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Deine Freundin trennt sich von ihrem toxischen Partner: Wie du unterstützt

29. Aug.
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 31. Aug.

Dein Handy klingelt spät abends, und es ist sie. Seit Wochen (oder Monaten, Jahren) kaum ein Wort, jetzt weint sie am Telefon und sagt Dinge, die du so lange hören wolltest: Sie will raus. Sie hält es nicht mehr aus. Sie weiß nicht, wie sie anfangen soll.


Für einen Moment fühlst du Erleichterung, endlich. Und im nächsten Moment merkst du, wie überfordert du selbst bist. Du hast dir das gewünscht, aber jetzt, wo es passiert, weißt du nicht, was sie eigentlich von dir braucht und ob du dem überhaupt gewachsen bist.



Das ist eine erste Erkenntnis, kein fertiger Plan


Was gerade passiert, ist wahrscheinlich weniger eine Entscheidung als ein Ausdruck von Leid. Deine Freundin hat vielleicht zum ersten Mal seit Langem in Worte gefasst, wie sehr sie leidet. Das ist viel, aber es ist noch keine feste, tragfähige Entscheidung.


Stell dich darauf ein, dass dieser Weg nicht geradlinig verlaufen wird. Es kann gut sein, dass sie sich in den nächsten Tagen oder Wochen wieder zurückzieht und noch einmal auf ihren Partner einlässt. Das bedeutet nicht, dass ihr Anruf heute Abend nichts wert war. Emotionale Abhängigkeit löst sich nicht mit einem einzigen Gespräch auf.



Wie du dich in diesem Moment verhältst


Sei da, ohne zu drängen. Es ist verlockend, jetzt sofort einen Plan zu machen, eine Wohnung zu suchen, Termine zu vereinbaren, Fakten zu schaffen, solange sie entschlossen wirkt. Damit machst du aber ihre erste zarte Erkenntnis zu deinem Projekt, und das kann sie überfordern statt entlasten.


Halte gleichzeitig Maß mit dir selbst. Du musst nicht alles auffangen, was in den nächsten Stunden an Gefühlen und Geschichten kommt. Ein Satz wie "Ich bin froh, dass du das mit mir teilst, und ich möchte in Ruhe mit dir überlegen, was jetzt hilfreich ist" gibt dem Moment Raum, ohne dass du dich selbst überforderst.


Was du zu hören bekommen könntest


Vielleicht erzählt dir deine Freundin jetzt Dinge über die Beziehung, die dich erschrecken, Details, die bisher verborgen waren. Das kann bei dir Schuldgefühle auslösen: Hätte ich das früher merken müssen? Warum war ich nicht öfter da? Warum habe ich nicht genauer nachgefragt?


Diese Gedanken sind verständlich, aber sie helfen weder dir noch ihr. Deine Freundin hat vermutlich aus guten Gründen lange geschwiegen, aus Scham, aus Angst oder aus Loyalität ihrem Partner gegenüber. Das lag nicht an deiner Aufmerksamkeit.


Bereite dich außerdem darauf vor, dass ihr Partner in dieser Phase heftig reagieren kann. Trennungen können bei einem instabilen oder kontrollierenden Partner besondere Anspannung auslösen. Bleib in dieser Zeit wachsam, und zieh im Zweifel weitere Unterstützung hinzu, etwa das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen unter 08000 116 016, das anonym und rund um die Uhr erreichbar ist, oder im Akutfall die Polizei.


Der Wunsch, jetzt endlich einen "Experten" für Trennungen von toxischen Partnern zu finden


In einer solchen Ausnahmesituation ist es naheliegend, nach jemandem zu suchen, der sich damit auskennt: eine Therapeutin, eine Beratungsstelle, ein Fachbuch. Das ist nicht falsch, und professionelle Unterstützung kann wichtig werden. Aber was deine Freundin in diesem Moment am meisten braucht, ist wahrscheinlich etwas anderes: Sicherheit, eine echte Verbindung, jemanden, der einfach zu ihr hält, ohne Bewertung. Das kannst du ihr geben, bevor überhaupt eine Expertin im Spiel ist.


