Macht hat das Verhalten anderer über deinen Puls und deinen Schlaf.
Echte berufliche Selbstwirksamkeit beginnt dort, wo die Meinung deines Chefs aufhört, deine Identität zu definieren.
Die Freiheit beginnt in dir; nicht im Büro des Vorgesetzten.
Brauchst du dabei Unterstützung? Ich bin Psychologin und begleite Personen die von psychisch erkrankten Menschen getriggert werden.



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