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Trennung wenn einer psychisch krank ist: Was beide Seiten nicht aussprechen

  • Eva
  • 16. Mai
  • 4 Min. Lesezeit

Eine Trennung ist selten einfach. Aber wenn einer der beiden psychisch krank ist, wird sie zu etwas, für das es kaum Sprache gibt. Zu viel Schuldgefühl auf der einen Seite. Zu viel Scham auf der anderen. Und dazwischen ein Schweigen, das beide allein lässt.


Was meistens ungesagt bleibt. Auf beiden Seiten...


Die Erleichterung, die sich niemand erlaubt

Sie denkt: Ich bin so müde. Ich will einfach nur schlafen, ohne vorher zu prüfen, wie seine Stimmung ist. Ich will morgens aufwachen und an mich denken. Nur kurz. Nur einmal.

Aber sie spricht es nicht aus. Weil Erleichterung bei einer Trennung von einem kranken Menschen sich anfühlt wie Herzlosigkeit. Wie Verrat. Wie der Beweis, dass sie nie wirklich geliebt hat.


Er denkt: Vielleicht ist es besser so. Vielleicht bin ich wirklich zu viel. Vielleicht verdient sie jemanden, der funktioniert.

Aber er spricht es nicht aus. Weil es sich anfühlt wie aufgeben. Wie bestätigen, was er am meisten fürchtet: dass er nicht liebenswert ist, solange er krank ist.


Beide haben dasselbe Gefühl. Beide schweigen darüber. Aus völlig unterschiedlichen Gründen.


Die Schuldgefühle, die lähmen

Sie: Du verlässt jemanden, der krank ist. Das gesellschaftliche Urteil ist leise aber konstant. Wie konntest du. In guten wie in schlechten Zeiten. Er braucht dich doch.


Sie sitzt beim Abendessen mit Freunden. Jemand fragt, wie es ihm geht. Sie sagt: Wir haben uns getrennt. Die Stille danach sagt alles. Sie erklärt sich. Rechtfertigt sich. Kommt nach Hause und fragt sich, ob sie ein schlechter Mensch ist.


Schuldgefühle bei dieser Trennung sind fast unvermeidlich. Aber Schuldgefühle sind kein verlässlicher Kompass. Sie entstehen nicht, weil du falsch gehandelt hast. Sie entstehen, weil du ein Gewissen hast. Das ist ein Unterschied.


Er: Die Schuld sitzt anders. Nicht die Frage, ob er falsch gehandelt hat. Die Frage, ob er der Grund ist. Ob seine Erkrankung die Beziehung zerstört hat. Ob er sie zerstört hat.


Er geht die letzten Monate durch. Die schlechten Phasen. Die Momente, in denen er nicht da sein konnte. Er sucht nach dem Moment, an dem es gekippt ist. Als hätte er ihn verhindern können, wenn er nur...


Diese Schuld ist besonders grausam, weil sie sich an etwas festmacht, das er nicht vollständig kontrollieren konnte. Eine Erkrankung ist kein Charakterfehler. Aber sie fühlt sich in diesem Moment wie einer an.


Die Angst, die keiner benennt

Sie: Was, wenn es ihm danach schlechter geht? Was, wenn er nicht alleine klarkommt? Was, wenn etwas passiert?

Diese Angst hält viele Frauen länger in Beziehungen, als gut für sie ist. Sie übernehmen Verantwortung für sein Wohlergehen, auch nach der Trennung. Auch wenn sie längst nicht mehr zusammen sind.


Sie hat die Trennung ausgesprochen. Drei Tage später schreibt er, dass es ihm sehr schlecht geht. Sie antwortet sofort. Fährt vorbei. Fragt sich danach, ob sie die Trennung wirklich meint.


Er: Die Angst, allein nicht zu funktionieren. Die Beziehung war Struktur, Halt, Normalität. Was kommt jetzt? Wer hält das zusammen, was sie zusammengehalten hat?

Diese Angst ist real und sie verdient Respekt. Gleichzeitig ist sie kein Grund, eine Beziehung aufrechtzuerhalten, die beiden irgendwie schadet. Angst vor dem Alleinsein ist lösbar. Mit Zeit, mit Unterstützung, mit professioneller Begleitung.


Was beide brauchen, aber selten bekommen

Sie braucht die Erlaubnis zu gehen, ohne sich dafür zu verurteilen. Sie braucht jemanden, der ihr sagt: Du hast lange genug getragen. Das hier ist keine Aufgabe, die du bis zur Erschöpfung erfüllen musst. DEIN Leben zählt auch.


Er braucht Unterstützung, die nicht von ihr kommt. Professionelle Begleitung, ein Netz, das nicht aus einer einzigen Person besteht. Die Trennung kann der Moment sein, der ihn zwingt, diese Unterstützung endlich zu suchen. Nicht weil sie ihn verlassen hat. Weil er sie für sich selbst braucht.


Was dieser Beitrag nicht sagt

Er sagt nicht, dass du gehen sollst. Er sagt nicht, dass du bleiben sollst.

Er sagt: Was du fühlst, hat eine Berechtigung. Auf beiden Seiten. Und das Schweigen darüber macht es schwerer, nicht leichter.


Wenn du die Frau bist, die trägt und nicht mehr kann: Deine Erschöpfung ist real. Deine Grenze ist berechtigt.


Wenn du der Mensch bist, der krank ist und Angst vor dem hat, was kommt: Deine Angst ist verständlich. Und du bist nicht allein damit, auch wenn es sich gerade so anfühlt.


Häufige Fragen zu Partnerschaft und psychischer Erkrankung


Bin ich verantwortlich für das Wohlergehen meines Partners nach der Trennung? 

Nein. Du kannst dir wünschen, dass es ihm gut geht. Du kannst hoffen, dass er Unterstützung findet. Aber seine psychische Gesundheit war nie deine Verantwortung allein, und sie ist es nach der Trennung erst recht nicht.

Wie gehe ich mit Schuldgefühlen nach der Trennung um?

Indem du sie benennst, ohne ihnen zu folgen. Schuldgefühle sind ein Gefühl, keine Tatsache. Sie sagen dir, dass du ein Gewissen hast. Sie sagen dir nicht, dass du falsch gehandelt hast.

Was, wenn mein Partner nach der Trennung in eine Krise gerät?

Das ist die Frage, die viele Frauen lähmt. Eine Krise nach der Trennung ist nicht deine Schuld. Du bist nicht die einzige Person in seinem Leben, die helfen kann. Und wenn du es wärst, wäre das selbst ein Hinweis darauf, wie notwendig diese Trennung war.


Ich bin Psychologin und dieser Beitrag ist Teil meiner Serie über das Leben mit einem psychisch kranken Partner. Alle Inhalte findest du hier: Partner psychisch krank


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