Ihre innere Welt gerade


Eine Frau, die sich aus einer solchen Beziehung zu lösen versucht, ist selten einfach nur erleichtert. Sehnsucht nach dem Partner und Erleichterung über die Distanz können gleichzeitig da sein. Dazu kommt oft Angst vor dem, was jetzt kommt: vor dem Alleinsein, vor seiner Reaktion, vor der Frage, ob sie es wirklich schafft. Die zähe Scham über alles was war. Diese Widersprüchlichkeit ist kein Zeichen dafür, dass sie sich nicht sicher ist, sondern ein normaler Teil dieses Prozesses.


Hilfe in deinem eigenen Rahmen


Du darfst helfen, ohne alles zu tragen. Was du geben kannst, richtet sich danach, was du selbst gerade an Zeit, Kraft und emotionaler Kapazität hast, und das darf sich von Woche zu Woche unterscheiden. Wenn du merkst, dass dir etwas zu viel wird, darfst du das benennen, ohne dass daran eine Bedingung für deine Unterstützung hängt: "Das kann ich gerade nicht leisten, aber ich bin trotzdem für dich da."


Wenn du selbst noch verletzt bist von ihrem Rückzug


Vielleicht warst du in den letzten Monaten oder Jahren selbst verletzt davon, wie sehr sich deine Freundin zurückgezogen hat. Und jetzt, plötzlich, braucht sie dich wieder, intensiv. Dass sie sich ausgerechnet an dich wendet, ist im Kern ein Kompliment, ein Zeichen dafür, dass du für sie der Mensch bist, dem sie vertraut. Das darf so gesehen werden.


Gleichzeitig musst du nicht sofort und uneingeschränkt zur Verfügung stehen, nur weil sie dich jetzt braucht. Es ist in Ordnung, kurz bei dir selbst zu prüfen, was du gerade geben kannst, bevor du antwortest.


Häufige Fragen zu wie du deine Freundin bei der Trennung vom toxischen Partner unterstützt



Soll ich ihr sofort bei der Trennung helfen, zum Beispiel bei Wohnung oder Umzug?

Frag lieber, was sie sich konkret wünscht, statt vorzupreschen. Manche Frauen brauchen zuerst jemanden zum Reden, andere praktische Hilfe. Biete an, was du leisten kannst, und verweise für größere organisatorische oder rechtliche Fragen auf entsprechende Beratungsstellen.

Das kommt häufig vor und bedeutet nicht, dass eure Gespräche umsonst waren. Bleib erreichbar, ohne sie dafür zu verurteilen. Jeder Anlauf, über die Beziehung zu sprechen, kann ein Baustein für einen späteren, stabileren Schritt sein.

Schuldgefühle sind an dieser Stelle sehr verständlich, verdienen aber eine genauere Einordnung. Für die Muster in ihrer Beziehung und für ihre eigenen Entscheidungen trägt allein deine Freundin Verantwortung, das lag nie bei dir. Vielleicht warst du zwischendurch sogar gerade deshalb eine gute Freundin, weil du sie ihre eigenen Entscheidungen hast treffen lassen, statt sie zu bedrängen.

Frag dich oder auch deine Freundin ehrlich, was in der Situation damals tatsächlich anders möglich gewesen wäre. Meistens lautet die Antwort: nichts, das die Entwicklung wirklich verändert hätte. Jetzt kannst du wieder einfach ihre Freundin sein. Und es kann gut sein, dass du dabei eine andere Freundin zurückbekommst als vorher, denn wer diesen Weg geht, verändert sich meistens auch selbst.

Wenn Anzeichen von Kontrolle, Drohungen oder Gewalt auftauchen, oder wenn du selbst unsicher bist, wie gefährlich die Lage werden könnte, ist das ein Punkt, an dem Beratungsstellen wie das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen (08000 116 016) oder im Akutfall die Polizei einbezogen werden sollten.


Ich bin Eva, und arbeite mit Frauen die sich in einer Beziehung mit einem psychisch erkrankten Mann verlieren.


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Über die Autorin: 

Dr. Eva Winkler ist Diplom-Psychologin und Coach. Sie begleitet Frauen, die viel tragen und sich dabei selbst aus dem Blick verlieren. Es geht um psychische Erkrankungen innerhalb von Beziehungen, Funktionieren-müssen und den Weg zu sich selbst.

 

inmut: Mut nach innen, um zu verändern. 

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