„Ich kann doch nicht gehen": Trennung als Mutter, wenn der Partner psychisch krank ist
- Eva
- 26. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Wenn du das hier liest, kennst du dieses Gefühl wahrscheinlich schon lange.
Du weißt irgendwie, was du willst.
Tief drin. Und trotzdem gehst du nicht.
Zwischen dem Wissen und dem tun liegen Welten? Aus Mustern, Glaubenssätzen und Ängsten, die sich so wahr anfühlen, dass du sie für die Wirklichkeit hältst.
Kleine Momente, große Fragen
Es muss nicht laut sein. Meistens ist es das nicht.
Vielleicht ist es der Sonntagmorgen, an dem du als erstes seinen Atem belauschst, bevor du aufstehst. Laut? Unruhig? Du liest seine Stimmung wie einen Wetterbericht und richtest den Tag danach aus...deinen Tag!
Vielleicht ist es das Gespräch mit deiner Freundin, das du abbrichst, weil er anruft. Und du gehst unmittelbar ran. Weil du weißt, was passiert, wenn du es nicht tust.
Vielleicht ist es abends, wenn die Kinder schlafen und du dich fragst: Wann habe ich zuletzt etwas für mich getan? Und die Antwort kommt nicht.
Oder es ist der Moment, wenn deine Tochter dich anschaut und fragt: „Mama, bist du traurig?" Und du sagst: „Nein, nein. Alles gut." Und sie dich trotzdem ansieht.
Kennst du das?
Was hält dich eigentlich fest?
Nicht er.
Du.
Erkennst du dich in einem dieser Sätze?
„Ich kann nicht gehen, solange er so krank ist."
„Was, wenn ihm etwas passiert, weil ich gegangen bin?"
„Die Kinder brauchen ihre Familie zusammen."
„Ich habe versprochen, für ihn da zu sein."
„Vielleicht wird es noch besser."
„Wer bin ich überhaupt noch, wenn ich nicht für ihn da bin?"
„Was denken die anderen?"
Diese Sätze fühlen sich wahr an. Aber sind sie Fakten oder sind sie Überzeugungen, die du irgendwann gelernt hast? Und die seitdem deine Entscheidungen treffen, ohne dass du es merkst?
Drei Muster, die sich wie Vernunft anfühlen
„Wenn ich gehe, bricht er zusammen."
Vielleicht stimmt das. Vielleicht auch nicht. Aber irgendwann lohnt sich die Frage: Seit wann bist du verantwortlich für das, was mit ihm passiert, wenn du gehst?
Du bist seine Partnerin. Nicht seine Therapeutin. Nicht sein Sicherheitsnetz. Und das war nie der Deal (auch wenn es sich so angefühlt hat, über die Zeit).
„Ich tu das meinen Kindern nicht an."
Was siehst du, wenn du genau hinschaust, nicht auf die Vorstellung von Trennung, sondern auf das, was deine Kinder gerade täglich erleben?
Und was lernen sie dabei über sich selbst? Über Beziehungen? Darüber, was eine Frau wert ist?
Eine Mutter, die sich selbst ernst nimmt, zeigt ihren Kindern: Du darfst das auch. Das ist vielleicht das Wichtigste, was du ihnen mitgeben kannst.
„Man verlässt keine kranken Menschen."
Woher kommt dieser Satz? Wer hat ihn dir gegeben? Und gilt er wirklich für jede Situation? Auch für diese?
Warum du es alleine schon weißt und trotzdem feststeckst
Du hast wahrscheinlich schon viel gelesen. Mit Freundinnen gesprochen. Nachts überlegt. Vielleicht sogar schon Entscheidungen getroffen, die du dann doch nicht umgesetzt hast.
So ist das mit inneren Mustern: Sie lösen sich nicht durch Einsicht. Sie brauchen etwas anderes.
Jemanden, der nicht sagt, was du tun sollst. Sondern der mit dir zusammen herausfindet, was dich aufhält.
Was sich als Fürsorge tarnt, aber eigentlich Angst ist.
Was sich als Pflicht verkleidet, aber eigentlich ein alter Glaubenssatz ist.
Was sich als Vernunft ausgibt, aber eigentlich Scham ist.
Du brauchst keine Antworten von außen. Sondern Klarheit von innen.
Ich bin Psychologin und arbeite gezielt mit diesen schambesetzten Dynamiken, den Mustern, die so tief sitzen, dass sie sich längst wie du selbst anfühlen.
Was möglich wird
Nicht jede Frau, die zu mir kommt, trennt sich. Das ist auch nicht das Ziel.
Das Ziel ist, dass du wieder weißt, was du willst. Dass du eine Entscheidung treffen kannst, die wirklich deine ist...nicht die deiner Angst, nicht die deiner Schuldgefühle, nicht die der Erwartungen anderer.
Was das bedeutet, findest du nur du heraus.


